Game-Erweiterungen Wie Fans ihre Lieblingsspiele tunen

Wer mehr aus einem Videospiel herausholen will, kann viel Geld für Zusatzpakete ausgeben. Auf dem PC gibt es aber Alternativen: Fan-Mods verbessern und erweitern Spiele oft deutlich - und das kostenlos.

Rollenspiel "Skyrim"
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Rollenspiel "Skyrim"


Ein neuer Kontinent voller Geheimnisse, eine Story mit rund 25 Stunden Spielzeit: "Falskaar" ist eine umfangreiche Erweiterung für das erfolgreiche Fantasy-Rollenspiel "The Elder Scrolls: Skyrim". Hinter "Falskaar" steckt aber kein großes Team, sondern nur ein Hobbydesigner mit ein paar freiwilligen Helfern: 2012 und 2013 investierte der damals 19-jährige Alexander J. Velicky rund 2000 Stunden in das Projekt. Seitdem kann es jeder, der "Skyrim" am PC spielt, gratis herunterladen. Denn "Falskaar" ist eine sogenannte Mod.

Mods oder Modifikationen für PC-Spiele gibt es schon lange. Manchmal handelt es sich dabei nur um kleine Verbesserungen oder Veränderungen, mit denen Fans etwa Probleme bei der Steuerung verbessern oder Programmfehler ausbügeln. Andere Mods fügen Spielen neue Level oder Charaktere hinzu. Und wieder andere stellen das Spielprinzip komplett auf den Kopf - und sind damit mitunter so erfolgreich, dass sie zu eigenen Spielen werden.

So wurde aus dem Strategiespiel "Warcraft 3", in dem der Spieler ganze Armeen herumkommandiert, die Online-Taktiererei "Dota", in der jeder Teilnehmer nur einen Helden steuert. Und aus dem Science-Fiction-Abenteuer "Half-Life" machten Modder den Team-Shooter "Counter-Strike". Heute zählen die eigenständigen Nachfolger der Mods, "Dota 2" und "Counter-Strike: Global Offensive", zu den meistgespielten Titel auf der Spieleplattform Steam.

Wie Tuning-Fans und ihre Autos

Warum machen sich die Hobbyentwickler all diese Arbeit? "Es gibt Fans, die so an etwas hängen, dass sie es verbessern wollen", erklärt Thorsten Quandt, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni Münster. "Da gibt es Leute, die zum Beispiel die Grafik-Engine optimieren." Vergleichbar seien solche Modder mit Tuning-Fans, die am Motor ihrer Autos herumschrauben: "Und andere Modder wollen eher die Geschichte weiterschreiben und sich so selbst verwirklichen." Modding könne man im Grunde bis in die Achtzigerjahre und zum C64 zurückverfolgen, sagt Quandt.

Mittlerweile ist der Stellenwert von Mods jedoch deutlich größer. Ein Grund dafür ist, dass das Internet nicht nur das Verbreiten von Mods, sondern auch das gemeinsame Arbeiten an den Erweiterungen einfacher macht. Es gebe längst Modding-Teams mit Spezialisten für die verschiedenen Arbeitsbereiche, sagt Quandt.

Zudem ist das Entwickeln von Mods mitunter einfacher als früher. Denn die Werkzeuge und Schnittstellen dafür liefern viele Hersteller gleich mit. "Früher haben die Entwickler das oft sogar verboten oder bekämpft", sagt Quandt. "Heute wird das in der Entwicklung gleich mitgedacht."

Steam als Mod-Verteilplattform

Auch das Installieren und Finden von Mods ist keine große Herausforderung mehr. Der simpelste Weg führt über die Downloadplattform Steam und deren sogenannten Workshop: Bei allen Titeln, die dieses System unterstützen, lassen sich Mods oder Level von anderen Nutzern direkt in Steam suchen, herunterladen sowie ein- und ausschalten.

Wer Steam nicht nutzen möchte oder Mods für ein Spiel ohne Workshop-Support sucht, wird zum Beispiel bei Moddb.com fündig. Die Seite gibt es zwar nicht auf Deutsch - Englischkenntnisse sind für die meisten Mods aber ohnehin Voraussetzung. Und auch ein wenig Sicherheit im Umgang mit dem Computer schadet nicht. Denn immer wieder kann es passieren, dass eine Fan-Erweiterung Spiele instabil oder Spielstände unbrauchbar macht. Das gilt vor allem nach Updates des Hauptspiels oder beim Parallelbetrieb mehrerer Mods.

