Spiele für iOS: Die besten Grafik-Adventure für iPhone und iPad

Von Joachim Kläschen

"Sam & Max" und "Monkey Island" - mit diesen Adventures hat eine Generation die Jugend am Homecomputer verbracht. Auf iPhone und iPad feiern die Klassiker des Genres eine Renaissance - und es gibt großartige neue Titel. Das Fachmagazin "Mac & i" stellt die interessantesten vor.

Touchscreens sind für Adventures wie geschaffen. Anstatt sich mit der Maus wie mit einer Fernbedienung durch die Spielwelt zu klicken, wandelt man per Fingertipp bequem durch die Gegend; das Interagieren mit Gegenständen fühlt sich so wesentlich natürlicher an.

"Edna bricht aus" - ein Stoffhase auf Zeitreise

Das Adventure "Edna & Harvey: Edna bricht aus" (iPad; 4,99 Euro) genießt aufgrund seines naiven Grafikstils und der verqueren Handlung Kultstatus. Spielwelt wie Figuren wirken amateurhaft gezeichnet, und dieser Nimbus des Unfertigen liegt auch über den Rätseln des Spiels. Edna erwacht in einer Gummizelle, und es ist am Spieler zu ergründen, wie sie in die Anstalt kam - und wie sie daraus fliehen kann. Die irre Geschichte entspinnt sich über Zeitsprünge und an zahlreichen Schauplätzen. Stets dabei: Stoffhase Harvey, der dem Mädchen reflektierend zur Seite steht.

Wann immer der Spieler auf der Suche nach Lösungen Gegenstände der Spielwelt miteinander kombiniert, folgt eine Sprachausgabe, was die Installationsgröße von 1,6 GByte erklärt. Leider sind die Rätsel nicht immer schlüssig, doch wer sich vom naiven Charme des aus einer Diplomarbeit entstandenen Titels einfangen lässt, mag sich daran nicht stören.

"Sam & Max" und "Back to the Future" - Klassiker zum Anfassen

Die Entwickler von Telltale Games, ehemalige Mitarbeiter von LucasArts, produzieren seit Jahren Adventures, die episodisch erscheinen, zum Beispiel "Sam & Max" und "Wallace & Gromit". Das fünfteilige "Back to the Future" (iPad; 2,39 Euro pro Episode) knüpft an die Handlung der Film-Trilogie an. Doc Brown sitzt in der Vergangenheit fest, und es ist an Marty, den zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean fit zu machen, um das schrullige Genie zurück in die Gegenwart zu holen.

Rendergrafik, amüsante, die Handlung vorantreibende Zwischensequenzen und deutsche Lokalisierung mit hervorragenden Sprechern erzeugen ein atmosphärisches Spielerlebnis, das kleine technische Unzulänglichkeiten mehr als kompensiert. Die Entwickler beweisen viel Gefühl für Handlung und Stimmung, so dass selbst neue Figuren sich nahtlos in das aus den Kinofilmen bekannte Ensemble einreihen.

"Tiny Bang Story" - Kindgerechte Niedlichkeit

Das Besondere an "Tiny Bang Story" (iPhone: 1,59; iPad: 2,69 Euro) ist, dass das Spiel völlig ohne Worte auskommt. Die Welt auf dem Tiny-Planeten ist durch einen Meteoriteneinschlag in Teile zerbrochen. Der Spieler soll den ursprünglichen harmonischen Zustand wiederherstellen. Durch Sammeln von Gegenständen in der niedlichen Spielwelt setzt er Maschinen in Gang und muss zudem zahlreiche Logik- und Puzzle-Aufgaben lösen.

Nicht die harmlose Geschichte, sondern der niedrige Schwierigkeitsgrad ist die den Spieler treibende Kraft, gewährleistet er doch stete Erfolgserlebnisse. Daher ist der Titel vorrangig für jüngere Spieler geeignet, die jedoch bestens unterhalten werden und bei Bedarf die Großen um Rat bitten können. Ähnlich dem liebreizenden "Machinarium" (iPad; 4,49 Euro) eine gewaltfreie und barrierearme Insel im Spielemeer.

