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Spielehit "Minecraft": Superlego für Weltenschöpfer

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Eine einsame Insel, ein Pixelmännchen und viele anstürmende Skelette - das macht den größten Indie-Spielehit der vergangenen Jahre aus: "Minecraft". Das Spiel ist ein Welten-Baukasten, in dem verblüffende Kunstwerke entstehen. Sein Schöpfer wurde Millionär.

"Minecraft"-Weltmodell: Globus aus Kästchen Zur Großansicht

"Minecraft"-Weltmodell: Globus aus Kästchen

"Minecraft" ist ein Sandkastenspiel, eine Legowelt voller intelligenter Steinchen und Skelettarmeen. Das einzige Spielziel: Überleben. Das schafft nur, wer sich die Klötzchenwelt untertan macht, sich häuslich einrichtet und gegen die nachts heranstürmenden Skelettarmeen rüstet. Oder wie der schwedische Entwickler Markus Persson selbst beschreibt: "'Minecraft' ist ein Spiel, in dem man Klötzchen legt, während man von Skeletten wegläuft."

Doch wer sich bei YouTube oder anderswo auf die Suche nach "Minecraft"-Videos macht, lernt schnell: Das Verlassene-Insel-mit-Skelett-Setting ist nur ein Vorwand: In Wahrheit geht es darum, den Spieler anzustoßen, die Welt zu erforschen, sie auseinanderzunehmen, sie sich untertan zu machen.

Vielleicht dazu, in einer Höhle Speisepilze, Schweine und Korn zu züchten. Und Kanäle zu bauen. Und Brücken zu konstruieren. Und komplexe Minen mit selbstfahrenden Loren, einem ausgeklügelten Signalsystem und einer automatischen Rohstoffverteilstation zu errichten. Vielleicht auch mit Fackeln und dem - extra als Datenleitung konzipierten - roten Material namens Redstone eine Recheneinheit zu basteln oder eine mechanische Zählmaschine, die mit "Minecraft"-Sand betrieben wird.

Über vier Millionen Euro Umsatz

Das geht so gut und macht so viel Spaß, weil "Minecraft" unzählige sogenannte emergente Gameplay-Elemente hat: Entwickler Persson legt nur die Regeln fest, nach welchen Methoden sich welche Einzelteile wie zusammensetzen lassen - was der Spieler daraus macht, ist ihm und seiner Kreativität überlassen.

Sicher ist immer: Wasser fließt, Bäume brennen, und aus einem Holzklotz gewinnt man vier Holzquader. Aus zwei Holzquadern einen Holzstab, aus einem Holzstab und einem Stück Kohle eine Fackel und aus einem Holzstab und sechs Metallbarren ein Stück Gleis. Aus diesen einfachen Grundeinheiten bauen die Minecraft-Spieler dann komplexe Maschinen und Systeme. Eine Art Superlego, ein Kleine-Welt-Simulator.

Das Prinzip ist dermaßen erfolgreich, dass Entwickler Persson, Anfang 30 - der Legende nach arbeitete er nur eine Woche an der Originalfassung -, von Neuanmeldungen überrannt wird: Vorgestellt wurde "Minecraft" im Mai 2009 als kostenlose Entwicklerversion, doch auch die später hinzugekommene kostenpflichtige Variante mit Mehrspieler-Modus hat sich bis heute 410.000-mal verkauft (für je 10 Euro). Mit dem Geld holte sich der frischgebackene Millionär Verstärkung und baut die Server aus, die unter dem Besucherzustrom ächzen. Insgesamt 1,3 Millionen Menschen haben sich das Spiel in einer seiner Varianten heruntergeladen.

Und so konnten längst wundersame "Minecraft"-Welten entstehen - mit funktionsfähigen Rechnereinheiten und Zählmaschinen, aber auch Minenloren-Achterbahnen und lebensgroßen Nachbauten eines Enterprise-Raumschiffes.

Machen Sie mit SPIEGEL ONLINE auf den folgenden Seiten einen Besuch an der Küste der Neugier und rätseln Sie mit: Wie viel kindliche Geduld und Hingabe weckt dieses wundersame Spiel in ausgewachsenen Menschen - oder ist es gar Wahnsinn?

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