Preis für Gesellschaftsspiele: Das sind die ausgezeichneten Spiele des Jahres

Von Joachim Budde

Brettspiel-Auszeichnung: Das sind die Spiele des Jahres 2013 Fotos
Joachim Budde

Das Spiel des Jahres ist gekürt. Die Jury des renommierten Kritikerpreises zeichnet das einfache, kooperative Kartenspiel "Hanabi" als bestes Spiel 2013 aus. Außerdem im Überblick: Die sieben nominierten Spiele samt Kurzrezension.

"Hanabi" ist das neue Spiel des Jahres. Die Jury des wichtigsten Spielepreises in Deutschland hat damit ein kleines, schnelles Spiel ausgezeichnet, das es dennoch in sich hat.

Preisträger und Nominierte - hier die sieben besten Spiele im Überblick:

"Hanabi" - kooperativ ein Feuerwerk zaubern

"Hanabi": Mit den richtigen Karten zünden die Spieler gemeinsam ein Feuerwerk Zur Großansicht
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"Hanabi": Mit den richtigen Karten zünden die Spieler gemeinsam ein Feuerwerk

"Hanabi", das bedeutet auf Japanisch nicht einfach Feuerwerk, sondern Feuerblume. Solche Kunstwerke sollen die Spieler beim Spiel des Jahres 2013 gemeinsam an den Abendhimmel malen. Dabei bekommen sie aber nur das Blatt ihrer Mitspieler zu Gesicht, denn jeder hält seine Handkarten mit der Vorderseite von sich weg.

Um dennoch Feuerwerkskarten ausspielen zu können und zum gemeinsamen Feuerwerk beizutragen, ist man auf Hinweise der Mitspieler angewiesen. Wer falsch ausspielt, erzürnt die Götter und lässt das Ende näher rücken! Ein Spiel für kooperative Gedächtnisakrobaten.

Antoine Bauza: "Hanabi", Grafik: Albertine Ralenti, Abacusspiele, 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: ca. 30 Minuten, Preis: ca. 5 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Die Legenden von Andor" - Fantasy-Spiel mit einfachen Regeln

"Die Legenden von Andor": Abenteuer wie in einem echten Rollenspiel Zur Großansicht
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"Die Legenden von Andor": Abenteuer wie in einem echten Rollenspiel

Wer schon einmal ein gutes Fantasy-Rollenspiel am Computer gespielt hat, kennt das: Man kann loslegen, ohne vorher großartig die Regeln zu lesen. Man lernt sie beim Spielen. So ist es auch beim als Kennerspiel des Jahres ausgezeichneten Titel "Die Legenden von Andor": Drei kleine Absätze sind zu lesen, und schon geht es los.

Der Autor Michael Menzel hat bisher lediglich als Grafiker Spiele gestaltet. Dass hier alles aus einer Hand kommt, merkt man bei diesem ausgesprochen atmosphärischen Spiel in jedem Detail. Sieben Legenden, also Abenteuer, stecken in der mit Material vollgestopften Schachtel. Wer die durchgespielt hat, kann sich selbst Legenden ausdenken oder findet in der "Taverne von Andor" Bonusabenteuer und Legenden, die andere Spieler entworfen haben. Und natürlich ist schon die erste Erweiterung zu haben. Ein anspruchsvolles kooperatives Spiel für Fantasyfans oder Leute, die schon immer mal so ein Spiel ausprobieren wollten.

Michael Menzel: "Die Legenden von Andor", Grafik: Michael Menzel, Kosmos Verlag, 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: ca. 90 Minuten, Preis: ca. 29 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Augustus" - Taktieren mit Roms Legionen

"Augustus": Wenn ein Spieler sieben dieser Karten kontrolliert, hat er gewonnen Zur Großansicht
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"Augustus": Wenn ein Spieler sieben dieser Karten kontrolliert, hat er gewonnen

Auch die anderen für das Spiel des Jahres nominierten Titel sind erstklassig: Als "Bingo im alten Rom" bezeichnet die Jury das Spiel "Augustus". Ähnlich wie bei dem angestaubten Lotterie-Klassiker für Kaffeekränzchen werden nach und nach Symbole aufgedeckt.