"City of Secrets" - ein Hund auf Abwegen

Der trottelige Maulwurf Moles und sein treuer Hund Rex sind die Protagonisten im englischsprachigen "City of Secrets HD" (iPhone: 1,39; iPad: 2,39 Euro). Als Rex verschwindet und sich Moles auf die Suche nach ihm macht, stößt er unter seinem Domizil auf eine unterirdische Stadt. Rex wurde von den Bewohnern der Spionage verdächtigt und verhaftet; nun muss Moles seinen treuen Freund befreien.

Im Spielverlauf steuert man Hund und Maulwurf im Wechsel mit gelungener Touch-Steuerung durch die detaillierte Spielwelt voller Gegenstände. Diese gilt es korrekt miteinander zu kombinieren, damit die Flucht gelingt. Weiter sind Schalterrätsel und Wimmelbildspiele eingewoben, was einen abwechslungsreichen Mix erzeugt. Oberflächlich betrachtet ist "City of Secrets" ein Kinderspiel, doch zahlreiche Anspielungen und Seitenhiebe wissen erst die Älteren zu würdigen.

"The Secret of Monkey Island" - wo ist der dreiköpfige Affe?

Die Abenteuer des Piraten-Adepten Guybrush Threepwood sind Genre-Klassiker. Hunderttausende Spieler haben sich über die Lösung verquerer Rätsel die Köpfe zerbrochen und mit scharfer Zunge beim Beleidigungsfechten duelliert. Mehr als 20 Jahre nach dem Erscheinen von "The Secret of Monkey Island" (iPhone: 2,39; iPad: 4,49 Euro) amüsieren sich Spieler noch immer über witzige Absurditäten wie den legendären dreiköpfigen Affen. Geisterpirat LeChuck hat die liebliche Gouverneurin Marley entführt, die Guybrush retten muss. Als belächelter Hänfling führt ihn seine Mission über karibische Inseln voller kauziger Charaktere und denkwürdiger Ereignisse. Die Maus-Steuerung des Originals ist einer sehr gut bedienbaren Touch-Steuerung gewichen. Wer den Titel noch nicht kennt, freut sich über zeitgenössische Grafik, alte Hasen schalten per Zwei-Finger-Wischgeste auf den 16-Bit-Retro-Charme um. Abschaltbare deutsche Untertitel ergänzen die gelungene englische Sprachausgabe.

"Beneath a Steel Sky" - unter Australien

Das düstere "Beneath a Steel Sky: Remastered" (iPhone und iPad; 2,69 Euro) erschien erstmals 1994 und begeisterte Spieler neben seiner anspruchsvollen Handlung mit Comic-Grafik, die auf Entwürfen des renommierten Zeichners Dave Gibbons basiert. In der Geschichte schlägt sich Ingenieur Robert Foster in Begleitung seines sprechenden Roboters Joey durch ein zukünftiges Australien. In den gigantischen Industriekomplex Union City verschleppt, muss der Spieler den Ausweg in die Freiheit finden.

Dort herrscht eine faschistoide Atmosphäre, hinter der eine künstliche Intelligenz steckt. Ihre Herkunft muss der Spieler während der Flucht ergründen. Die Steuerung der iPhone-Version wurde für den Touchscreen optimiert, eine Hilfefunktion ist hinzugekommen, sonst spielt sich das Abenteuer mit deutschen Untertiteln noch immer so fesselnd wie vor fast 20 Jahren.

