"Starlink: Battle for Atlas" im Test Im Weltall wird umgebaut

Auf in den Weltraum - mit einem Raumschiff, das man auf den Controller steckt. "Starlink" zeigt, dass die Kombination von Spielzeug und Videospiel funktionieren kann.

Ubisoft

Auf dem Controller sitzt ein Raumschiff. Retrofuturistisch sieht es aus, als ob es von einem Perry-Rhodan-Cover gestartet ist und sich hier niedergelassen hat. Es erscheint auf dem Bildschirm, lässt sich durch den Weltraum steuern und bis dicht über die Oberfläche der verschiedenen Planeten in "Starlink" lenken.

Auf den ersten Blick wirkt "Starlink" etwas aus der Zeit gefallen. Das von Ubisoft Toronto entwickelte Spiel basiert auf Ideen, die schon vor zwei Jahren von der Konkurrenz beiseitegelegt wurden. Die Zeit der so genannten "Toys-to-Life"-Spiele ist seither vorbei. Spiele also, die mit einem zusätzlichen Spielzeug verkauft wurden, welches auf verschiedenste Art ins Computerspiel integriert wurde. "Skylanders", "Lego Dimensions" oder "Disney Infinity" hießen diese Spielereihen und sind entweder eingestellt oder zumindest zwischengeparkt. "Starlink" ficht das nicht an - auch, weil es von seinem Konzept überzeugt ist.

Fliegen klappt immer, aber nicht immer gut

Der Spieler befestigt eine Halterung am Controller und steckt darauf erst einen Piloten und dann ein Raumschiff. Gesteuert wird weiterhin mit dem Controller, am Raumschiff selbst nimmt man Anpassungen an die jeweilige Situation vor. Das heißt: Man steckt Waffen auf die Flügel und wechselt sie, wenn es nötig wird. Wenn also Gegner gegen den Kältestrahl immun sind, steckt man eine Feuerwaffe auf, wenn es ein etwas brachialeres Mittel braucht, nimmt man eine Ramme. Und wenn man nach hinten schießen will, steckt man die Waffe einfach um. Das geht immer, selbst mitten im Flug. Und es funktioniert auch ohne Raumschiff. Wer das Zubehör nicht mag, kann sich die Raumschiffe in digitaler Form kaufen.

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Angespielt: Starlink: Battle for Atlas

Auch wenn es etwas umständlich klingt: Es macht Spaß, die Raumschiffe zu verändern. Flügel von einem Raumschiff zu nehmen und an das nächste zu stecken. Flügel zu verlängern, sie auf einer Seite komplett abzunehmen und zu schauen, was passiert. Das Raumschiff auf dem Bildschirm passt sich nämlich sofort an und lässt sich in den nächsten Kampf fliegen - oder hängt schief zur Seite herunter, wenn die Flügel nicht richtig passen. Fliegen lässt es sich trotzdem. Nur nicht so gut.

Sieben verschiedene Raumschiffe gibt es bisher, jedes kostet allerdings etwa 30 Euro. Weitere sind vermutlich in Arbeit, schließlich wecken sie den Sammlertrieb.

Die "Starlink"-Story bleibt dünn

Zwischenzeitlich hat man das Gefühl, die Entwickler hätten etwas zu genau auf "No Man's Sky" geschaut, einige Planeten aus dem Weltraum-Epos entführt und hier eingebaut. Schlimm ist das nicht, schließlich ist auch die Retro-Optik von "No Man's Sky" nichts unbedingt Neues, sondern vor allem ein Streifzug durch die Coversammlungen von Sci-Fi-Groschenheften.