So übernehmen die Spieler mit ihren Legionen die Kontrolle über Provinzen und Senatoren, die ihnen Siegpunkte einbringen. Wer aber am Ende gewinnen will, muss dafür sorgen, dass er sich Bonuspunkte sichert. Ein schnelles Spiel für Taktiker mit Weitblick.

Paolo Mori: "Augustus", Grafik: Vincent Dutrait, Hurrican Verlag, 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: ca. 30 Minuten, Preis: ca. 29 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Qwixx" - wenig Material, komplexes Spiel

"Qwixx": Sechs Würfel und ein Spielblock - das ist das gesamte Material Zur Großansicht
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"Qwixx": Sechs Würfel und ein Spielblock - das ist das gesamte Material

"Qwixx" kommt mit sechs Würfeln und einem Spielblock aus. Jeder möchte möglichst viele Kreuze in jeder der vier Reihen machen, denn jedes neue Kreuz bringt neue Punkte. Weil man aber neue Kreuze nur rechts von bereits bestehenden machen darf, ist das doppelt kniffelig. Wer kein Kreuz macht, kassiert Strafpunkte. Ein Spiel für nervenstarke Zocker, das alle am Tisch in Atem hält.

Steffen Benndorf: "Qwixx", Grafik: Sandra und Oliver Freudenreich, Nürnberger Spielkarten Verlag, 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: ca. 15 Minuten, Preis: ca. 5 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Brügge" - 165 Karten und viel Glück

"Brügge": Die Spieler kämpfen um die Macht in der mittelalterlichen Stadt Zur Großansicht
Joachim Budde

"Brügge": Die Spieler kämpfen um die Macht in der mittelalterlichen Stadt

Beim zum Kennerspiel nominierten "Brügge" sollte man sich nicht zu sehr auf einen Plan festlegen, denn das Spiel zwingt dazu, immer wieder Haken zu schlagen. Das liegt einmal daran, dass die Spieler unglaublich viele Möglichkeiten haben, die 165 Karten für Aktionen einzusetzen.

Und außerdem an den Schicksalsschlägen, die "Brügge" gerne einmal austeilt: Wer nicht aufpasst, wird ausgeraubt, Opfer einer Intrige, verliert Helfer an die Pest oder eine Überschwemmung, oder er sieht sein Haus in Flammen aufgehen. Jede Runde ändern sich die Voraussetzungen, die Einkommensquellen und die Gefahren. Ein abwechslungsreiches Spiel für Leute, die sich schnell auf die Launen des Glücks einstellen können.

Stefan Feld: "Brügge", Grafik: Michael Menzel, Hans im Glück, 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: ca. 60 Minuten, Preis: ca. 30 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Die Paläste von Carrara" - billig kaufen, schick bauen

"Die Paläste von Carrara": Ein Aufbauspiel zum Kennenlernen des Genres
Joachim Budde

"Die Paläste von Carrara": Ein Aufbauspiel zum Kennenlernen des Genres

Den König beeindrucken wollen die Spieler bei "Die Paläste von Carrara". Dazu bauen sie prächtige Gebäude in den Städten am Rande der Apuanischen Alpen. Doch sie dürfen nicht zu früh Baumaterial kaufen, sonst ist der Preis zu hoch. Den bestimmt ein Nachschubrad, wie es Uwe Rosenberg ähnlich erstmals in "Ora et Labora" eingesetzt hat. Und soll man schnell werten, um bald an Geld und Siegpunkte zu gelangen, oder noch auf ein lukratives Gebäude warten?

Zügig die Bedingungen für das Spielende erfüllen oder noch Punkte sammeln? Um die Mechanismen des Aufbaugenres erst einmal kennenzulernen, bietet "Die Paläste von Carrara" eine Einsteigervariante. So oder so - ein Spiel für Taktiker mit Gespür für das richtige Timing.