Wichtig ist es bei der Suche nach Mods außerdem, im breiten Angebot die Perlen vom Software-Schrott zu trennen, etwa durch Nutzerbewertungen oder Charts. Denn natürlich ist längst nicht jede Hobbyentwicklung ein Qualitätsprodukt. "Viele Level oder Mods sind einfach schlecht", warnt Thorsten Quandt.

Auch alte Spiele bekommen neue Inhalte

Wer ein wenig stöbert, findet aber reichlich lohnenswerte Downloads - auch und gerade für ältere und unbekanntere Spiele. Bei der jährlichen Wahl zum "Mod des Jahres" auf Moddb.com kamen etwa keine Add-Ons für "Skyrim" oder "Grand Theft Auto" auf die ersten Plätze. Sieger wurde die umfassende Mod "Edain" für das knapp zehn Jahre alte Strategiespiel "Der Herr der Ringe: Schlacht um Mittelerde 2".

Zahlen müssen Nutzer für Mods praktisch nie. 2015 versuchte der Steam-Betreiber Valve zwar, bezahlte Mods einzuführen - ausgerechnet für das so beliebte "Skyrim". Die Aufschrei der Community war jedoch so groß, dass das Projekt nach kurzer Zeit eilig eingestellt wurde.

Tobias Hanraths, dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
roblock 24.03.2016
1. jedes Spiel sollte modding unterstützen
Mmn. sollte jeder Entwickler modding unterstützen. Bei vielen Spielen machen es die Mods sich mit dem Spiel überhaupt mehr, als wenige Stunden zu beschäftigen. Gutes Beispiel cities skylines! Ich habe über 500 mods, assets uvm. installiert und möchte gar nicht mehr ohne spielen
HaraldKönig 24.03.2016
2.
Schon für meine ersten Computerspiele gab es unzählige Mods: Doom, Quake, Duke Nukem 3D. In den Computergeschäften konnte man CDs mit diesen Mods erwerben, später ist man in Internetcafes gegangen, wo man sich für ein paar DM pro Stunde die Mods für Shadow Warrior und Halflife auf Diskette runterladen konnte. Mithilfe dieser Zusätze konnte der Spielspaß um Wochen, wenn nicht Monate, verlängert werden.
nurmeinsenf 24.03.2016
3.
nexusmods.com nicht zu vergessen. Die Fülle dort angebotener Mods für eine Vielzahl von Spielen läßt sich in der Regel einfach per Mausklick hinzufügen und bei Nichtgefallen wieder entfernen.
GnRH 24.03.2016
4.
Wie im Artikel beschrieben entstehen durch die Modder teilweise echte Perlen. Das ist der Vorteil vom PC gegenüber der Konsole (nein kein Bashing, bin Konsolero) Aber eins ist auf jeden Fall frech, die Entwickler hauen teilweise Spiele in der Beta-Phase auf den Markt und die Community soll es richten. Die ersten Mods von denen man immer hört sind Verbesserungen der Texturen und ausbügeln der Bugs. Das ganze ist dreist und die PC-Spieler können sich nur auf ihre Modder verlassen.
Flying Rain 24.03.2016
5. Ganz
Ja die Mods sind ein wichtiges Element im Pc bereich wobei man sagen muss das manche Modder eher weniger am Motor von ihrem Auto schrauben sondern teilweise ihren Golf in einen Kamphelikopter umbauen welcher sogar über der Nordsee fliegen dürfte.... ein wichtiger Mod aus meiner Kindheit war auf jeden Fall der Mod der in AOE II die maximale Einheitenzahl auf 1000 gesetzt hatt was heute noch einen heidwn Spaß macht. Oder in der neueren Zeit entstanden aus Spielerhand teils ganz neue Mods auf den bestehenden Engines. Aus Arma 2 entstand ja z.B. der DayZ-Mod welcher leider durch Bohemia in der Standalone völlig zerschossen wurde (auch wenn es vielleich flüssiger lief ubd man sich nicht alle Nase lang die Beine gebrochen hatt wenn man ne Leiter hochklettern wollte...vom runter klettern reden wir erst gar nicht) . Oder auch Mods die bestehende Dinge freigeschaltet haben wie etwa der Hot Coffee-Mod in GtA (kein Kommentar hierzu hehe ;). Auf Skyrim speziell wurde im Artikel ja zu genüge eingegangen und gerade hier gibt es unzählige Mods die teilweise so weit gehen das man fast fotorealistische Szenarien vor sich hatt und bei einem Screenshot fast nicht mehr erkennt ob es nun ein Spiel oder ein HDR-Foto ist - wenn denn die Leistung der Rechenkiste das schafft.
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