Spiel 15 Das sind die Neuheiten der Spielemesse

Gamer lieben die Gamescom. Fans von Gesellschaftsspielen lieben die "Spiel": Hunderte Neuheiten lassen sich auf der Messe ausprobieren - vom Zeitreisespiel bis zur Tortenschlacht. Die spannendsten im Überblick.

"Star Wars"-Edition von "Carcassonne": Kämpfen mit Würfeln
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"Star Wars"-Edition von "Carcassonne": Kämpfen mit Würfeln

Von , Essen


160.000 Besucher, 910 Aussteller, rund 1000 mehr oder wenige neue Produkte. Wer Gesellschaftsspiele für ein Nischenphänomen hält, sollte bis Sonntag einmal nach Essen fahren. Über 63.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche erstreckt sich dort seit Donnerstagmorgen die "Spiel 15", die weltgrößte Publikumsmesse für Fans, Entwickler und Verkäufer von Brett-, Karten- und sonstigen analogen Spielen.

Fast alles, was auf der "Spiel" gezeigt wird, kann gleich ausprobiert werden. Manche Besucher interessieren exotische Spiele ausländischer Hersteller, andere wollen lieber sehen, womit klassische Spielverlage wie Ravensburger ins Wintergeschäft gehen, das seit jeher wichtigste Quartal der Branche.

SPIEGEL ONLINE hat sich vorab auf der "Spiel" umgeschaut:

Zum Durchklicken: Zwölf Neuheiten von der "Spiel"

Erst einmal ins Möbelhaus: An Single-Haushalte mit Wohnzimmertischchen haben die Macher von "Mega Civilization" wohl nicht gedacht. Das ausgeklappt rund 2 Meter mal 70 Zentimeter große Spiel ist eine Variante des Brettspielklassikers "Civilization". Mit der gleichnamigen Computerspielserie dagegen hat das Spiel laut den Entwicklern nicht viel zu tun.

Entwickelt wird "Mega Civilization" seit dem Jahr 2000. Fünf bis 18 Spieler können den Weltenlauf in Form mehrerer Zeitalter erleben und zu ihren Gunsten beeinflussen. Bis zu zwölf Stunden soll eine Partie dauern - dagegen wirkt selbst "Monopoly" wie ein Spiel für zwischendurch. Aber angeblich bleibt man in Bewegung: "Du läufst um den Tisch, unterhältst dich und sitzt nicht nur auf deinem Stuhl", verspricht einer der Entwickler.

Auf der "Spiel" wird "Mega Civilization" für 180 Euro verkauft, im Handel werden für das Epos 200 Euro fällig. Für diesen Preis bekommt man einiges an Material, darunter rund 1500 Spielkarten. "Mega Civilization" ist zunächst auf 3000 Exemplare limitiert.

Kleiner geht auch: Kompakter als die Urversion von "Die Legenden von Andor" ist der neue Ableger "Chada und Thorn". Es handelt sich um ein Kartenspiel für zwei Spieler, das im selben Fantasy-Universum wie das "Kennerspiel des Jahres 2013" angesiedelt ist. Zwei Spieler treten im Team an, samt vier Missionen kostet das Spiel 18 Euro.

"Die Legenden von Andor" überzeugte seinerzeit vor allem durch seine Einsteigerfreundlichkeit. Das Spiel für ursprünglich bis zu vier Helden machte auch Menschen Spaß, die sonst keine Rollenspiele spielen.

Wer sich danach sehnt, tiefer in die Welt von Andor einzusteigen, kann das mit einem neuen Buch namens "Das Lied des Königs" tun. Wie in der Gamesbranche gilt auch bei Gesellschaftspielen: Läuft eine Marke einmal, wird sie weiter gemolken.

Möge die Marke mit dir sein: Wie sehr die Hersteller bei ihren Neuentwicklungen auf Altbekanntes setzen, zeigt die neueste "Carcassonne"-Version. Das Hauptspiel - "Catan" und "Monopoly" lassen grüßen - gibt es in diversen Varianten und mit einigen Erweiterungen, jetzt folgt eine "Star Wars"-Edition. Als revolutionär vermarktet wird dabei, dass in dem Spiel mit Würfeln gekämpft werden kann.

Es ist fraglich, ob sich "Star Wars"-Fans damit zum Kauf motivieren lassen - zumal rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft weitere Spiele mit offizieller Lizenz in den Läden stehen, etwa das Strategiespiel "Imperial Assault: Das Imperium greift an" und Sondereditionen von "Ligretto" und "Qwirkle". "Carcassonne Star Wars" kostet 20 Euro.

