"Sniper Elite III - Africa" Scharfschützenporno

"Sniper Elite III" ist ein weltweiter Überraschungshit. Es macht Blockbustern wie "Watch Dogs" oder "Mario Kart 8" Konkurrenz. Warum eigentlich? Das Spiel ist provokant brutal - und übt eine morbide Faszination aus.

505 Games

Ich schaue durch das Fernglas, markiere den Feind. Langsam krieche ich näher. Ducke mich hinter eine Mauer. Versuche, den Feind erneut zu finden. Hinter einer Palme steckt er. Patrouilliert. Bleibt stehen, geht weiter. Ich merke mir seine Wege. Lausche, ob der defekte Generator hinter mir gerade Geräusche macht. Er ist laut genug, meinen Schuss zu überdecken. Ich lege das Scharfschützengewehr an, ziele. Der Gegner verschwindet hinter einem Felsen. Zu langsam.

"Sniper Elite III" wurde von Rebellion entwickelt, einem unabhängigen Studio. Seit Jahrzehnten im Geschäft, nie sonderlich erfolgreich. Und jetzt steht "Sniper Elite III" auf einmal in Großbritannien an der Spitze der Charts, auch in Deutschland und den USA verkauft es sich gut. Nur deshalb habe ich mir den Überraschungshit einmal angesehen. Ich habe eigentlich schon lange genug von Kriegsspielen, von bösen Nazis und gegen sie kämpfenden Superhelden. Aber "Sniper Elite III" packt mich dann doch eine Weile. Auch weil es seine Geschichte auf einem Minimallevel hält.

Trefferanimation in Zeitlupe und mit Röntgenblick

Das Spiel wendet sich an Erwachsene, und auch die wird es gelegentlich schwer schlucken lassen. Es ist provokant brutal. Als Elite-Soldat kämpfen Spieler in Nordafrika im Zweiten Weltkrieg gegen Nazis und müssen dabei vor allem aus dem Hinterhalt schießen. Als Scharfschütze, als Schleichkämpfer. Im offenen Feuergefecht wird man schnell überwältigt. Auch mit der Spielfigur selbst kennt "Sniper Elite III" keine Gnade, wenn man sich falsch anstellt. Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern um langsames, taktisches Vorgehen. Einen Gegner nach dem anderen ausschalten, ohne erkannt zu werden. Das gibt es als Element auch in zahlreichen anderen Spielen, bei "Sniper Elite III" ist es die zentrale Aufgabe.

Wenn man richtig gezielt hat, verlangsamt sich das Spiel, die Kamera folgt der Kugel auf dem Weg zum Gegner. Kurz bevor sie trifft, verwandelt das Opfer sich in ein Skelett mit Organen. Die Folgen des Treffers werden im Detail gezeigt, in Zeitlupe. Beim ersten Mal starre ich auf das Bild. Beim zehnten Mal sehe ich nach, ob man die Animation auch abstellen kann. Man kann.

Doch diese Zeitlupe sagt in Wahrheit alles über das Spiel. "Sniper Elite III" funktioniert im Grunde nach dem gleichen Muster wie ein Porno: Die Geschichte ist so nebensächlich, dass sie nahezu weggelassen wird. Alles läuft auf den Höhepunkt hinaus. Briten, Deutsche, Zweiter Weltkrieg, gut, böse? Egal. Im Grunde geht es nur um eines: Gegner finden, schießen, treffen. Langes Vorspiel, kurzer Abschluss.

"Sniper Elite III" hält sich nicht mit moralischen Fragen auf. Es geht, auch wegen seiner immer wieder auftretenden Fehler und teilweise nicht ganz zeitgemäßer Grafik, zurück zu den Ursprüngen der Ego-Shooter. Wie "Doom" in Zeitlupe und mit besserer Grafik. Auch, weil es sich einen Dreck dafür interessiert, was andere über es denken.

Das sagen die anderen: Süchtig machend nennen es einige Kritiker und loben die Spannung, die "Sniper Elite III" aufbauen kann. Andere dagegen kritisieren die zweckmäßige Grafik und zahlreiche Programmfehler.


"Sniper Elite III" von 505 Games, für PC und Konsolen; ab 30 Euro; USK: Keine Jugendfreigabe.



insgesamt 8 Beiträge
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MX Fox 27.07.2014
1. Spielemangel
Ich habe Sniper Elite 3 selbst einige Stunden gespielt bis es mir zu eintönig wurde. Ich denke, das Spiel ist deshalb so erfolgreich, weil es gerade für die neuen Konsolengenerationen momentan einfach keine wirklichen Alternativen gibt. Derzeit herrscht eine große Flaute auf dem Spielemarkt, viele langersehnte Titel werden erst ab September erscheinen, da nimmt man eben was man kriegen kann. Gerade jetzt in der Urlaubszeit. So war's auch bei mir.
hotgorn 27.07.2014
2. sehr gutes spiel
Erinnert mich an die alten Commandos spiele die auch im 2. Weltkrieg angesiedelt waren. Ähnlich taktisch und dazu noch in scharfer Grafik.
kai kojote 27.07.2014
3.
Wenn es die einzige Definition für einen "Porno" ist, dass es eine Spannungskurve mit Höhepunkt gibt, dann ist praktisch jeder Film, jedes Spiel, jede Mahlzeit, jedes Treffen mit Freunden, einfach alles ein "Porno". Billiger Versuch, wiedermal ein Spiel, wenn auch unterschwelliger als bei den Öffentlichen, als Gewaltjunkies geilmachendes Killerspiel zu diffamieren...
Belfort 27.07.2014
4. Gott wie langweilig
Diese Sniper-Option wurde bereits wunderbar von Bethesda in ihren offenen Games wie Fallout3 oder Skyrim fast perfekt umgesetzt. Mit gigantischen Spielhintergründen. Diese "Sniper-Elite III" wirkt dagegen wie ein Auto das sich nur im Rückwärtsgang fahren lässt. Wenn das also der große Erfolg ist zeigt es wie debil und anspruchslos die Clientel. Sehr traurig das ganze.
herr minister 27.07.2014
5. Kritikerporno
Zitat von MX FoxIch habe Sniper Elite 3 selbst einige Stunden gespielt bis es mir zu eintönig wurde. Ich denke, das Spiel ist deshalb so erfolgreich, weil es gerade für die neuen Konsolengenerationen momentan einfach keine wirklichen Alternativen gibt. Derzeit herrscht eine große Flaute auf dem Spielemarkt, viele langersehnte Titel werden erst ab September erscheinen, da nimmt man eben was man kriegen kann. Gerade jetzt in der Urlaubszeit. So war's auch bei mir.
Genau so sieht es aus. Es gibt derzeit einfach keine Games für die Konsolen, deshalb verkauft sich auch der letzte Müll und hat Chancen die Verkaufscharts zu erklimmen. Diese Kritik mit dem ach so hippen "Porno" zu hypen, macht sie leider auch nicht besser. Zumal "Porno" auch schon wieder oldschool ist.
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