Sprachchats in Spielen Schweigen kann so schön sein

Als Videospiele online gingen, galten Sprachchats als großes Ding. Dann kamen Teilnehmer ohne Manieren und nahmen unserem Autor die Freude daran. Wie viel Austausch mit Fremden tut Onlinespielen gut?

Blizzards "Overwatch"
Blizzard Entertainment

Blizzards "Overwatch"

Von Tobias Hanraths


"Zwei auf Bombenplatz B."
"Aufteilen, Flanken sichern."
"Go go go."

In meiner Erinnerung klingen die ersten Runden mit "Counter-Strike" im Voice-Chat, damals rund um die Jahrtausendwende, noch genau so. Eine Horde von 16- bis 19-Jährigen, die pseudocoolen Militärsprech in Mikrofone brüllt, um Angriffe auf ihre Gegner zu koordinieren. Rückblickend ist das peinlich, damals war es cool.

Cool war es vor allem, weil wir auch mit Mitspielern sprechen konnten, die nicht nur einen Rechner weiter saßen. So ließen sich nicht nur die vielen Zwangspausen bei "Counter-Strike" überbrücken, die Sprachübertragung war auch für sich neu und aufregend.

Die ersten Tools wie TeamSpeak oder Roger Wilco waren zwar kein Musterbeispiel für intuitive Bedienung, die Sprachqualität dank mieser Headsets und langsamer Verbindungen oft grausam. Aber trotzdem fühlte es sich an, als seien wir die Vorhut einer kleinen Spielerevolution.

Die Xbox 360 machte Voice-Chat zum Massenphänomen

Zugänglich für die meisten normalen Spieler wurde der Voice-Chat erst mit dem Start von Xbox Live. Schon bei der ersten Xbox hatte Microsoft mit Online-Verbindungen erfolgreich experimentiert, bei der Xbox 360 rückte man das gemeinsame Spielen in den Mittelpunkt. Herzstück dieser Strategie war die simple Idee, jeder Konsole ein Headset beizulegen. Und plötzlich hatten nicht nur ein paar Hochmotivierte, sondern schlicht alle Spieler die Möglichkeit, sich auszutauschen. Oder zu beschimpfen.

Denn schlechte Verlierer und schlechtere Gewinner gab es natürlich von Anfang an. Aber die schlimmsten Beleidigungen waren in der Anfangszeit von Voice-Chat und Xbox Live noch harmlose Begriffe wie "Noob" oder "Lucker". Spieler ohne Manieren waren damals klar in der Minderheit. "Killer-Kevin" nannten wir solche Leute spöttisch. Kein besonders netter Begriff all den vernünftigen Kevins gegenüber, aber wenigstens ein griffiger.

Vom Noob zum Opfer: Die Stimmung kippt

"Killer-Kevins" konnte man damals prima an ihren Namen voller "xXx" oder "420" erkennen. Solange sie in der Unterzahl waren, ließ sich ihr Getöse gut ignorieren oder auslachen. Aber irgendwann kippte die Balance. Der Tonfall wurde toxisch - aus dem Noob wurde das Opfer, aus dem Lucker eine Litanei nicht enden wollender sexistischer, homophober oder rassistischer Beleidigungen. Übrigens nicht nur von Kindern und Pubertierenden, wie viele Spieleveteranen gerne behaupten, sondern oft genug von Menschen weit jenseits des Stimmbruchs.

Dazu sei gesagt, dass ich zu den ein Stück weit privilegierten männlichen Spielern gehöre. Die Liste an Beschimpfungen, die ich im Laufe der Jahre gehört habe, ist nicht gerade kurz. Sie ist aber auch kaum zu vergleichen mit der Lawine an Schmutz, die manche Spielerinnen ertragen mussten und müssen. Kein Wunder, dass die sich oft als erste in die private Umgebung von Clan- und Party-Chats zurückzogen. Andere vernünftige Spieler folgten wenig später.

Auf der Konsole ist von der Utopie des offenen Spielens und Sprechens so kaum etwas übrig geblieben, zumindest, soweit ich das erlebe. Und viele PC-Spiele bieten gleich gar keine eigene Voice-Chat-Funktion mehr, sondern verlassen sich auf Drittprogramme wie Mumble und Ventrilo.

