Angespielt: Eine Stunde mit "Sound Shapes"

Von Carsten Görig

Musik ab: Das Konsolenspiel "Sound Shapes" lässt den Spieler versinken in einer Welt aus Farben und Klang. Man lenkt einen Ball, lässt Lieder entstehen und kann sogar selbst Level bauen und dabei komponieren.

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Sony

Zuerst eine kleine Korrektur der Überschrift. Die müsste eigentlich lauten: "Wie ich eine Stunde 'Sound Shapes' spielen wollte und daran hängen blieb." Dabei hat meine Bekanntschaft mit dem Downloadspiel für Playstation Vita und Playstation 3 eher gewöhnlich begonnen.

Ich rolle einen kleinen Ball über den Bildschirm. Ich lasse ihn hüpfen und an Gegenständen kleben, damit er auch an der Decke entlang rollen kann. Dabei schaffe ich manche Steigungen nicht, falle immer wieder in den Tod, muss andere Wege ans Ende des Levels suchen. So weit, so bekannt. "Sound Shapes" erinnert erst einmal stark an "Loco Roco", einem der besten Spiele für den Vita-Vorgänger PSP. Was durchaus ein guter Grund ist, weiterzuspielen.

Bald aber beginnt "Sound Shapes", seine Eigenheiten zu entfalten. Ich sammele mit dem Ball kleine Punkte ein. Die machen Musik, funktionieren wie Noten, wie Instrumente, die bei Berührung aktiviert werden; so, als ob hinter dem sichtbaren Bild ein verborgener Sequencer liegt, eine Matrix, auf der Töne und Tonhöhen eingetragen werden und so die Musik steuert. Nach und nach werden daraus vollständige kleine Lieder, komponiert unter anderem von Beck (auch wenn ich meine Probleme mit dem bekennenden Scientologen und seiner streberhaft alternativ sein wollenden Musik habe), Deadmau5 und Jim Guthrie, der bereits das großartige "Sword & Sworcery" vertont hat.

Für Musikbastler und Liebhaber niedlicher Spiele unmöglich

Ganz verschiedene Welten sind zu den Stücken gezeichnet, simpel und effektvoll bewegen sich ihre Elemente im Rhythmus der Musik, der Takt bestimmt das Spiel. Sobald ich den Kopfhörer aufsetze, versinke ich in einer Welt aus Farben und Klang, durch die ich einen Ball rolle. In der ich aufpassen muss, dass dieser Ball nicht mit etwas Rotem in Berührung kommt, denn das bedeutet den Tod. Egal ob Lava, Speere oder Raketen.

Immer neue Ideen kommen ins Spiel. Schalter müssen betätigt werden, Kisten verschoben, Türen geöffnet. Das anfänglich an "Loco Roco" erinnernde Gefühl schwindet zunehmend und macht einer tiefen Befriedigung Platz, die auch dadurch nicht zu erschüttern ist, dass einige Level mehr Trial & Error als durchdachte Einheiten sind. Oftmals sieht man die Todesfalle erst, wenn sie zuschnappt. Rücksetzpunkte sind häufig, weshalb Frust gar nicht erst aufkommt.

Bald schon wende ich mich dem Level-Editor zu, versuche, eigene Welten zu bauen und merke, dass es tatsächlich ein Sequencer ist, der die Musik steuert. Und den ich vor allem selbst gestalten kann. Mit anderen Worten: Ich kann selbst Level bauen und dabei eigene Musik komponieren. Und das auf recht einfache und intuitive Art, weshalb ich den größten Teil der Zeit, den ich mit "Sound Shapes" verbracht habe, in diesem Editor verbracht habe. Ich habe Klänge kombiniert und abgespielt, habe versucht, verschiedene Wege durch das Bild zu finden, um die Musik jedes mal anders klingen zu lassen.

Eine Stunde mit "Sound Shapes"? Für Musikbastler und Liebhaber niedlicher Spiele unmöglich. Und ich habe noch nicht einmal begonnen, neue Level herunterzuladen, die andere Spieler gebaut und online gestellt haben. Da warten noch ganz neue Ideen.

Das sagen die anderen: Die Meinung der Kritiker scheint einhellig. "Sound Shapes" ist ein kleines Meisterwerk. Gelobt werden Grafik, Musik und das Zusammenspiel von beiden. Kritik gibt es an dem anfänglich geringem Umfang des Spiels.


"Sound Shapes" von Sony, für Playstation Vita und Playstation 3; 12,99 Euro als Download, beinhaltet beide Versionen

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Erinnert mich an die guten alten C64 Zeiten...
fellfrosh 19.08.2012
...da gab es auch schonmal ein Spiel in dem man seine eigene Musik zusammenbasteln konnte indem man umherfliegende Teile eingesammelt hat und dann als DJ die Stücke aufgeführt hat, ich weiß leider nicht mehr wie es hieß.
2. To Be on Top?
andreasstetter 24.08.2012
@fellfrosh: Das war super, auch wenn ich nie über Platz 3 in den virtuellen Charts hinausgekommen bin. http://www.c64-wiki.de/index.php/To_Be_On_Top
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.

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