Unterwegs durch Raum und Zeit: Origineller als die meisten Lizenzspiele kommt "T.I.M.E. Stories" daher, eine kartenbasierte, interaktive Erzählung für zwei bis vier Spieler, irgendwo zwischen den klassischen "Wie soll's weitergehen?"-Entscheidungsbüchern und Gruppen-Rollenspielen. Die als Team agierenden Agenten reisen in die Vergangenheit, um in einer Nervenheilanstalt das "Auftreten eines Risses in der Zeitlinie" zu verhindern.

Das Zeitreise-Thema ist im Bereich Brettspiele vergleichsweise unverbraucht. Leider hält sich der Mehrspielwert von "T.I.M.E. Stories" in Grenzen. Das rund 40 Euro teure Grundspiel bietet nur das Einstiegsszenario samt seiner Ereignisse und Rätsel. Weitere Abenteuer müssen dazugekauft werden.

Sich gegenseitig die Kugel geben: Wer lieber gegen- als miteinander spielt, sollte sich "Maze Racers" anschauen. Hier bauen jeweils zwei Spieler aus vorgefertigten Teilen Hindernisparcours, die eine Kugel durchrollen soll. Nur die Position von Start und Ziel wird festgelegt, die Gestaltung der Strecken ist den Spielern überlassen - Hauptsache, die Kugel hat wenigstens einen Weg, auf dem sie durchkommt.

Ist die Strecke des ersten Spielers einsatzbereit, bleibt seinem Gegner eine Minute, um seine eigene zu vervollständigen. Dann wird getauscht und mit den Kugeln um die Wette gerollt. Wer zuerst auf dem gegnerischen Brett ins Ziel kommt, gewinnt. Das zumindest kurzfristig unterhaltsame Spiel kostet auf der "Spiel" 38 Euro, mit zwei Brettern mit je 76 Teilen. In den Handel kommt es erst kommendes Jahr.

Joko und Klaas könnte das gefallen: Für Fans der freizeitlichen Selbstpeinigung bringt Hasbro "Pie Face" zurück auf den Markt. Das Spiel war bereits in den Sechzigerjahren ein Erfolg. Anfang des Jahres steigerte ein YouTube-Video, in dem sich ein spielender Großvater vor Lachen kaum mehr einkriegt, das Interesse an einer Neuauflage.

Wirklich beeinflussbar ist "Pie Face" leider nicht. Man hält sein Gesicht in den Rahmen, dreht so weit wie per Zufallsrad bestimmt am Gerät und kann dann nur hoffen, möglichst selten ein Törtchen, Schlagsahne oder ähnliches ins Gesicht zu bekommen. Russisches Roulette in harmlos.

"Ein Spiel, das die Welt nicht braucht", kommentiert eine Pressekollegin im Vorbeigehen, mit dem Nachsatz: "Mein Sohn fände das aber gut". Wer sich daran stört, dass mit Essen um sich geschossen wird, kann das Katapult natürlich auch mit Konfetti oder einem nassen Schwamm bestücken. "Pie Face" kostet 25 Euro.

Hunderte von Möglichkeiten: Wer meint, bei "Pie Face" zu wenig für sein Geld zu bekommen, könnte "504" mögen. Das Spiel, dessen Genre mal mehr, mal weniger stark variiert, lässt sich gleich in 504 Varianten spielen. Dafür werden vor jeder Partie drei von neun Modulen ausgewählt und kombiniert. Zur Auswahl stehen Spielelemente wie "Aktien", "Erkunden" und "Krieg". Ein origineller Ansatz.

Ohne intensives Ausprobieren lässt sich allerdings schwer voraussagen, wie verschieden die Spielvarianten wirklich sind und ob sie alle Spaß machen. Zumindest gibt das Konzept dem Spieler das Gefühl, nicht ständig dasselbe zu spielen. "504" kostet 75 Euro, maximal vier Spieler können mitmachen.

Geisteralarm im Kinderzimmer: Der "Spiel"-Organisatorin Dominique Metzler ist aufgefallen, dass es kaum noch neue Gesellschaftsspiele gibt, die ein Mix aus Brett- und Videospiel sind. Vor einigen Jahren war so ein Konzept kurzzeitig ein Trend, erzählt sie, jetzt setzten nur noch eine Handvoll Spiele darauf.

Überhaupt scheint es wenige Neuheiten zu geben, in denen Technik eine große Rolle spielt. Willkürlich aus dem Angebot herausgegriffen haben wir hier einmal "Geisterjagd Evolution", was eher ein Spielzeug ist als ein Gesellschaftsspiel. Der Schädel projiziert Gespenster an die Wand, die mithilfe einer 3D-Brille und einer Lichtpistole verjagt werden müssen. Das Spiel kostet 40 Euro.

