"Sunset Overdrive" Zombies, Punkrock, schlechte Witze

Der Xbox-One-Titel "Sunset Overdrive" ist der totale Irrsinn. Eine durch einen Energydrink ausgelöste Zombie-Apokalypse, explosive Teddybären, groteske Monster, Punkrock. Trotzdem langweilte sich unser Rezensent.

Von

Microsoft

Es gibt Witze, bei denen ich innerlich zusammenzucke und mich frage, ob sie von Leuten geschrieben wurden, die LOL nicht nur schreiben, sondern auch sagen. "Sunset Overdrive" ist voll von diesen Witzen. Und findet sich selbst dabei vermutlich unglaublich witzig. in Wahrheit aber ist es ein hektisches und buntes Durcheinander, unter dessen überladener Oberfläche erstaunlich wenige Ideen stecken.

Das Spiel wurde von Insomniac Games entwickelt. Das ist ein Studio mit einer langen Tradition: Die "Spyro"-Reihe ist hier entstanden, "Ratchet & Clank" oder "Resistance"-Spiele, die sehr bekannt waren und sich gut verkauft haben. Die aber auch mit Sonys Playstation verknüpft waren. Für "Sunset Overdrive" wechselt Insomniac die Seiten, es ist ein Xbox-One-Exklusivtitel.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein neuer Energydrink wird mit einer großen Party eingeführt. Er wurde aber nicht genügend getestet, ist giftig und verwandelt alle, die davon trinken, in Zombies. Der namenlose Protagonist ist bei der Party dafür zuständig, den Müll wegzuräumen, und bekommt deshalb nichts ab. Er muss sich nun gegen die Zombies verteidigen und einen Weg finden, entweder aus der Stadt zu fliehen oder die Zombieplage zu beenden. Zum Glück hat er oder sie - Spieler können sich anfangs ihren Avatar selbst zusammenbauen, was aber sämtliche Wesen im Spiel nicht daran hindert, auch eine Frau konsequent als Mann anzusprechen - Superkräfte, die sich im Verlauf des Spiels weiter ausbauen lassen können.

Winkekätzchen abholen, oder Mineralwasser

Dazu kommen absurde Gewehre, mit denen sich zum Beispiel Teddybären voller Dynamit abschießen lassen können oder Flammenstöße Zombies fernhalten. Sie können im Laufe des Spiels erweitert und umgebaut werden. Man bewegt sich durch wildes Umherspringen und Grinden auf Schienen, Geländern oder Hochspannungsleitungen. All das klappt hervorragend. Langweilt auf Dauer aber doch.

Es sind nicht nur der LOL-Humor und die langweiligen Figuren, für die ich Aufträge erledigen soll, darunter einen griesgrämigen alten Mann oder eingebildete Typen aus dem Reichen-College. Es sind auch die Aufträge selbst, die eigentlich nur darin bestehen, etwas zu holen, Winkekätzchen zum Beispiel oder Mineralwasser. Wobei immer erst einmal Horden von Zombies oder anderen Gegnern zur Seite geräumt werden müssen. Und es ist die mangelnde Spannung. Stirbt meine Figur, so kommt sie postwendend zurück. Und macht an dem Punkt weiter, an dem sie aufgehört hat, nur mit voller Gesundheit, die Gegner bleiben gleich. Was jegliche Herausforderung im Keim erstickt.

"Sunset Overdrive" wirkt wie ein Spiel, dass sich eine Marketingabteilung ausgedacht hat. Zielgruppe: Menschen, die sich wenig Mühe machen wollen, es total lustig finden, sich in Gamersprache unterhalten, es wahnsinnig provokant finden, wenn gleich am Anfang jemand ins Bild kotzt und mit immer gleich klingendem Punkrock wirklich total verrückte Musik hören.

Das sagen die anderen: "Sunset Overdrive" wird von vielen Kritikern gelobt. Vor allem wegen seines vielseitigen Gameplays und der vielen Möglichkeiten, Charakter und Waffen zu verändern. Während viele den Humor gut finden, ist er einigen zu infantil und die Story zu eindimensional.


"Sunset Overdrive" von Microsoft, für Xbox One, ca. 70 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 4 Beiträge
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Sgt. Sykes "Psycho" 02.11.2014
1. Etwas Abwechslung im Genre
Ich besitze keine Xbox One, aber unter den Shootern finde ich so einen Titel wie Sunset Overdrive, der sich ja storymäßig offensichtlich nicht ernst nimmt mal eine willkommene Abwechslung zu dem ganzen ach so realistischen Einheitsbrei mit CoD, Battlefield & Co. der es bis auf wenige Stellen ernst meint. Da lobe ich storymäßig wirklich solche, die sich auf die Schippe nehmen, sei es Sunset Overdrive, Saints Row IV oder gar ein Postal 2 (ist zwar indiziert weil ziemlich brutal, es hat aber auch jede Menge schwarzen Humor).
tbos 03.11.2014
2. typisch
der typ der den bericht geschrieben hat keinen sinn für humor, das spiel is voll mit zumindestens halbwegs lustigen witzen, die man nur versteht wenn man unter 50 ist und ab und zu das Internet benutzt oder regelmäßig Videospiele spielt. Warscheinlich is das so ne Grafikhure
kakaluzi 04.11.2014
3. Hat der Tester das Spiel überhaupt gespielt?
Der Humor funktioniert hevorragend. Es sind unzählige Anspielungen zu anderen Spielen und Filmen vorhanden. Homagen an Breaking Bad und das häufige direkte Ansprechen des Spielers machen wirklich laune. Das Missionsdesign ist meiner Meinung nach äußerst gelungen. Das Mezeln der Zombies wird in vielen, abwechslungsreichen missionen verpackt, sodass man gar nicht bemerkt, dass man eigentlich immer das selbe macht. Wirklich schade. Da traut sich ein Studio was Neues, Frisches zu entwickeln und wird von der Mainstream Presse nicht nur nicht gewürdigt, sondern sogar belächelt und nicht ernst genommen. Zum Glück ist sich die Fachpresse größten Teils einig, dass es sich um ein äußerst unterhaltsames und progressives Spiel handelt.
rebio 04.11.2014
4. Knaller
Ich schließe mich meinen Vorrednern an. Übrigens: mein Charakter ist weiblich und darf trotzdem Vollbart tragen! Herrlich. Diese Option gibt es nicht in jedem Spiel. ;)
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