Spiele-App "Spitkiss" im Test Mit Geduld und Spucke

Ausgerechnet ein Speicheltropfen ist der Held einer schräge Romanze, die im Spiel "Spitkiss" durch Herz, Nieren und Lunge führt.

Plug In Digital

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Ein Tropfen Spucke rinnt langsam die Wand herab. Kurz bevor er auf dem Stachelboden landet, nimmt er noch einmal Schwung. Mit einem kräftigen Satz klatscht der Schleimtropfen ins Gesicht der Geliebten. Die Botschaft ist angekommen, Herzchen steigen empor: Die Liebesbeziehung beginnt nicht mit einem Kuss, sondern mit einem Speichelfaden im Gesicht.

Das klingt eklig, ist aber nicht böse gemeint, denn Spucken ist die Liebessprache der Protagonisten des Smartphone-Spiels "Spitkiss". Viel zu sagen haben sich die gelben Comicfiguren nicht, stattdessen verteilen sie Emojis und spucken sich gegenseitig an. Spucke ist eben ihre Sprache. Der Spieler muss dafür sorgen, dass der Speichel unbeschadet beim Empfänger ankommt. Zur Belohnung erlebt er eine schräge Romanze und die emotionale Achterbahnfahrt der Hauptfiguren.

Die Steuerung ist simpel: Mit dem Daumen bestimmt man die Richtung und Wucht der Spucke. Dann ist vor allem Timing gefragt: den Daumen im richtigen Moment vom Bildschirm heben, Gegnern ausweichen und rechtzeitig schwebende Plattformen erreichen. Am Anfang ist das einfach, wird aber schnell schwieriger.

"Spitkiss" verlässt sich aber nicht allein auf Geschicklichkeit. Das Spiel mischt verschiedene Genres: Es fühlt sich an wie ein Jump'n'Run mit einem Hauch von Ballistik-Ballerei wie in "Tank Wars". Ein paar geschickt eingeflochtene Rätsel machen es zu einer erfrischenden Abwechslung.

Der Frustfaktor

Spielt man es länger, wird das Spiel dann aber ziemlich knackig. Die Emojis in den Sprechblasen sind plötzlich nicht mehr so freundlich, die Liebe ist verflogen. Statt Geschenken und Blümchen tauchen Messer und Totenköpfe auf - und der Schwierigkeitsgrad nimmt zu. Die Beziehung der gelben Protagonisten wird auf eine harte Probe gestellt, und der Spieler muss knobeln.

Es reicht dann nicht mehr aus, die Spucke im richtigen Moment abzufeuern. Irgendwann erscheint es unmöglich, den Speicheltropfen durch die Stachelwelt zu navigieren - und der Frust nimmt zu. Zwar läuft alles ein wenig langsamer ab, wenn man den Daumen auf die Feuertaste presst, aber selbst dann wird die Zeit knapp. Wem das noch nicht hart genug ist, der kann den Einsamkeitsmodus aktivieren. Dann wird die Spielfigur von einem Geist verfolgt, was den Druck gewaltig erhöht.

Die schön gestalteten Level und die liebevoll gezeichneten Zwischenbilder im Comicstil entschädigen für fiese Passagen, in denen man ewig rätseln und ausprobieren muss, um sie zu bewältigen. Aber ewig dauert das nicht. Rund zwei Stunden dauert es, bis man sich samt Speichelfäden durch Herz, Leber und Nieren gearbeitet hat und sich wieder appetitlicheren Dingen zuwenden kann.


"Spitkiss" von Plug In Digital, für Windows, iOS und Android, ca. 3 Euro; USK: Ab 9 Jahren



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