"Super Mario Odyssey" im Test Comeback der Knollennase

Irre Verwandlungen, groteske Abenteuer: Was Nintendo hier in einzelne Level packt, hätte anderswo für vier Spiele gereicht. Das neue "Super Mario Odyssey" ist ein großer Spaß.

Nintendo

Eine Mütze kann sehr praktisch sein. Nicht nur jetzt, im immer kälter werdenden Herbstwind. Auch, um zum Beispiel Kanonenkugeln einzufangen und mit ihnen über Abgründe zu fliegen. Oder auch, um sich in einen Dinosaurier zu verwandeln. Oder auch, um Mario ein Werkzeug zu geben, das so vielfältig ist, dass man ein ganzes neues Spiel damit füllen kann. Wie in "Super Mario Odyssee". Der neue Titel für Nintendos Switch zeigt mit spielerischer Leichtigkeit, wieso Mario auch nach 36 Jahren noch mehr als relevant ist.

Seit 1981, seit seinem ersten Auftritt in "Donkey Kong", hat Mario seine Kopfbedeckung. Es ist eine rote Schiebermütze mit einem kleinen M darauf. Sie ist sein Markenzeichen, mehr noch als Knollennase, Schnurrbart und Latzhose. Anfangs diente sie dazu, fehlende technische Möglichkeiten zu kaschieren, Haare konnten damals noch nicht dargestellt werden.

Später hätte man die Mütze nicht mehr wegnehmen können. Schließlich war der Klempner eines der unwahrscheinlichsten Maskottchen der Spielewelt geworden und Nintendo einer der erfolgreichsten Hersteller von Videospielen. Von denen hatte ein großer Anteil irgendetwas mit Mario zu tun.

Immer neue Elemente

Dass Mario bis heute so beliebt ist, hängt aber nicht nur mit der Mütze zusammen, sondern auch damit, dass (fast) jedes Mario-Spiel besonders ist. Vor allem die, die mit "Super Mario" anfangen.

Von "Super Mario Bros." über "Super Mario 64" zu "Super Mario Galaxy" baute zwar jedes Spiel auf den Vorgängern auf, brachte aber immer neue Elemente ein, die zum einen haarsträubend komisch waren, zum anderen aber wahnsinnig gut zum Spielprinzip passten. Und die vor allem eines auszeichnete: Spiel wird als Spaß definiert. Witz und Herausforderung gehen eine perfekte Symbiose ein.

Was sich auch auf die Handlung auswirkt. Die ist einfach nicht sonderlich wichtig und deshalb seit Jahrzehnten nahezu unverändert: Monster raubt Prinzessin, Mario muss sie retten. Jede Änderung dieser Geschichte würde wahrscheinlich von einer Meuterei der Spieler begleitet. Und warum sollte sie auch geändert werden? Sie spielt im weiteren Verlauf des Spieles nahezu keine Rolle.

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Nintendo-Spiel: So sieht "Super Mario Odyssey" aus

Oder denkt irgendjemand an Prinzessin Peach, während er mit einem Dinosaurier-Mario Felsbrocken zerbröselt? Wohl kaum. Schließlich hat man genug damit zu tun, all die Ideen zu verarbeiten, die im Spiel stecken.

Die Mütze als Grundidee

Bei "Super Mario Odyssey" ist die Grundidee die Mütze. Sie heißt Cappy und hilft dabei, Gegner zu besiegen oder auch, sie zu besetzen und zu benutzen. Das führt zu absurden Momenten, wenn zum Beispiel ein Dinosaurier mit Schnurrbart durch die Gegend trampelt oder ein ebenfalls Schnurrbart tragender Frosch herumhüpft.

Dabei ist die Verwandlung mehr als nur ein Gag. Jedes Tier, jeder Gegner, den man übernehmen kann, erfüllt eine wichtige Rolle. Sei es, um im Kampf zu helfen oder Orte zu erreichen, zu denen man vorher nicht hätte gelangen können. Schließlich hat jedes von ihnen eine eigene, logische Physik.

In der Grundstruktur ähnelt "Super Mario Odyssey" dem brillanten "Super Mario 64": Mario erkundet verschiedene Welten voller Geheimnisse. Richtige Ziele erledigt man eher nebenbei. Auch weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, die Welt genau zu erforschen und ihre unzähligen Geheimnisse zu finden.

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Rückblick in Bildern: Vier Jahrzehnte Nintendo-Konsolen

Anklänge an alte 2D-Spiele

Man will hüpfen, in Wänden verschwinden und dort Anklänge an alte 2D-"Marios" finden und sie spielen. Man will von immer neuen Perspektiven überrascht werden und vor allem: staunen. "Super Mario Odyssey" ist so verschwenderisch mit Ideen wie kaum ein anderes Spiel. Was hier in einem Level passiert, hätte bei manch anderem Entwicklerstudio für vier Spiele gereicht.

Die Leichtigkeit, mit der Mario durch die Welt geht, ist ansteckend. Immer wieder summt man die Melodien mit, grinst über neue Ideen und wirft die Mütze durch die Gegend. Einfach so, weil es nun mal funktioniert und man einfach nur die Hand mit einem Switch-Controller schnell nach vorn drehen muss, so als ob man eine Frisbee-Scheibe abfeuern will.

"Super Mario Odyssey" ähnelt mit seiner offenen Welt dem anderen großartigen Nintendo-Spiel des Jahres "Zelda: Breath of the Wild". Wie dieses nimmt es bekannte Elemente, bewertet sie neu und setzt sie in verblüffenden Momente ein. Damit wird die alte Serie so verändert, dass sie gleichzeitig neu wirkt und doch wieder zu erkennen ist.

Wo "Zelda" aber eine in sich geschlossene Welt voller Wunder schafft, bietet "Super Mario Odyssey" eine riesige Wundertüte. Man weiß einfach nicht, was einen erwartet.


"Super Mario Odyssey" von Nintendo für Nintendo Switch, ca. 50 Euro; USK: Ab 6 Jahren

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jupiter_jones 27.10.2017
1. Nintendo Super Mario, der VW Golf fuer die Gamer
Super Mario Odyseey ist gerade released worden und heischt auf fast allen Plattformen perfekte Bewertungen ein. Nintendo Games (Zelda, Super Mario...) sind in der Gamerszene sowas wie der VW Golf in Autoszene. Das Produkt muss einfach absolute Referenz sein. Note "Gut" reicht nicht, es muss schon "Sehr gut" sein, um nicht als gescheitert dazustehen.
bronck 30.10.2017
2. Nintendos Geheimnis...
...ist es Spiele ohne technische Superlative zu schaffen, welche einfach nur Spaß machen. Während andere Spieleserien (man denke nur an Final Fantasy mit den unsäglichen Teilen XIII und XIII-2) den Spielspaß auf dem Altar der Bombastgrafik opferten, hat Nintendo es geschafft Spiele mit Charme und Witz zu kreieren. Weiter so!
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