Monatsabos für Gamer Was taugen Spiele-Flatrates?

Einmal zahlen, viel spielen: Damit locken Games-Flatrates wie der Xbox Game Pass und Playstation Now. Doch einige Angebote haben Haken - und eine Sache fehlt allen.

Spiele des Xbox Game Pass

Spiele des Xbox Game Pass

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Aus der Mini-Serie "Was ist ein Spiel wert?"
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    Dieser Text ist der vorerst letzte Teil einer kleinen Serie über Spielepreise. In Folge eins ging es um den Zweck teils aberwitziger Rabattaktionen, in Folge zwei um Games-Geschäftsmodelle und die Meinungen unserer Leser. Ein weiterer Artikel drehte sich um die Hoffnung von Firmen, dank Influencern mehr Spiele zu verkaufen.

Spielefans ködern, sie anfüttern: So könnte man das nennen, was Electronic Arts (EA) mit seinem Abodienst Access versucht. Für nur vier Euro im Monat bekommen Xbox-One- und PC-Spieler Zugriff auf gleich mehrere Dutzend EA-Spiele, die sonst oft schon einzeln mehr kosten.

Bekannte Titel wie "Fifa 17", "Star Wars Battlefront" und "Battlefield 1" warten in der Vault genannten Onlinebibliothek darauf, gespielt zu werden - drei Spiele, zu denen EA gerade zum Vollpreis angebotene Nachfolger oder neue, kostenpflichtige Erweiterungen im Portfolio hat.

"Wir nutzen die Möglichkeit, dass man per EA Access 'Fifa' spielen kann, vor allem dafür, dass Spieler ins nächste Spiel reinkommen", sagt Jens Kosche, EAs Deutschlandchef. "Die probieren das alte aus und sind so angefixt, dass sie auch das neue haben wollen. Deshalb packen wir ein 'Fifa' jeweils zwei, drei Monate vor dem neuen Teil in die Vault."

Ein wachsender Markt

EAs Access-Paket, 2014 gestartet, ist eins von mehreren Flatrate-Angeboten, mit denen Spielefirmen um das Interesse und das Geld von PC- oder Konsolenspielern buhlen. Es ist ein Experiment, ob und wie man einerseits Gamer stärker an sich binden und anderseits ältere Spiele attraktiv neu verpacken kann.

Seit 2017 mischen in Deutschland nun auch Sony und Microsoft im Flatrate-Markt mit. Ihre Dienste heißen Playstation Now und Xbox Game Pass. Beide Services ähneln sich von der Idee her, bei Preis und Technik gibt es aber Unterschiede. So werden die Spiele bei Playstation Now gestreamt und beim Game Pass heruntergeladen.

Unser Infokasten stellt die drei großen Flatrates und zwei weitere Angebote vor:

Diese Games-Flatrates gibt es
Xbox Game Pass

Der Xbox Game Pass ist eine Spieleflatrate von Microsoft, die jedoch auch Spiele anderer Firmen beinhaltet. Xbox-One-Besitzer bekommen für zehn Euro pro Monat Zugang zu mehr als Hundert Spielen, darunter Blockbuster wie "Halo 5: Guardians" und "BioShock Infinite", aber auch Indie-Games wie "Brothers: A Tale of Two Sons". Fast alle Spiele im Paket sind schon etwas älter, teils handelt es sich um Xbox-360-Titel.

Bevor man ein Spiel spielen kann, muss es heruntergeladen werden. Spielen lassen sich die Titel solange, wie man für den Game Pass bezahlt, danach verliert man den Zugang. Wer die Online-Multiplayer-Funktionen von Spielen nutzen will, der braucht, wie bei anderen Xbox-Spielen üblich, auch noch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft bei Xbox Live Gold.

Game-Pass-Abonnenten bekommen bei Xbox-One-Spielkäufen in Microsofts Online-Shop 20 Prozent Rabatt. Add-ons zu Spielen, die im Game Pass enthalten sind, erhält man 10 Prozent günstiger.
EA Access

EA Access ist ein Flatrate-Angebot der Spielefirma Electronic Arts (EA) für Xbox-One-Besitzer. Es kostet vier Euro im Monat oder 25 Euro im Jahr. Für dieses Geld bekommt der Kunde solange er weiter bezahlt Zugang zu Spielen wie "Battlefield 1", "Star Wars Battlefront" und "Mass Effect Andromeda", die sich herunterladen lassen, teils mit sonst kostenpflichtigen Erweiterungen, teils ohne. Von EAs Sportspielen wie "Fifa" und "NHL" findet sich in der Regel der zweitneueste Serienteil im Paket.

