Brettspiel-Preis "Azul" ist das "Spiel des Jahres 2018"

Ein taktisches Legespiel ist zum 40. "Spiel des Jahres" gekürt worden. Die Jury zeigt sich begeistert vom Spielmaterial und spricht von einer "Meisterleistung".

Hendrik Breuer

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Mit "Azul" hat Spieleautor Michael Kiesling bereits zum dritten Mal den bedeutendsten Spielepreis der Welt gewonnen. Zuletzt bekam er die Auszeichnung vor 18 Jahren zusammen mit Co-Autor Wolfgang Kramer für "Torres". Das Turmbau-Spiel ist heute allerdings etwas in Vergessenheit geraten und gilt nicht unbedingt als einer der Überflieger unter den seit heute vierzig "Spielen des Jahres".

"Azul" könnte eine bessere Zukunft beschieden sein. Vielleicht wird es ja sogar ein Klassiker wie die früheren Gewinner "Catan", "Carcassonne" und "Zug um Zug". Gut verkauft es sich schon jetzt: Von "Azul" sind seit Herbst vergangenen Jahres bereits mehr als 320.000 Exemplare abgesetzt worden, übersetzt wurde es in 25 Sprachen. Das Spiel ist zudem aktuelles "Spiel des Jahres" ("As d'Or") in Frankreich. (Auch auf SPIEGEL ONLINE wurde "Azul" schon zu Weihnachten als ein "Highlight des Spielejahres" bezeichnet.) "Azul" setzte sich gegen die ebenfalls nominierten "The Mind" und "Luxor" durch.

Die Jury lobt, dem Autor Kiesling sei "die Meisterleistung gelungen, einem einfachen Auswahlmechanismus so viel Tiefgang zu verleihen, dass dieser einen nahezu endlosen Wiederspielreiz auslöst."

Als "Kennerspiel des Jahres" wurde ein Spiel mit beeindruckend sperrigem Namen ausgezeichnet: "Die Quacksalber von Quedlinburg" des österreichischen Spieleautors Wolfgang Warsch.

Warsch ist der Shootingstar unter den Spieleautoren, dem das Kunststück gelang, insgesamt drei Spiele auf den Nominierungslisten zu "Spiel des Jahres" ("The Mind" ist nämlich auch von ihm) und "Kennerspiel des Jahres" zu platzieren. Das gab es noch nie. Das Ganze ist vor allem deshalb beachtlich, weil Warsch bisher kaum mit Spiele-Veröffentlichungen in Erscheinung getreten war. "Die Quacksalber von Quedlinburg" stach Warschs zweites nominiertes Kennerspiel "Ganz schön clever" aus sowie "Heaven & Ale" von Kiesling und Co-Autor Andreas Schmidt.

In der Bildergalerie stellen wir das neue "Spiel des Jahres", das "Kennerspiel" sowie alle mitnominierten Spiele vor. Zudem schauen wir auf ein ausgezeichnetes Kinderspiel, das bereits Vierjährige spielen können:

Das Spiel "Die Quacksalber von Quedlinburg" hieß ursprünglich "Most Wanted" und fand im Wilden Westen statt, verriet Warsch während der Verleihung. Erst im Laufe der redaktionellen Bearbeitung wurde das Geschehen in den Harz verlegt. Auch das "Spiel des Jahres" "Azul" handelte nicht immer vom Fliesenlegen am portugiesischen Königshofe: Autor Kiesling konzipierte das Spiel als rein abstraktes Legespiel mit ganz normalen Holzplättchen und bot es dem Verlag unter dem Titel "Einstein" an.

Augenscheinlich machte der deutsch-kanadische Verlag Plan B Games aus einem guten ein sehr gutes Produkt, das in diesem starken Spielejahrgang mit sechs tollen und unterschiedlichen Kandidaten auf den Nominierungslisten schon seit Monaten als großer Favorit auf die Auszeichnung galt.

Mit einem "Sonderpreis" wurde das Legacy-Spiel "Pandemic Legacy: Season 2" ausgezeichnet, das von der Komplexität her noch um einiges über dem "Kennerspiel"-Niveau liegt. Die Jury wollte die "außerordentliche Autorenleistung" allerdings würdigen und hat deshalb den einmaligen Sonderpreis ausgelobt. Auch dieses Spiel wurde bereits zu Ostern auf SPIEGEL ONLINE empfohlen, allerdings nur für feste Gruppen und Leute mit sehr viel Zeit.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
markusma 23.07.2018
1. Azul, 50 Euro, puhhh ...
Das ist eine Hausnummer ... mir persönlich als Gelegenheitsspieler doch etwas viel, für (max.) 39 Euro hätte ich es wohl gleich bestellt. So aber ....
naeggha 23.07.2018
2. Pandemic Legacy 2 rockt
Super Spiel für gleichbleibende Gruppen. Absolute Kaufempfehlung für Teamplayer, auch wenn es 60EUR kostet. Meine Familie trifft sich seitdem wieder regelmäßig.
derneugrabener 23.07.2018
3. Umschauen
Wer sich ein bisschen umschaut, sei es im Fachhandel oder online, wird Azul auch für unter 40 Euro finden.
matztecow 23.07.2018
4.
Zitat von markusmaDas ist eine Hausnummer ... mir persönlich als Gelegenheitsspieler doch etwas viel, für (max.) 39 Euro hätte ich es wohl gleich bestellt. So aber ....
Wieso 50€? Gibts doch bereits ab ca. 30€. :-/ https://www.brettspiel-angebote.de/spiele/azul/2210/
menkenke 23.07.2018
5. lohnt sich - super Geschenk
Der Trick ist, es überhaupt zu kriegen. um Weihnachten war es vier Monate lang vergriffen. Und das völlig zu Recht, da es sowohl den Gelegenheits- als auch Vielspielern etwas bietet und man auch Kinder ab 6 Jahren dran lassen kann. Und wem es zu teuer ist, der soll es sich halt zum Geburtstag oder Weihnachten wünschen. man kriegt sonst so viel Schrott, Azul wird man in 20 Jahren noch spielen, versprochen.
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