Abenteuer auf dem Geisterschiff: Eine andere Neuheit mit Elektronik-Komponente ist das Kinderspiel "Captain Black". "Der Captain erkennt seine Position und merkt sich eure Spielzüge", heißt es auf der Packung des 45-Euro-Spiels. Zwei bis vier Spieler gehen hier gemeinsam auf Schatzsuche.

Auf zweierlei Weise liegt "Captain Black" auch wieder im Trend: Einerseits bietet das Spiel ein 3D-Spielfeld, was "Spiel"-Organisatorin Dominique Metzler als typisch für aktuelle Kinderspiele ausgemacht hat. Zudem gibt es Metzlers Einschätzung nach diesmal viele Spiele, bei denen Teamarbeit wichtig ist, sogenannte kooperative Spiele.

Eben noch Feinde, jetzt zwangsweise Freunde: Je nach Mission gegeneinander oder auch im Team spielt man bei "Human Interface", einem Taktikspiel mit Cyberpunk-Thema. Zwei Großkonzerne kämpfen darin um die Vorherrschaft, etwa mit Entführungen. Spielort ist ein Unternehmensturm, dessen Sicherheitssystem außer Kontrolle geraten ist. Daher werden die Charaktere zum Beispiel immer mal wieder von Drohnen attackiert.

Für die Missionen peilen die Entwickler eine Dauer von 60 bis 90 Minuten an. Bei jedem Zug können sich die Spieler für bestimmte Aktionen entscheiden, gewürfelt wird bei "Human Interface" nicht. Wer will, kann seine Figur zum Cyborg aufrüsten oder innerhalb der Spielwelt Computersysteme manipulieren.

Das Grundspiel kostet für Vorbesteller 85 Euro, es bietet 21 Figuren und 16 Szenarien. Kostenpflichtige Erweiterungen sollen folgen. In die Produktion gehen soll das per Kickstarter von Fans mitfinanzierte Spiel Ende November.

Möchtegern-Hacker als Zielgruppe: In den Weiten des Internets spielt "Black Hat", ein finnischer Hybrid aus Brett- und Kartenspiel, bei dem man als Hacker in verschiedene Systeme eindringt. "Black Hat" ist im Kern ein klassisches Stichspiel, es geht also darum, im richtigen Moment die richtige Karte auszuspielen. Beeinflusst wird das Ganze hier noch vom Fortschritt auf dem Spielplan.

Gespielt werden kann das Spiel von maximal sechs Spielern, auch Kinder sollen es schnell verstehen können. Obwohl es eine Zweispielervariante gibt, empfehlen die Macher Partien mit drei oder mehr Spielern. "Black Hat" kostet 42 Euro, eine Partie dauert 30 bis 45 Minuten.

Noch 24 Add-ons bis Weihnachten: Ein attraktives Geschenk für Vielspieler ist der "Brettspiel Adventskalender 2015", der in Spieleläden für 48 Euro angeboten wird. Hinter den Törchen dieses Kalenders befinden sich kleine Ergänzungen zu vielen bekannten Spielen, darunter "Carcassonne", "Bohnanza", "Zooloretto" und "Colt Express".

Mit einer Ausnahme sei das enthaltene Spielmaterial komplett neu, erzählt Matthias Nagy, der das Projekt verantwortet. Außerdem seien die Inhalte ein Jahr lang exklusiv im Kalender erhältlich.



insgesamt 4 Beiträge
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KuGen 08.10.2015
1. Schon das originale Civilsation.....
.....hatte eine irre Spieldauer, die unter 5 Stunden gar nicht abging. Es war schwierig, dafür Spieler zu finden...
floy 09.10.2015
2. Nerzwelt?
Kommt dieser Artikel in die Netzwelt-Kategorie weil nur Nerds Gesellschaftsspiele spielen oder was ist der Grund? Ich dachte immer bei Netzwelt geht es um IT-Gedöhns.
schwallofix5000 09.10.2015
3. Pelze
Nein in der Nerzwelt geht es um Pelze. speziell die von Nerzen ;).
benmartin70 09.10.2015
4.
Zitat von floyKommt dieser Artikel in die Netzwelt-Kategorie weil nur Nerds Gesellschaftsspiele spielen oder was ist der Grund? Ich dachte immer bei Netzwelt geht es um IT-Gedöhns.
Gute Frage- würde das eher in Panaorama oder Kultur unterbringen. Egal, ich freu mich drauf -)
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