EA Access gibt es auch für PC-Spieler, für sie heißt das Angebot Origin Access. Auf beiden Plattformen bekommen Access-Mitglieder 10 Prozent Rabatt, wenn sie weitere EA-Titel oder Zusatzinhalte kaufen. Ebenso stehen Access-Kunden manche neue EA-Spiele bereits zum Ausprobieren zur Verfügung, bevor sie offiziell erscheinen. Xbox-One-Nutzer brauchen zusätzlich Microsofts kostenpflichtigen Dienst Xbox Live Gold, wenn sie Access-Titel übers Internet gegen andere Spieler spielen wollen.
Playstation Now

Playstation Now ist ein Spielestreaming-Dienst von Sony für die Playstation 4 und den PC. Anders als bei EA Access und dem Xbox Game Pass werden Spiele hier nicht vollständig heruntergeladen. Stattdessen werden sie per Stream übertragen, Sony empfiehlt dafür eine Internetverbindung mit mindestens 5 Mbit pro Sekunde. Da die Spiele auf Sony-Servern laufen und Speicherstände in der Cloud gesichert werden, wird kaum Platz auf der Festplatte benötigt.

Der Zwang, ständig online zu sein, mag viele Spieler trotzdem nerven, zumal man durchs Streaming stark von der Technik Dritter abhängig ist. Mit 17 Euro pro Monat ist der Sony-Dienst zudem relativ teuer. Auch ein Jahresabo mit einem günstigeren Monatspreis gibt es in Deutschland bislang nicht.

Zu Playstation Now gehören derzeit vor allem Playstation-3-Titel verschiedener Hersteller. Unter den mehr als 400 Spielen finden sich immerhin auch echte Klassiker wie "Red Dead Redemption" und "The Last of Us", die man normalerweise nicht auf dem PC spielen kann.
GeForce Now

GeForce Now ist ein Flatrate-Service für Besitzer von Nvidias Shield-Streaminggeräten. Für zehn Euro im Monat kann man laut der Dienst-Website mehr als 60 PC-Spiele abrufen. Nvidia lockt damit, dass sich durch das Streaming Titel in hoher Auflösung und mit 60 Bildern pro Minute spielen lassen. Wer diese Qualität erleben will, dem wird allerdings ein Internetzugang mit 50 Mbit pro Sekunde empfohlen. Bei Breitbandverbindungen werden für Geforce Now grundsätzlich mindestens zehn Mbit pro Sekunde gebraucht.

Schaut man sich auf der Nvidia-Website die Spieleauswahl an, stößt man im Kontext des Dienstes auf Spiele wie "The Witcher 3". Hier gilt es zu beachten, dass aber nur jene Spiele im Monatspaket sind, die auf der Website als "Included" gelistet sind. Das sind größtenteils eher kleinere oder nicht mehr ganz so aktuelle Spiele. An bekannten Titeln sind zum Beispiel "Deus Ex: Human Revolution", "The Witcher 2" und "Just Cause 2" im Abo enthalten.
Humble Monthly Bundle mit Humble Trove

Ein Mix aus einer kleinen Flatrate und eine Wundertüte ist der Dienst Humble Monthly Bundle. PC-Spieler bekommen hier für jeweils 12 Dollar pro Monat ein Paket mit einer Handvoll Titeln zur Verfügung gestellt. Welche Spiele das genau sind, erfährt der Kunde mit wenigen Ausnahmen immer erst, nachdem für alle Interessenten eine Bezahlfrist abgelaufen ist. Die Spiele lassen sich später herunterladen und auch nach Kündigung des Dienstes weiterspielen.

Hinter dem Monthly Bundle stecken die Macher des Humble Bundles, eines anderen Spielepakets, bei dem Käufer den Preis in der Regel frei wählen können. Humble Bundle wurde kürzlich vom Medienunternehmen IGN übernommen.

Einer Flatrate ähnelt der Dienst insofern, dass Abonnenten des Monthly Bundle auch auf ein Angebot namens Humble Trove zugreifen können, wo über 30 weitere Spiele zur Verfügung stehen, darunter Indie-Hits wie "Limbo" und "Gone Home". Auch diese Spiele lassen sich herunterladen und weiternutzen, selbst, wenn das Monats-Abo nicht verlängert wird. Auf kommende Humble-Trove-Titel kann man anschließend aber nicht mehr zugreifen.

Es gibt verschiedene Hürden

Im Vergleich zu anderen Branchen wie Musik und Film sind Flatrates im Gaming-Bereich aber nach wie vor eine Seltenheit. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • So sind bei Spielen zum Beispiel die Herstellungskosten und vor allem die Verkaufspreise unterschiedlicher als bei Filmen oder Musikalben. Es gibt 60-Euro-Blockbuster, aber auch Indie-Spiele, die für wenige Euro erscheinen. Es dürfte Firmen daher nicht leichtfallen, andere Entwickler, die ihr Spiel üblicherweise für deutlich mehr Geld in den Laden bringen, davon zu überzeugen, ihr Werk für eine Zehn-Euro-Flatrate zur Verfügung zu stellen.

