Spiel zur Serie "Defiance": Langweilige Materialschlacht im Mutantenstadl
Eine anspruchsvolle Fernsehserie, dazu ein passendes Spiel: "Defiance" ist eine crossmediale Mammut-Produktion. Leider bleibt vom Ideenreichtum der Serie in der Adaption für Computer und Konsolen kaum etwas übrig.
"Wo kann man hier schnell Geld machen?", fragt Neuankömmling Joshua Nolan die schöne Barkeeperin in der zwielichtigen Kneipe. Kurze Zeit später steht der ehemalige Söldner in einer Mini-Arena, um gegen Bares einen riesigen Maschinenmenschen zu vermöbeln. Danach übernimmt der Held seine erste Mission, in der er nicht nur das gewaltsame Ableben eines Einwohners aufklärt, sondern auch den kleinen Außenposten vor marodierenden Aliens rettet.
In der US-Fernsehserie "Defiance" des Senders SyFy geht es zu wie in einem Online-Rollenspiel. Und das mit voller Absicht, denn zeitgleich zum internationalen Start der TV-Show im April wurde auch das gleichnamige MMO für PC, Xbox 360 und Playstation 3 auf den Markt geworfen. Der crossmediale Kraftakt soll laut "Forbes" insgesamt 100 Millionen Dollar gekostet haben - und ist eine Premiere für die Games- und Fernsehindustrie.
Gamer fühlen sich in der TV-Serie sofort zu Hause. Es gibt acht verschiedene Spezies mit unterschiedlichen Fähigkeiten, klassische Archetypen wie den Söldner, den Doktor oder den Diplomaten, natürlich reichlich Waffenarten und eine ausgefeilte Vorgeschichte. Dies gibt der Science-Fiction-Serie gleich zu Beginn eine ungewohnte Tiefe. Wo sich Shows wie "Raumschiff Enterprise - Die nächste Generation" und "Babylon 5" solch ein ausgefülltes Universum hart über die Jahre erarbeiten mussten, haben die Macher von "Defiance" schon reichlich Vorarbeit geleistet.
Einfallsloser Mehrspieler-Shooter
Schade nur, dass sich beim Spielehersteller Trion Worlds anscheinend keiner richtig die Serie angeschaut hat. Die Mühen der TV-Autoren waren somit für die Katz. Statt einem klassischen oder gar komplexen Rollenspiel für Tausende Spieler, lieferten die Entwickler einen einfallslosen Mehrspieler-Shooter ab.
Im Spiel "Defiance" ist von der Artenvielfalt und dem Ideenreichtum der Serie nicht viel übrig geblieben. Aus zwei Spezies kann man seinen Helden auswählen. Und für welche Gattung man sich dabei entscheidet, macht aus spieltechnischen Gründen kaum einen Unterschied. Da ist die Ankündigung des Herstellers, in Zukunft weitere Spezies ins Spiel aufzunehmen, wenig aufregend.
Das Gameplay ist eine Enttäuschung: Der Spieler übernimmt die Geschicke eines kampferprobten Schrottsammlers. In den Missionen geht es meist nur darum, einzelne Kartenpunkte abzuarbeiten oder ein Areal feindfrei zu schießen. Letzteres ist häufig eine Qual, da man die Gegner nicht als große Taktiker bezeichnen kann. Immerhin: Die Hauptgeschichte wartet mit schicken Videosequenzen auf und lässt so zumindest ein wenig Stimmung aufkommen.
"Defiance" ist eine Materialschlacht
Für einen Hauch von Rollenspiel soll ein Talentsystem sorgen. Vier Kräfte und dazugehörige Boni werden hier mit einer Kraft namens Ego freigeschaltet, die man mit Hilfe von Missionen ansammelt. Das Problem: Spieler können immer nur einen Kraft gleichzeitig nutzen - und die Boni wirken sich auch nicht spürbar aufs Gameplay aus.
Dafür ist "Defiance" eine wahre Materialschlacht. Unzählige Waffen können eingesammelt und zum Töten im Mutantenstadl eingesetzt werden. Die schiere Masse an Gewehren, Pistolen, Schrotflinten und anderen Tötungswerkzeugen bewirkt allerdings nur eines: Sie verwirrt und lässt das Inventar des Helden überquellen.
Eine Interaktion mit den Mitspielern findet in der offenen Welt von "Defiance" kaum statt. Dafür muss man schon auf die Instanzen ausweichen, in denen man entweder im Koop-Modus bösen Mutanten ein möglichst schnelles Ende bereitet, oder sich auf verschiedenen Deathmatch-Karten gegenseitig das virtuelle Lebenslicht ausschießen. Beides hat man allerdings schon schöner gesehen. Und vor allem unterhaltsamer. Geplant ist, dass Ereignisse der Serie zukünftig auch Auswirkungen auf die Handlung des Spiels haben. Und umgekehrt. Letzteres ist nicht wünschenswert.
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