Während Optik und Raumschiffe also einiges hermachen, fallen die Story und auch das Spielprinzip etwas ab. Zumindest für erfahrene Spieler. Was daran liegen mag, dass "Starlink" für eine junge Zielgruppe konzipiert wurde. Und die - oder zumindest das im Haushalt des Verfassers vorhandene Mitglied dieser Zielgruppe - kann sich gut mit den etwas aufgesetzt wirkenden Figuren anfreunden, überlegt genau, wer die Schiffe fliegen soll und auch, wie diese dann gestaltet sein sollen. Warum man das tut, interessiert da weniger.

Planeten gilt es zu erkunden, um den bösen Grax zu besiegen, der einen Professor entführt hat, der wiederum die Pleiaden erkundet. Oder so ähnlich. Es ist auch nicht so wichtig. Hauptsächlich geht es darum, irgendwo hinzufliegen, um dort entweder feindliche Roboterwesen oder Raumschiffe abzuschießen. Oder um Tiere zu scannen, Mineralien abzubauen, rätselhafte Türme zu erkunden, oder die Raumschiffe mit einem Boost über Rampen springen zu lassen, abzuheben und in den Himmel zu fliegen, zum nächsten Planeten. Und dort weiterzumachen.

"Starlink" funktioniert dann besonders schön, wenn man sich darauf einlässt, dass es eher ein Spielzeug ist, als ein tiefgehendes Spielerlebnis mit ausgefeilter Geschichte. Wenn man zwei Controller anschließt und gemeinsam durch den Weltraum saust, sich in der Schlacht unterstützt, sich überlegt, was als nächstes zu tun ist, wie man wohl ein Rätsel am besten löst. Wenn man sich die Zeit nimmt, die Raumschiffe zu kombinieren und besonders schöne Exemplare zu bauen. Und es funktioniert auch, wenn man die Konsole ausschaltet und nur mit den Raumschiffen in der Hand durch die Wohnung flitzt - und sich alles einfach nur vorstellt.


"Starlink: Battle for Atlas" von Ubisoft, für Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch. Starterpack mit einem Raumschiff ab ca. 65 Euro, Zusatzschiffe ca. 30 Euro; USK: Ab 6 Jahren



insgesamt 2 Beiträge
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Alias_Anon123 23.10.2018
1. Würde mich über differenziertere Kritik freuen
Zum Beispiel, dass man bei einem digitalen Download für den selben Preis viel mehr Spielinhalt bekommt? Zum Beispiel in der digitalen Switch Edition sind 5 Schiffe, 7 Piloten und 12 Waffen enthalten. Natürlich fehlt hierbei das Spielzeug als physische Komponente, da im Spiel jedoch ein Raumschiff einem "Leben" entspricht, bestimmter Inhalt bestimmte Waffentypen vorraussetzt und extra Raumschiffe/Waffen/ Piloten recht schnell ins Geld gehen, sollte so etwas gut überlegt sein. Ein sehr gutes Video hierzu erst gestern bei Gamestar gesehen: https://www.youtube.com/watch?v=ymmw9S3dnf4
herr-von-und-zu 24.10.2018
2.
"bei einem digitalen Download für den selben Preis viel mehr Spielinhalt" "Natürlich fehlt hierbei das Spielzeug als physische Komponente" Den grundlegenden Kritikpunkt verstehe ich nicht. Sollte im Umkehrschluss der Download-Digital-Content günstiger sein, dafür aber keinen größeren Umfang haben? Oder sollte das Spielzeug bei gleichem Preis denselben Content besitzen? Hier steht es letztendlich jedem frei für sich zu entscheiden, worauf er mehr wert legt. "recht schnell ins Geld gehen" Auch hier erkenne ich keinen nennenswerten Unterschied zu anderen sammel-orientierten Spielzeugen, egal ob zu den bereits im Artikel genannten anderen Toys-To-Life-Games, irgendwelchen Trading-Card-Games, Panini-Stickern oder selbst Masters Of The Universe, Playmobil, Lego oder gar Matchbox-Autos. In Summe geht das alles ins Geld und mit nur Skelletor und He-Man lässt sich auch nicht richtig spielen...
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