Handel mit Twitter-Profilen Entwickler nehmen umstrittene App "Stolen" offline

Die Spieler waren begeistert, Einladungscodes begehrt: Obwohl "Stolen" bereits in der Testphase durch die Decke ging, nehmen die Entwickler das Spiel wieder aus dem App-Store.

App "Stolen": Beliebt, aber wegen ihres Konzepts umstritten
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App "Stolen": Beliebt, aber wegen ihres Konzepts umstritten


Die Kritik ist den Entwicklern dann doch zu viel geworden. Das Spiel "Stolen" ist am Donnerstag aus dem Apple App-Store verschwunden. Dabei hatte die Testphase der App ziemlich erfolgreich begonnen.

Die Idee hinter "Stolen" ist, dass Spieler mit echten Twitter-Profilen handeln. Ähnlich wie bei Sammelkarten mit "Star Wars"-Helden oder Fußballspielern konnten die Nutzer die Accounts von US-Präsident Barack Obama und Pop-Sängerin Taylor Swift virtuell kaufen und damit weiteres Fake-Geld verdienen. Mit diesem Geld war es wiederum möglich, weitere Twitter-Profile zu erwerben und anderen Spielern abzunehmen. Das alles hatte keine Auswirkungen auf den Kurznachrichtendienst, nur innerhalb der App wechselten die Accounts den Besitzer. Seinem Handelsgeschick konnte man mit In-App-Käufen auf die Sprünge helfen.

Dieses Spielprinzip hatte offenbar großes Suchtpotenzial, wie das Wirtschaftsmagazin "Fortune" schreibt. Nach nur drei Tagen hatte es das Spiel unter die 200 beliebtesten Apps geschafft. Obwohl nur Spieler mit einem Einladungscode mitmachen durften, seien mehrere zehntausend Nutzer angemeldet gewesen, heißt es. Sie hätten die Server teilweise mit 10.000 Anfragen pro Sekunde überlastet.

Die Codes waren so begehrt, dass etliche Bettelnachrichten unter dem Hashtag #stolencode im Netz kursierten und Gewinnspiele damit beworben wurden. Bei Ebay wurden Codes für mehr als 20 Euro verkauft.

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Beschwerde-Tweets im Minutentakt

Das Problem bei "Stolen": Prinzipiell waren alle Accounts beim Profilhandel verfügbar, ungefragt. Wer keine Lust hatte, dass mit seinem Twitter-Profil gezockt wurde, musste sich über die App anmelden und seinen Account manuell entfernen. Viele Nutzer, die ihr Profil aus dem Spiel nehmen wollten, meldeten sich aber auch per Twitter-Botschaft beim Softwareunternehmen Hey. Im Minutentakt versendete das Unternehmen eine Standardantwort: "Ich habe dich auf unsere Liste gesetzt, du wirst heute noch entfernt. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten."

Auch Politiker in den USA schalteten sich in die Diskussion ein. Die Kongressabgeordnete Katherine Clark verfasste Beschwerdebriefe an Apple-Chef Tim Cook und Twitter-Boss Jack Dorsey. Clark schrieb, "Stolen" könnte zu noch mehr Belästigungen führen, als es bei Twitter ohnehin schon gibt, vor allem gegen Farbige und Frauen. "Die Anwendung 'Stolen' würde nur ein weiteres Programm zur Verfügung stellen, um zu belästigen, zu mobben und zu drohen", schreibt Katherine Clark.

Eine neue Version der App wird es wohl nicht geben, deutete Hey-Gründer Siqi Chen im Interview mit dem Tech-Portal "The Verge" an. Man habe nicht "Stunden und Monate, Schweiß und Tränen" dafür eingesetzt, etwas zu entwickeln, das Menschen als Bedrohung sehen. Es sei noch unklar, woran seine Firma als nächstes arbeiten wolle, aber es gebe keine Pläne, das "Stolen"-Konzept wiederzubeleben.

jbr

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