"The Last of Us - Left Behind" Kurzes Kunstwerk

Sonys Studio Naughty Dog hat für sein hochgelobtes Spiel "The Last of Us" eine Fortsetzung geschaffen. "Left Behind" ist nur drei Stunden lang - aber ein eigenständiges Kunstwerk, das dem Hauptspiel eine wichtige Facette hinzufügt. Es zeigt, wo die Reise hingehen kann in Sachen Erzählen im Spiel.

Sony

Spoilerwarnung: Diese Renzension enthält Hinweise auf den Verlauf des ursprünglichen "The Last of Us" und Andeutungen über den Spielverlauf der Erweiterung "Left Behind".

Natürlich musste es so kommen. Das Ende von "Left Behind" wird niemanden überraschen, der "The Last of Us" gespielt hat. Es ist dort deutlich beschrieben. Und dennoch: Als es soweit ist, ist es wie ein Tritt in die Magengrube. Bestätigt es die Angst, die man beim Spielen hatte. "Left Behind" - Zurückgelassen, so heißt diese Erweiterung eines der besten Spiele des letzten Jahres. Und der Titel sagt es bereits: Es ist das Wissen um das Unausweichliche. Um das Ende von Kindheit und Freundschaft. Das Ende der Unschuld.

"Left Behind" ist Ellies Geschichte. Ellie, die in "The Last of Us" mit ihrem väterlichen Freund Joel durch eine von einer Zombie-Seuche zerfressene USA reist. Ihrer beider Geschichte erzählte von Fürsorge und Geborgenheit, von Niedertracht und Überlebenskampf, von Verrat und Hoffnung und endete in einer großen Lüge.

Zwei Wendepunkte, knapp und präzise erzählt

"Left Behind" erzählt zu allererst aber vom Leben. Davon, wie es sich anfühlt, Teenager zu sein. Auch wenn man Teenager in einem Militärstaat ist und sich gegen zombieartige Wesen wehren muss. Es erzählt von der Freude, Neues zu entdecken. Wie es sich anfühlt, albern zu sein, Witze zu machen oder wenn man nicht weiß, wie man seine Gefühle mitteilen soll. Wie es sich anfühlt, wenn man merkt, dass die Jugend zu Ende geht. Wenn man am Alten festhalten will und trotzdem kaum darauf warten kann, dass Neues beginnt.

"Left Behind" verknüpft ein prägendes Erlebnis von Ellie mit einer der Schlüsselszenen des ursprünglichen "The Last of Us". In knapp drei Stunden verbindet es zwei Handlungsstränge. Es beleuchtet Ellies Verhältnis zu ihrer besten Freundin Riley und den Moment, in dem sie in "The Last of Us" Verantwortung übernimmt für Joel, der schwer verletzt im Fieberschlaf liegt. Beides hängt eng zusammen. Beides sind Wendepunkte in ihrem Leben.

Dabei beschränkt sich "Left Behind" nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich: Zwei Einkaufszentren sind die Schauplätze. Für Ellie und ihre Freundin Riley ist die Mall ein großer Spielplatz, in dem sie Karussell fahren, mit Halloween-Masken spielen und - in einer der schönsten Szenen des Spiels - ein Gedankenvideospiel machen. Am Schluss wandelt sich die Unbefangenheit in einen intimen Moment, bei dem Ellie und Riley merken, dass eine Grenze erreicht ist. Sie muss überschritten werden. Weil es das Alter verlangt, die Umstände und die Zeit.

Jeden Cent wert - trotz kurzer Spieldauer

Die Zeit verschlägt Ellie schließlich in das zweite Einkaufszentrum, irgendwo in den Bergen von Colorado, in dem es nur noch ums Überleben geht. Von Kämpfen geprägt ist dieser Abschnitt. Von Schleichen, Lauern, Zuschlagen. Brutal und schonungslos, so wie man es aus dem Hauptspiel kennt. Einzig die Anzahl der umherliegenden Steine und Flaschen deutet darauf hin, dass man als Ellie vorsichtiger spielen muss. Mehr ablenken und schleichen als mit dem stärkeren Joel.

Meisterhaft ist es, wie Entwickler Naughty Dog die Geschichten verknüpft. Wie die Entwickler in beiden Zeitebenen andere Spielelemente einführen. Und trotzdem alles wie aus einem Guss wirkt. Die Spannung, die Angst und das Herzklopfen in der später angesiedelten Phase, die Leichtigkeit, die Hoffnung und das trotzdem ungute Gefühl, das dräuende Verderben in der Vergangenheit. In nur zwei Schlüsselszenen wird Ellie charakterisiert. Trotz einer eher klassischen Aufteilung von Spielszenen und Zwischensequenzen hat man niemals das Gefühl, als Spieler keine Kontrolle über die Situation haben.

"Left Behind" schafft es, mehr als nur eine Fortsetzung zu sein. Es ist ein essentieller Teil von "The Last of Us". Ein Gegenpol zum Hauptspiel, eine Erweiterung, die sowohl spielerisch als auch erzählerisch zum Besten gehört, was man in Videospielen gesehen hat. Und trotz kurzer Spieldauer jeden Cent wert. Knappe drei Stunden, die ein Leben beschreiben.