Wolfgang Kramer und Michael Kiesling: "Die Paläste von Carrara", Grafik: Franz Vohwinkel, Hans im Glück, 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: ca. 120 Minuten, Preis: ca. 37 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Tzolk'in - Der Maya-Kalender" - komplexe Strategie

"Tzolk'in": Die Spieler müssen Aktionen optimal aufeinander abstimmen Zur Großansicht
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"Tzolk'in": Die Spieler müssen Aktionen optimal aufeinander abstimmen

Als Auszeichnung ist es wohl auch zu verstehen, dass auf der Empfehlungsliste für das "Kennerspiel des Jahres" diesmal lediglich zwei Titel stehen. Beide Spiele schätzt die Jury als zu komplex für den Preis als Kennerspiel ein: Da ist einmal "Tzolk'in - Der Maya-Kalender" (Rezension von Dezember), ein Spiel für anspruchsvolle Strategiefreunde, die ihre Aktionen vorausplanen können. Und "Terra Mystica", das sich aber nach dem Studium des dicken Regelhefts überraschend flüssig spielt, weil alle Mechanismen perfekt ineinandergreifen. Ein paar Partien zum Kennenlernen sind nötig, aber das sind willkommene Mühen.

Helge Ostertag und Jens Drögemüller: "Terra Mystica", Grafik: Dennis Lohausen, Feuerland Spiele, 2 bis 5 Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: ca. 30 Minuten pro Spieler, Preis: ca. 40 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

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insgesamt 19 Beiträge
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    Seite 1    
1. Immer Mittelalter?
PaulGaul 08.07.2013
...bin immer dankbar, wenn eine Spielidee nicht zwanghaft in der "guten alten Zeit" ausgetragen werden muss ... seit Catan: Mittelalter, Azteken, Maya, Carrara, Rom, Fugger, Hanse, Mönche usw. -> macht es nicht einfach, die Spiele auseinanderzuhalten. Vielleicht geschickt für eine schwache Spielidee, aber bei Spiel-des-Jahres-Anwärtern? Danke Qwixx und Hanabi!
2.
PeterPan95 08.07.2013
Zitat von PaulGaul...bin immer dankbar, wenn eine Spielidee nicht zwanghaft in der "guten alten Zeit" ausgetragen werden muss ... seit Catan: Mittelalter, Azteken, Maya, Carrara, Rom, Fugger, Hanse, Mönche usw. -> macht es nicht einfach, die Spiele auseinanderzuhalten. Vielleicht geschickt für eine schwache Spielidee, aber bei Spiel-des-Jahres-Anwärtern? Danke Qwixx und Hanabi!
Wie Sie selber merken, ist es keineswegs "immer Mittelalter". Spiele wie Qwixx machen natürlich auch ohne Geschichte drumherum Spaß, aber gerade ein aufwändigeres Spiel braucht nunmal eine Motivation. Und da ist es numal eingängiger, eine bekannte Geschichte zu verwenden (aka Vergangenheit), als sich selber eine auszudenken und diese dem Spieler zu vermitteln. Daher kann ich Ihre Kritik nicht ganz nachvollziehen. In einem haben Sie aber in jedem Fall recht: Eine gute Story rettet keine schlechte Spielidee. Andererseits ist eine gute Spielidee in einer langweiligen "Verpackung" leider auch nicht gut.
3. nicht immer Mittelalter
Reg Schuh 08.07.2013
Eine richtig feine Sache war auch "Galaxy Trucker".
4. Fehlerteufel
Reg Schuh 08.07.2013
Bei den Bildbeschreibungen hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen. Zweimal steht da "Augustus" wo offenbar "Brügge" stehen sollte. Schade, daß immer mehr meim Korrekturlesen geschlampt/gespart wird.
5. Tolles Spiel!
nojuli 08.07.2013
Mit Hanabi gewinnt ein innovatives, kommunikatives und kooperatives Kartenspiel den Spielepreis. Eine gute Wahl, wobei auch Qwixx ein würdiger Sieger gewesen wäre. Testberichte zu allen Nominierten haben wir bereits www.brettspiele-magazin.de veröffentlicht.
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