Von Carsten Görig
"Na, wenn das kein Volltreffer war!" Mein Begleiter lobt mich. Mein Ziel allerdings ist unbeeindruckt, legt seinen Raketenwerfer an und schießt auf uns. Das Spiel ist aus - für mich. Vielleicht, so überlege ich, habe ich so schlecht geschossen, dass ich gar nicht das beabsichtigte Ziel getroffen habe. Vielleicht ist die Kugel weitergeflogen, hat einen Gegner getroffen, den ich gar nicht gesehen habe. Vielleicht. Vielleicht aber ist "Medal of Honor: Warfighter" nur schlampig programmiert. Beim nächsten Versuch nämlich schieße ich daneben. Absichtlich. Der Gegner fällt um.
Es stimmt, was mir viele Fans jetzt bestimmt unterstellen wollen: Ich wollte dieses Spiel von Anfang an nicht gut finden. Ich finde Militär-Shooter wie "Call of Duty: Modern Warfare" oder "Medal of Honor" schlimm, kann mit dem angeblichen Realismus nichts anfangen, mit der Glorifizierung von Krieg und der Darstellung desselben als unausweichliches Mittel. Ich finde den Hurra-Patriotismus abstoßend, mit dem diese Spiele daherkommen. Die lockeren amerikanischen Übersoldaten, die alles abschießen, was einen Turban trägt. Ich finde es schlimm, wenn aus Waffen Fetische werden, es im Spiel mehr um die einzelnen Gewehrtypen geht als um die Geschichte.
Auf die Zusammenarbeit mit den Waffenherstellern ist man stolz
"Medal of Honor: Warfighter" hat den Waffenkult auf die Spitze getrieben. So konnte man über die Webseite des Spiels in den USA Waffen kaufen, die extra als Merchandise für das Spiel produziert werden sollten, wie zum Beispiel ein im Spiel vorkommender Tomahawk. Es wurden Kooperationen mit Waffenherstellern eingegangen, auf ihre Seiten verlinkt, wo man gleich die im Spiel vorkommenden Waffen kaufen konnte - wie bei McMillan, Werbespruch: "Shoot to win" - und sie sich an den Waffenhändler vor Ort schicken lassen.
Hersteller Electronic Arts hatte hier das Augenmaß verloren. Natürlich: Electronic Arts hat die entsprechenden Links von der Seite genommen. Die Firma hat den Verkauf des Tomahawk eingestellt. Aber nicht, weil irgendjemand bei Electronic Arts selbst zur Besinnung gekommen wäre, sondern weil die amerikanische Spielepresse kritisch darüber berichtet hat. Auf die Zusammenarbeit mit den Waffenherstellern ist man weiter stolz. Und die kommen über das Spiel an eine ganz neue Zielgruppe heran. Ich finde das abstoßend und möchte solche Spiele nicht mehr spielen.
"Medal of Honor" macht mir das noch aus ganz anderen Gründen leicht: Es ist einfach ein schlechtes Spiel. Auch ohne meine Vorurteile.
"Medal of Honor" von Electronic Arts, für Xbox 360, Playstation 3 und PC, ab 50 Euro; USK: Ab 18 Jahren
Das sagen die Anderen: Durchgefallen! Das sagen die meisten Kritiker und attestieren dem Spiel einen Mangel an neuen Ideen, viele Fehler und eine klägliche Geschichte.
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