Und wenn sie wie Blizzards neuer Multiplayer-Shooter "Overwatch" doch eine eigene Lösung an Bord haben, entsteht dort innerhalb kürzester Zeit die gleiche schimpfende, anfängerfeindliche Community wie in anderen Titeln.

Ping und Emotes: Kommunikation auf anderen Wegen

Doch heutzutage zeigt sich eben auch: Durch das fehlende Gespräch mit Fremden geht kaum etwas verloren. Selbst komplexe Titel wie "League of Legends" oder "Dota 2" lassen sich ohne Voice-Chat ordentlich spielen, weil es dort Tools wie das Ping-System gibt, mit dem Spieler für ihre Teammitglieder Orte auf der Karte markieren.

Im Kartenspiel "Hearthstone" oder in "Clash of Kings" ersetzen Emotes wie "Well played" das direkte Gespräch. Und Nintendos familienfreundlicher Shooter "Splatoon" verzichtet fast ganz auf Kommunikationsmöglichkeiten - und funktioniert trotzdem wunderbar.

Der beste Beweis dafür, dass Schweigen oft besser ist als Sprechen, liefert für mich aber das Spiel "Journey". Auf seiner Reise durch die Wüste begegnet man dort anderen Spielern, mit denen man ein Stück des Weges gemeinsam zurücklegt.

Selten habe ich mich fremden Mitspielern so verbunden gefühlt, obwohl oder weil ich nur über eine Art Klageruf mit ihnen kommunizieren konnte. Das Erwachen kam erst am Ende, als "Journey" die Namen meiner stummen Begleiter einblendete. Da waren sie nämlich wieder, die "xXx" und "420". Die "Killer-Kevins". Ganz still, und so sogar ganz sympathisch.


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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
larryunderwood 16.08.2016
1. international
heute dann gerne auch sucka blyat oder faggot und vor allem raffen die Leute nicht das sie sich selbst und dem Erfolg des Teams schaden ... und ich halte die mute Funktion des ingame voice chats für eine der besten Dinge bei CS:Go wenn einer 3 runden nur flamt dann kommt in den anderen 20 auch nix gescheites mehr und man kann die Ruhe genießen ...
adamk 16.08.2016
2. Randoms
So sind sie halt die Randoms. Dazu kommt dann noch falsches Gear und keine Ahnung von Mechaniken. Gilde/Clan/oder what ever suche, TeamSpeak und Spass haben ... und gewinnen :D Eigentlich ein relativ überflüssiges Thema für hier, schliesslich füllt es ja schon tausende an Seiten in den Spiele-Foren. ty+bb
eryx 16.08.2016
3.
Man muss sich immer nur vor Augen halten, dass es die berühmte "vocal minority" ist, die durch so etwas auffällt. Der Großteil der Spieler will ja nur in Ruhe daddeln. Ist halt ähnlich, wie die "Wir sind das Volk" Schreier der AfD - laut und tumb sind sie, aber halt nicht die Mehrheit.
Kanalysiert 16.08.2016
4.
Zum Glück gibt es Blocklisten, da setze ich schon seit Jahren konsequent jeden Flamer und/oder geistigen Dünnschissfanatiker drauf, wenn zuviel Bockmist egal welcher Art kommt. Das beruhigt den Chat ganz ungemein, einfach weg damit. ^^
fraihait 16.08.2016
5.
ich habe mir vor kurzem battlefield 4 gekauft. dort kann man natuerlich auch ueber VoiP miteinander reden passiert aber nicht soviel.und wenn doch dann sind es wie bereits erwaehnte beleidigungen. die atmosphaere in diesem spiel ist wirklich schlimm weil man ja den ingame chat benutzen kann. da macht es mir nach einer halben stunde einfach keinen spass mehr.und normalerweise werde ich garnicht angesprochen aber nerven tut es trotzdem die vor allem rassistischen und sexistischen kommentare mitlesen zu muessen. es kommt auch auf das spiel and, bei killing floor 1 und 2 passiert so etwas eher selten.beide spiele sind uebrigens ein coop und nicht competetive spiele
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