"Yesterday" - malerische Mysterien

Die Spanier von Pendulo Studios haben sich mit der Runaway-Serie eine große Anhängerschaft unter Adventure-Fans erarbeitet und auch "Yesterday" (iOS-Universal; 5,49 Euro), die Umsetzung eines PC-Titels, überzeugt auf ganzer Linie. Die Handlung kreist um einen Psychopathen, der Obdachlose auf grausame Art tötet und hinter dem ein fanatischer Sektenkult steht. Als Millionenerbe Henry White erkundet der Spieler zahlreiche handgezeichnete Kulissen und versucht, die verworrenen Hintergründe zu enträtseln. Abwechslung entsteht unter anderem durch Rollen-, Zeit- und Schauplatzwechsel sowie unerwartete Wendungen. Die Anpassung auf iOS und vor allem die Touch-Steuerung ist gelungen, per Tipp auf den Bildschirm erscheinen alle Objekte, mit denen der Spieler interagieren kann, so dass stumpfes Durchsuchen der detailreichen Kulissen entfällt. Das umfangreiche Abenteuer unterhält für rund sechs Stunden, was den vergleichsweise hohen Preis rechtfertigt.

"1112 Episode 01" - fast ein Wimmelbildspiel

Gleiches gilt für "1112 Episode 01" (iPhone: 3,99; iPad: 5,49 Euro). Das Spiel zieht Abenteuerhungrige mit detailreichen Grafiken und großartiger Soundkulisse in seine Welt. Antiquitätenhändler Louis Everett wird von wirren Träumen geplagt, deren Ursache der Spieler erforschen muss. Ausgehend von einem gewöhnlichen Tag im Leben dieses Jedermanns lernt man die Spielmechanik durch das Erledigen vertrauter alltäglicher Aktion kennen. Fast alle Objekte der Spielwelt lassen sich ansehen und verwenden, per Spreizgeste der Bildausschnitt vergrößern und Details anschauen. Die Vielfalt der Interaktionsmöglichkeiten hat jedoch gelegentlich zur Folge, dass man die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen sucht. Bisweilen wirkt 1112 eher wie ein Wimmelbildspiel, zumal aufregende Ereignisse auf der Handlungsebene ausbleiben. Der erste Teil der Serie ist vielmehr die getragene Ouvertüre eines auf sechs Teile ausgelegten Epos. In den beiden folgenden Teilen nimmt die Handlung deutlich Fahrt auf.

"The Walking Dead" - Gruselige Grenzerfahrungen

Grundsätzlich ist das in mehrere Episoden unterteilte "The Walking Dead: The Game " (iPad; 3,99 Euro/Episode) ein Adventure-Spiel. Vorrangig geht es aber um Entscheidungen und deren Konsequenzen und weniger um das Lösen von Rätseln: Die Welt ist von lebenden Toten überrannt, die letzten Menschen versuchen trotz ihrer charakterlichen Verschiedenheit in Gemeinschaft zu überleben.

Protagonist Lee nimmt sich der verwaisten Clementine an und wird vor schwierige Entscheidungen gestellt. Wem Lee hilft oder wen er zurücklässt, beeinflusst die Einstellungen und das Auftreten der Spielfiguren, denen Lee begegnet.

Diese Spielmechanik ist nicht nur ungewöhnlich, sie erhöht zudem den Wiederspielwert. Es ist interessant zu sehen, was einem lügendem Egoisten und einer hilfreichen ehrlichen Haut während der Zombieapokalypse widerfährt. Wer sparen möchte, kauft statt einzelner Episoden einen Season-Pass für alle fünf Teile des fesselnden Abenteuers zum Preis von zwölf Euro.

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"Walking Dead": Das Zombie-Adventure
"Forever Lost Episode 1" - Flucht aus dem Verschiebeknast

Adventure, in denen Spieler durch Lösen von Rätseln aus einem Raum in die Freiheit entkommen müssen, haben sich zu einem eigenen Untergenre entwickelt. "Forever Lost Episode 1" (iOS-Universal; 2,39 Euro) ist ein hervorragender Vertreter dieser Sparte. Der Spieler erwacht eingesperrt in einem verlassenen verfallenden Sanatorium, in dem eine klaustrophobische Atmosphäre herrscht.