"The Last of Us: Left Behind" von Sony, für Playstation 3, 14,99 Euro, Hauptspiel "The Last of Us" erforderlich; USK: Ab 18 Jahren



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Seite 1
kein_gut_mensch 19.02.2014
1. Mist
Zitat von sysopSony Sonys Studio Naughty Dog hat für sein hochgelobtes Spiel "The Last of Us" eine Fortsetzung geschaffen. "Left Behind" ist nur drei Stunden lang - aber ein eigenständiges Kunstwerk, das dem Hauptspiel eine wichtige Facette hinzufügt. Es zeigt, wo die Reise hingehen kann in Sachen Erzählen im Spiel. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/the-last-of-us-left-behind-rezensiert-von-carsten-goerig-a-954237.html
Leider hab ich meine PS3 schon gegen die PS4 eingetauscht. Die PS3 macht nun jemand aneren glücklich. Ich hätte vielleicht doch noch warten sollen. Naja Für mich ist TLoU das beste Spiel das ich jemals gespielt hab und ich hab schon einiges gezockt. Da kann kein Film, Theaterbesuch oder Buch mithalten geschweige denn irgend ein anderes Spiel. Es gab nur weniges was mich so in den Bann gezogen hat und in die Geschehnisse einer Geschichte. Es wundert mich nicht und es freut mich das Naughty Dog dies auch in einem DLC beweisen können. Ich hoffe ja auf die spekulierte Umsetzung für die PS4.
also_wirklich 19.02.2014
2. Stark rassistisch
Leider hat das Spiel eine sehr starke Schwäche (wie auch manche Filme mit Chuck Norris): die stärker pigemntierten Bevölkerungsanteile kommen - hier personalisiert durch Ellie´s Freundin Riley - EXTREM schlecht weg. Elly ist sehr launisch, störrisch und beschwert sich ständig, dabei legt ihr die "allerbeste" Freundin permanent den Himmel zu Füßen. Das wird in der Story durchaus deutlich. Was wir hier haben ist - trotz - der an sich guten Story liebevollen Details - ein Spiel, dass aufgrund rassistischer Tendenzen NICHT zur Kategorie "WERTVOLL" zählen darf. Schade.
BIGBB 19.02.2014
3. keuch
Zitat von also_wirklichLeider hat das Spiel eine sehr starke Schwäche (wie auch manche Filme mit Chuck Norris): die stärker pigemntierten Bevölkerungsanteile kommen - hier personalisiert durch Ellie´s Freundin Riley - EXTREM schlecht weg. Elly ist sehr launisch, störrisch und beschwert sich ständig, dabei legt ihr die "allerbeste" Freundin permanent den Himmel zu Füßen. Das wird in der Story durchaus deutlich. Was wir hier haben ist - trotz - der an sich guten Story liebevollen Details - ein Spiel, dass aufgrund rassistischer Tendenzen NICHT zur Kategorie "WERTVOLL" zählen darf. Schade.
Hm, ich vermisse schmerzlich irgendein Smili oder so. Daher muss ich mal davon ausgehen, dass der Kommentar ernst gemeint ist??? Wirklich? Nicht noch mal ne Nacht drüber schlafen?
RobinSeyin 19.02.2014
4.
Zitat von sysopSony Sonys Studio Naughty Dog hat für sein hochgelobtes Spiel "The Last of Us" eine Fortsetzung geschaffen. "Left Behind" ist nur drei Stunden lang - aber ein eigenständiges Kunstwerk, das dem Hauptspiel eine wichtige Facette hinzufügt. Es zeigt, wo die Reise hingehen kann in Sachen Erzählen im Spiel. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/the-last-of-us-left-behind-rezensiert-von-carsten-goerig-a-954237.html
Man sollte eher hoffen, dass dem nicht so ist. Denn solche Spiele kosten in der Produktion Unsummen, bieten aber sehr wenig Gameplay. Dieser Entwicklungsdrang Richtung Hollywood ist ein großes Problem in der Spielebranche. Eine derartige Erzählweise ist auch kein Kunststück, sie ist in erster Linie extrem aufwendig herzustellen, rein technisch. Meisterhaft ist eher, mit geringen Mitteln viel zu erzählen und Atmosphäre aufzubauen.
Red Herring 19.02.2014
5. @also_wirklich
Zitat von also_wirklichLeider hat das Spiel eine sehr starke Schwäche (wie auch manche Filme mit Chuck Norris): die stärker pigemntierten Bevölkerungsanteile kommen - hier personalisiert durch Ellie´s Freundin Riley - EXTREM schlecht weg. Elly ist sehr launisch, störrisch und beschwert sich ständig, dabei legt ihr die "allerbeste" Freundin permanent den Himmel zu Füßen. Das wird in der Story durchaus deutlich. Was wir hier haben ist - trotz - der an sich guten Story liebevollen Details - ein Spiel, dass aufgrund rassistischer Tendenzen NICHT zur Kategorie "WERTVOLL" zählen darf. Schade.
Selbst wenn Sie mit den "rassistischen Tendenzen" recht hätten - ich finde nicht - ist daran schon mal gar nix "stark" oder "extrem". Inwieweit sind Marlene oder Henry und Sam rassistisch gezeichnet? Also wirklich.
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