"That Dragon, Cancer" im Test Krebs, das größte aller Ungeheuer

Ryan und Amy Green erzählen in "That Dragon, Cancer" vom Tod ihres Kindes. Leider gelingt es dem Spiel nicht durchweg, das schwierige Thema so umzusetzen, dass man wirklich mitfühlen kann.

Von

Numinous Games

Ein Jahr ist Joel Green alt, als der Krebs erkannt wird. Vier Jahre später stirbt er. "That Dragon, Cancer" begleitet das Kind beim langsamen Sterben, das Spiel erzählt eine wahre Geschichte, Joels Geschichte.

Es ist der Versuch seiner Eltern Amy und Ryan, das Geschehene in Worte zu fassen, die Emotionen und Gedanken mitzuteilen, die in dieser Zeit wichtig waren. Sie haben damit ein wichtiges, aber kein durchweg gutes Spiel geschaffen.

Joels Leben und Sterben wird in kleinen Szenen dargestellt. Es geht um lustige Momente, ausgelassenes Rumtollen und einfach Quatsch machen. Genauso geht es aber um die Momente, in denen eine Familie realisiert, dass die gemeinsame Zeit kürzer ist, als sie sein dürfte. Es geht um Ängste, Verzweiflung, Glauben, Hoffnung, Spaß und Trauer. Und immer wieder schafft es "That Dragon, Cancer", einen mit der Familie mitfühlen zu lassen.

Was es allerdings schwer macht, sich wirklich auf die Geschichte einzulassen: Immer wieder wirft das Spiel seine Spieler aus der Geschichte raus. Spiele zu machen ist immer noch ein komplexes Handwerk - auch wenn die Messlatte bei einem kleinen Projekt wie diesem hier nicht so hoch liegen darf wie bei Projekten großer Spielestudios.

Wichtige Weiterentwicklung des Mediums

Eine Grundvoraussetzung aber muss erfüllt sein: Das Spiel muss technisch funktionieren. Und das tut "That Dragon, Cancer" leider nicht immer. Mal kämpft man mit der Kamera, mal ist die Steuerung eines kleinen Rennens mehr als hakelig, mal ist die Lösung eines kleinen Rätsels offensichtlich, der Weg dahin aber überhaupt nicht.

Dennoch: Wer sich für die Weiterentwicklung des Mediums Spiele interessiert, kommt an "That Dragon, Cancer" kaum vorbei. Es ist ein mutiger Schritt, ein autobiografisches Spiel zu machen. Die Eltern von Joel geben mit dem Spiel die eigene Geschichte an die Öffentlichkeit, thematisieren mit dem Tod des eigenen Kindes ein Thema, das schwieriger und emotionaler kaum sein könnte.

Es zeigt erneut, dass die Möglichkeiten des Mediums Spiel noch lange nicht ausgeschöpft sind. Im Gegenteil: Es beginnt gerade erst, sich zu entfalten. Und "That Dragon, Cancer" ist ein kleiner, nicht vollkommener, aber doch wichtiger Schritt auf diesem Weg.


"That Dragon, Cancer" von Numinous Games, 13,99 Euro für PC, Mac und Ouya

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insgesamt 2 Beiträge
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troncologne 28.01.2016
1.
"Leider gelingt es dem Spiel nicht durchweg, [...] dass man wirklich mitfühlen kann." Ganz ehrlich: ich verzichte. Ich finde es bemerkenswert, was mit diesem Spiel versucht wurde umzusetzen und das Schicksal der Familie Green betrübt mich. Allerdings bin ich für solche Geschichten (zumal noch auf einer wahren Begebenheit basierend) mittlerweile zu soft geworden. Computerspiele unterschiedlichster Genre spiele ich aus unterschiedlichsten Gründen (Unterhaltung, Dampf ablassen, ...) - das künstliche Erzeugen von Depressionen gehört nicht dazu :-/
tel33 28.01.2016
2. naja...
Leider ist 'that Dragon, Cancer' für die allermeisten Menschen viel zu real, um sich der Thematik spielerisch zu nähern. 40 Prozent von uns werden damit im Laufe ihres Lebens ganz direkt und unmittelbar betroffen sein, der Rest erlebt zumindest nahe Angehörige in dieser Situation.
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