  • Auch die Zeit, die Nutzer mit einzelnen Spielen verbringen, variiert stark. Hier stellen sich grundsätzliche Fragen, wie "Will ich lieber eine Flatrate mit einigen auf lange Zeit spannenden Titeln oder eher ein Paket mit kurzen, aber vor allem vielen Spielen?"

  • Im Vergleich zu Video- oder Musikflatrates kann bei Gaming-Diensten deutlich mehr schiefgehen: So kann es etwa Bugs und Fehler beim Spielen geben. Kurz: Einen solchen Service anzubieten, ist aufwendiger und komplizierter.

  • Ein weiteres Problem ist, dass viele Hersteller nicht nur am Spieleverkauf an sich, sondern auch mit Zusatzangeboten direkt im Spiel Geld verdienen wollen. Sind solche Spiele in einem Paket, gilt anders als bei Netflix oder Spotify nicht immer, dass der Kunde wirklich alles ohne weitere Kosten nutzen kann.
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  • Attraktiver macht die Xbox-One-Angebote von Microsoft und EA auch nicht, dass sich die Online-Multiplayer-Funktionen von Spielen nur nutzen lassen, wenn man ein weiteres kostenpflichtiges Abo, konkret Xbox Live Gold, abschließt.

  • Besonders auf dem PC ist es zudem so, dass einige Spieler schon heute mehr Titel digital besitzen, als sie je durchspielen können. Dass eine Games-Flatrate viele Spiele auf einmal bietet, macht sie daher vermutlich eher für Einsteiger ohne große Sammlung interessant als für Vielspieler.

  • Und dass Flatrates kein Selbstläufer sind, hat sich schon 2007 gezeigt. Von da an - in weniger digital geprägten Zeiten - bot die Telekom unter der Marke Gamesload ein Paket für PC-Spieler an, und das letztlich erfolglos.

Ein Markt mit Potenzial

Ein Interesse der Spieler an Games-Flatrates scheint aber zu bestehen. In einer nicht repräsentativen Umfrage - als Teil dieser Serie - stimmte im August mehr als die Hälfte von rund 20.000 Teilnehmern folgender Aussage zu: "Wenn es einmal eine Art vollwertiges Netflix für Games gibt, würde ich dafür gern jeden Monat Geld ausgeben."

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Jens Kosche von EA sagt, es sei Ziel seiner Firma, "für jede Zielgruppe, für jeden Spieler das richtige Angebot haben". Sein Unternehmen wird daher wohl weiter sowohl Einzelspiele und Zusatzinhalte als auch die Access-Pakete anbieten. "Beim Film gibt es ja schon länger Flatrate-Streaming-Dienste und weiterhin auch Single-Verkäufe, sogar auf den gleichen Plattformen", sagt Kosche, die Geschäftsmodelle könnten daher gut nebeneinander existieren.

Auf die Frage, ob ein Streaming-Modell wie das von Playstation Now oder ein Download-System wie das von EA Access zukunftsfähiger sei, antwortet Kosche: "Aus Endkundensicht ist es im Grunde egal, wie das im Hintergrund technisch läuft, solange das Spielen gut genug funktioniert."

Einen großen Unterschied zu einem Dienst wie Netflix haben bislang übrigens alle Spiele-Flatrates: Exklusivtitel für die Abo-Kunden, also Spiele, die man auf keine andere Art spielen kann, hat keine von ihnen im Angebot.

EA immerhin ermöglicht es Access-Kunden, einige Spiele schon vor der offiziellen Veröffentlichung zu spielen. So konnten Access-Mitglieder die Vollversion von "Fifa 18" zehn Stunden lang vorab spielen, und das kostenlos. Die Hoffnung der Firma: Dass sie das Spiel so gut finden, dass sie es danach direkt zum Vollpreis kaufen, dann immerhin mit 10 Prozent Rabatt, den Access-Kunden auf alle EA-Spiele bekommen. Davon kann sich vielleicht auch noch Netflix etwas abschauen.

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zila 03.11.2017
1. Playstation Plus - auch eine Art Flatrate
Bei Playstation Plus gibt es jeden Monat 2 oder 3 Titel dabei, dazu Verguenstigungen beim Kauf anderer Spiele. Ich nutz das in der Tat recht viel. Titel wie Metal Gear Solid 5, Assassin's Creed Freedom Cry oder Just Cause 3 wuerde ich mir vielleicht nicht aus freien Stuecken kaufen, aber als "Freebie" spiele ich etwa jeden zweiten Titel auf Plus und bin die letzten Monate oft positiv ueberrascht, vorher war dort eher unteres Mittelmass. Ich kaufe nach wie vor aber auch oft neuere Titel (etwa "Unchartered 4" oder "Observer"), damit man meine Aussage etwas einsortieren kann.
payoso 03.11.2017
2. XBox Live Gold
wieso wird nur erwähnt, dass man für den mulitplayer modus auf der Xbox ein abo buchen muss? Das ist seit der PS4 dort doch das gleiche.
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