Angespielt: Eine Stunde mit "Medal of Honor: Warfighter"

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Hässliche 60 Minuten waren das mit "Medal of Honor: Warfighter". Wer mit Vorurteilen an das Spiel herangeht, wird bestätigt: Der Militär-Shooter setzt eine schlechte Idee nämlich auch noch schlecht um.

Angespielt: Eine Stunde mit "Medal of Honor: Warfighter" Fotos
Electronic Arts

"Na, wenn das kein Volltreffer war!" Mein Begleiter lobt mich. Mein Ziel allerdings ist unbeeindruckt, legt seinen Raketenwerfer an und schießt auf uns. Das Spiel ist aus - für mich. Vielleicht, so überlege ich, habe ich so schlecht geschossen, dass ich gar nicht das beabsichtigte Ziel getroffen habe. Vielleicht ist die Kugel weitergeflogen, hat einen Gegner getroffen, den ich gar nicht gesehen habe. Vielleicht. Vielleicht aber ist "Medal of Honor: Warfighter" nur schlampig programmiert. Beim nächsten Versuch nämlich schieße ich daneben. Absichtlich. Der Gegner fällt um.

Es stimmt, was mir viele Fans jetzt bestimmt unterstellen wollen: Ich wollte dieses Spiel von Anfang an nicht gut finden. Ich finde Militär-Shooter wie "Call of Duty: Modern Warfare" oder "Medal of Honor" schlimm, kann mit dem angeblichen Realismus nichts anfangen, mit der Glorifizierung von Krieg und der Darstellung desselben als unausweichliches Mittel. Ich finde den Hurra-Patriotismus abstoßend, mit dem diese Spiele daherkommen. Die lockeren amerikanischen Übersoldaten, die alles abschießen, was einen Turban trägt. Ich finde es schlimm, wenn aus Waffen Fetische werden, es im Spiel mehr um die einzelnen Gewehrtypen geht als um die Geschichte.

Auf die Zusammenarbeit mit den Waffenherstellern ist man stolz

"Medal of Honor: Warfighter" hat den Waffenkult auf die Spitze getrieben. So konnte man über die Webseite des Spiels in den USA Waffen kaufen, die extra als Merchandise für das Spiel produziert werden sollten, wie zum Beispiel ein im Spiel vorkommender Tomahawk. Es wurden Kooperationen mit Waffenherstellern eingegangen, auf ihre Seiten verlinkt, wo man gleich die im Spiel vorkommenden Waffen kaufen konnte - wie bei McMillan, Werbespruch: "Shoot to win" - und sie sich an den Waffenhändler vor Ort schicken lassen.

Hersteller Electronic Arts hatte hier das Augenmaß verloren. Natürlich: Electronic Arts hat die entsprechenden Links von der Seite genommen. Die Firma hat den Verkauf des Tomahawk eingestellt. Aber nicht, weil irgendjemand bei Electronic Arts selbst zur Besinnung gekommen wäre, sondern weil die amerikanische Spielepresse kritisch darüber berichtet hat. Auf die Zusammenarbeit mit den Waffenherstellern ist man weiter stolz. Und die kommen über das Spiel an eine ganz neue Zielgruppe heran. Ich finde das abstoßend und möchte solche Spiele nicht mehr spielen.

"Medal of Honor" macht mir das noch aus ganz anderen Gründen leicht: Es ist einfach ein schlechtes Spiel. Auch ohne meine Vorurteile.

"Medal of Honor" von Electronic Arts, für Xbox 360, Playstation 3 und PC, ab 50 Euro; USK: Ab 18 Jahren

Das sagen die Anderen: Durchgefallen! Das sagen die meisten Kritiker und attestieren dem Spiel einen Mangel an neuen Ideen, viele Fehler und eine klägliche Geschichte.

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insgesamt 60 Beiträge
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1. optional
Rahvin 27.10.2012
Das nenne ich mal eine fundierte Kritik. "Ich finde das schlimm" ist ungefähr genauso nichtssagend wie "Ich finde das schön." Da es nicht darum geht, die Befindlichkeiten des Testers in den Vordergrund zu stellen, ist dieser Test ein Schuss in den Ofen. Ich spiele keine Egoshooter, und auch mir ist dieser Waffenfetischismus zuwider, aber diese Kolumne verdient einfach bessere Testberichte von Leuten, die etwas davon verstehen.
2. Was will der Autor damit sagen?
thorer 27.10.2012
Ich verstehe ganz ehrlich den Inhalt dieses Artikels nicht. Zunächst wird der Versuch erweckt, dass es um eine normale Spielkritik hat. Mehr als nur über ein paar Macken wird aber nicht berichtet. Die Zusammenarbeit von EA mit der Waffenlobby wird festgehalten, ok ist ein Fakt, weiter im Text. Aber es gibt keine weiteren Informationen, außer die ständig auftretende, negative persönliche Meinung des Autors zum Spiel und anscheinend zum Krieg. Schwammig abgeschlossen mit dem Absatz, dass andere (wer?) das Spiel auch schlecht finden und somit sich naiv bestätigt fühlen. An den Autor: Schön, dass sie eine Meinung haben, aber ich will beim Lesen von Artikeln Fakten und Inhalte lesen. Warum haben sie überhaupt den Artikel geschrieben und was wollen sie mitteilen, außer dass sie das Spiel schlecht finden? Ich bin kein Zocker von solchen Spielen, aber ich habe mich hier extra angemeldet, um das mal loszuwerden. Selten so einen schlechten Artikel gelesen. Und das ist auch eine Meinung - meine persönliche.
3. Ein Witz...
Sphynx25 27.10.2012
"Your review is bad and you should feel bad." Wenn man mit der Propaganda nicht umgehen kann, sollte man shooter aus den USA evtl. eher gar nicht erst anfassen. "Das sagen die Anderen: Durchgefallen! Das sagen die meisten Kritiker und attestieren dem Spiel einen Mangel an neuen Ideen, viele Fehler und eine klägliche Geschichte" Ahso? Wer sind denn "die meisten Kritiker"? Quellen Fehlanzeige. Es muss einfach alles schlecht an dem Spiel sein, weil der Autor weiß leider nichts positives zu berichten. Das hat natürlich nichts mit Vorurteilen zu tun. Herr Görig, kann es sein, dass es hier um einen reinen bash geht, anstatt ein vernünftiges Review zu schreiben?
4. Dieser Artikel ist durchgefallen !
Cram 27.10.2012
Man erfährt als Leser nichts über das Spiel außer, dass es angeblich schlecht sei. Der Autor kann seine Meinung in keinster Weise sinnvoll und für andere Leser nachvollziehbar begründen. Er geht dabei mit keinem Satz auf Dinge ein, die eigentlich wichtig sind und vom Leser erwartet werden, wie z.B. Gameplay oder Grafik.Zumal ich bezweifle, dass eine Stunde ausreicht um ein Spiel zu bewerten. Die Leser des Spiegel sind Besseres gewohnt als einen oberflächlichen Artikel, der zudem auch noch stark abschweift.
5. Titel
ibinalausbub 27.10.2012
Das Spiel mag ja schlecht sein (oberflächliche Story usw.), der Artikel aber leider auch (fehlende Argumentation).
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