Angespielt "Spirit Camera" und "Project Zero 2"

Das Konzept klingt phantastisch: In die eigenen vier Wände soll das 3DS-Spiel "Spirit Camera" Geister hineinzaubern, mit Hilfe der eingebauten Kamera und Augmented-Reality-Technologie. Dummerweise hat diese gute Idee einige Tücken. Richtig furchteinflößend ist dagegen "Project Zero 2".

Tecmo

Manchmal ist eine Idee besser als ihre Ausführung. Vielleicht sollte man sogar sagen: Sehr oft ist eine Idee besser als ihre Ausführung. Das gilt vor allem für Spiele. Man denke nur an "Star Wars Kinect", in dem man sich so fühlen sollte, als ob man tatsächlich ein Laserschwert in der Hand hat. Klingt brillant. Das Ergebnis war es nicht, im Gegenteil: Mit leeren Händen vor dem Fernseher herumfuchtelnd kam man sich selten dämlich vor. Ähnliches gilt für "Spirit Camera", einen Ableger der Gruselspielreihe "Project Zero" für die 3DS-Konsole. Das basiert nämlich auch auf einer tollen Idee, die man aber erst richtig versteht, wenn man "Project Zero" kennt. Oder zumindest einmal angespielt hat.

In dem Zusammenhang muss ich gestehen, dass ich es tatsächlich nicht geschafft habe, länger als zwanzig Minuten "Project Zero" zu spielen. Nicht weil es schlecht wäre, im Gegenteil. Es ist wahnsinnig gut. Zumindest in der kurzen Zeit hat es etwas geschafft, was kein "Silent Hill", kein "Dead Space" und kein "Resident Evil" je geschafft haben: Ich habe mich schlicht und einfach gefürchtet. Ich konnte es nicht ertragen, noch eine weitere Tür zu öffnen, die Kamera in die Hand zu nehmen und einen Geist auf Film zu bannen und ihn so zu neutralisieren. Ich musste das Spiel beenden und habe mich seitdem nicht getraut, es wieder anzumachen.

Ich habe Angst. Es ist bestimmt großartig

Damit ist auch das Spiel erklärt: Man schleicht durch eine dieser japanischen Horrorfilmkulissen, bei deren Anblick man schon schreiend weglaufen möchte. Und das nur mit einer Kamera bewaffnet. Ziel: das Überleben.

"Spirit Camera" nimmt dieses Prinzip auf und verwandelt den 3DS in die besagte Kamera. Das ist erst einmal toll, wenn man die Konsole wie eine richtige Kamera im Raum bewegt und sich entweder durch dunkle Gänge schleicht oder aber das Grauen gleich bei sich zu Hause erlebt. Das Spiel projiziert Geister in die eigene Wohnung und spielt somit mit den Augmented-Reality-Fähigkeiten des 3DS. Das sieht immer wieder sehr überzeugend aus, lässt aber einige lang erprobte Grundlagen des Horrors außer Acht, zum Beispiel: Horror funktioniert am besten, wenn es dunkel ist. Damit "Spirit Camera" funktioniert, muss es hell sein, was einem Hasenfuß wie mir entgegenkommt, aber nicht unbedingt Grusel aufkommen lässt. Horror funktioniert auch dann am besten, wenn man nicht abgelenkt wird. Muss man aber jede halbe Minute erst einmal die Kamera neu auf ein Buch fixieren und sich jede andere halbe Minute durch Menüfragen tippen, so kommt kein Grusel, sondern vor allem Genervtheit auf.

"Spirit Camera" ist eine interessante Technologie-Demonstration, die mich zwanzig Minuten lang interessiert hat. Ein Spiel aber ist es nicht, vor allem kein Gruselspiel. Das aber ist "Project Zero 2", das gerade in überarbeiteter Form für die Wii wiederveröffentlicht wurde. Ob ich das spielen werde? Um Gottes willen, nein. Ich habe Angst davor. Aber es ist bestimmt großartig.

Die Fachpresse jedenfalls ist sehr angetan. Manche hat die runderneuerte Grafik nicht ganz überzeugt, andere finden die Steuerung gewöhnungsbedürftig. Einig aber sind sich nahezu alle Rezensenten in diesem einen, entscheidenden Punkt: "Project Zero 2" macht fürchterliche Angst.


"Spirit Camera" von Tecmo für Nintendo 3DS, ca. 30 Euro; USK: Ab 16 Jahren
"Project Zero 2 - Wii Edition" von Tecmo für Nintendo Wii, ca. 40 Euro; USK: Ab 16 Jahren



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Manuel Fritsch 19.07.2012
1. gruseliger Podcast
Wir haben in Folge 538 unseres Podcasts auch über Project Zero 2 für die Wii gesprochen und waren ebenfalls der Meinung, dass es eines der gruseligsten Spiele (im positiven Sinne) ist, die man spielen kann, auch wenn die Wii-Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig ist. Schade, dass man nicht einfach den Classic-Controller unterstützt. Wäre ja nicht so schwer gewesen. Wer reinhören möchte: http://breakfast.vu0.org/archives/1032 (mp3, 23 Minuten) oder direkt über iTunes: itpc://breakfast.vu0.org/?feed=podcast
Goklo 21.07.2012
2. Toller Bericht
Super Bericht, aber es heißt Lichtschwert :D
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.