Die korrekte Verwendung eingesammelter Gegenstände ist Voraussetzung fürs schrittweise Fortkommen, garniert wird die unheimliche Flucht durch Logik-Rätsel und Verschiebepuzzels, die sich nahtlos in das Spielgeschehen fügen. Wer festhängt, kann die integrierte Hilfefunktion bemühen. Bereits nach rund zwei Stunden ist das Abenteuer für detektivisch Geschulte allerdings abgeschlossen. Danach heißt es: Warten auf die Fortsetzung.

Der Artikel ist in "c't Mac & i - Heft 8" erschienen

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insgesamt 42 Beiträge
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1.
Peter Werner 15.12.2012
Dann ja, diese "großartigen" Adventures sehen auch ungefähr aus wie Monkey Island und co. Stand PC-Technik vor ungefähr 20 Jahren. Wie teuer ist so ein i - Dings noch mal?
2. Und wie...
count_zer0 15.12.2012
Zitat von Peter WernerDann ja, diese "großartigen" Adventures sehen auch ungefähr aus wie Monkey Island und co. Stand PC-Technik vor ungefähr 20 Jahren. Wie teuer ist so ein i - Dings noch mal?
...gross ist der Knick in deiner Optik nochmal? Also mit 320*200 Pixeln und AdLib-Gedudel haben die gezeigten Adventures nicht viel zu tun. Auch nicht die _Neuauflage_ von Monkey Island, was aktuell verkauft wird ist nämlich nicht die 20 Jahre alte Grafik und Technik.
3.
Josch 15.12.2012
Das Faszinierende an Computerspielen ist doch, dass der Spielspaß sich nicht alleine aus den grafischen Darstellungen ergibt. Das ist wie im Kino. Eine gute Story eines alten Filmes fasziniert auch noch heute, auch wenn man mittlerweile andere Standards gewöhnt ist. Hauptsache, man hat sich amüsiert.
4. Reduzieren sie doch nicht
felisconcolor 15.12.2012
Zitat von Peter WernerDann ja, diese "großartigen" Adventures sehen auch ungefähr aus wie Monkey Island und co. Stand PC-Technik vor ungefähr 20 Jahren. Wie teuer ist so ein i - Dings noch mal?
immer alles auf den Preis auf einem "billigen Telefon" können sie nicht einmal ein Textadventure spielen. Und der Prozessor einer Grafikkarte in einem PC könnte wahrscheinlich im Tiefschlaf noch 2 IPhones parallel emulieren. Aber davon würden sie nichts mitkriegen weil, eine Grafikkarte keine tastatur und keinen Bildschirm hat. Und meinen 28" wollt ich nun nicht mit rum schleppen.
5.
unimatrix 15.12.2012
Zitat von Peter WernerDann ja, diese "großartigen" Adventures sehen auch ungefähr aus wie Monkey Island und co. Stand PC-Technik vor ungefähr 20 Jahren. Wie teuer ist so ein i - Dings noch mal?
Das Großartige an einem "Point'nClick-Adventure" ist nicht unbedingt die Grafik. Monkey Island, Maniac Mansion, Zack McCracken, Day of the Tentacle und Co. sind eher durch Knobelspiele und Witze großartig geworden ;) Die Ports sind halt Ports. Das ist bei GTA3 & GTA:VC für Androiden/iDevices auch nicht anders. Es gibt allerdings auch im mobilen Bereichen grafische Perlen, bezogen auf die Rechenleistung. Das sieht mit Verlaub teilweise besser aus als auf dem PC vor 10-12 Jahren. Vergleichen Sie mal bspw. "Mass Effect 3" auf einem Androiden/iDevice mit "Alone in the Dark" auf dem PC von 1992. Auf YT gibt's von beiden Titeln bewegte Bilder.
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