Kultserie von Nintendo Darum ist "Zelda" unter Gamern so beliebt

Außer "Super Mario" ist für Nintendo keine Spielereihe so wichtig wie "Zelda". Freitag erscheint der nächste Teil der Kultserie, für die neue Konsole Switch. Was macht den Reiz der Reihe aus?

Stephan Freundorfer

Von Stephan Freundorfer


Oft musste es der Klempner richten. Lange Zeit war Hüpfspiel-Ikone Super Mario der wichtigste Kaufgrund für jede neu erscheinende Nintendo-Konsole. Das Famicom holten sich viele japanische Gamer 1983 wegen "Donkey Kong", Marios Spielhallen- und dann auch Wohnzimmerdebüt. Das 1990 folgende SNES wollten Gamer dann vor allem wegen des brillanten 2D-Jump'n'Runs "Super Mario World" besitzen. Und das Nintendo 64 lockte 1996 mit einem bahnbrechenden "Super Mario 64" in 3D-Grafik.

Doch was, wenn Nintendo-Mastermind Shigeru Miyamoto kein frisches Mario-Abenteuer zu einer neuen Konsole liefern konnte? Dann kam ein anderer Held aus seiner Feder zum Zug: ein junger Elf namens Link, der in den "The Legend of Zelda"-Spielen seit über drei Jahrzehnten die namensgebende Prinzessin rettet.

2006 hat Link der Erfolgskonsole Wii einen Traumstart verschafft, in diesen Tagen soll vor allem er Lust auf Nintendos Switch machen, einen neuartigen Mix aus Handheld und Heimkonsole (Hinweis: einen Test der Switch finden Sie Mittwochnachmittag auf SPIEGEL ONLINE). Die Strategie könnte aufgehen: Denn Nintendo hat bisher 75 Millionen "Zelda"-Spiele abgesetzt, Links Anhängerschaft ist groß und treu.

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Nintendos Goldjunge

Schon das erste Elfen-Abenteuer machte Nintendo glücklich. Im Februar 1986 veröffentlichte man ein Diskettenlaufwerk für die Famicom-Konsole, "The Legend of Zelda" war einer der Starttitel, der vom großzügigen Speicherplatz und der Beschreibbarkeit der Disketten profitierte.

Das per Modul veröffentlichte "Super Mario Bros." musste noch in gerade Mal 32 Kilobyte Platz finden und in einem Rutsch durchgespielt werden. Für die Inszenierung von Links erstem Einsatz dagegen stand den Entwicklern die vierfache Datenmenge zur Verfügung. Zudem ließ sich der Fortschritt des Spielers auf Diskette sichern.

Die "Zelda"-Reihe zum Durchklicken:

Im Westen erschien das Famicom Disk System nicht, Links erster Einsatz entzückte die Fans aber auch hier. Dank des Japan-Erfolgs wusste man bei Nintendo um die Attraktivität des Titels. Und so wurde dem NES-Modul nicht nur (als erstem Videospiel überhaupt) eine Batterie spendiert, die das Speichern des Spielstands erlaubt, sondern auch ein auffälliges Gehäuse aus goldenem statt dem üblichem mausgrauen Plastik. Eine millionenschwere Marketing-Kampagne begleitete die Veröffentlichung, "Zelda"-Tipps waren ein Dauerthema in hauseigenen Magazinen wie "Nintendo Power" und "Club Nintendo".

Märchen statt Mario

Held rettet entführtes Fräulein aus den Fängen eines Unholds: Während das simple Grundmotiv dem von "Super Mario Bros." und Co. glich, unterschied sich "The Legend of Zelda" doch erheblich von anderen Konsolenspielen seiner Zeit. Die Welt wurde nicht auf einem strikt vorgegebenen Weg durchquert, sondern war offen und wollte erkundet werden. Es wurde nicht nur das Geschick des Spielers getestet, nein, dieser musste auch bei etlichen Puzzles seinen Grips anstrengen.

"'The Legend of Zelda' war unser erstes Spiel, das den Spieler zum Nachdenken darüber zwang, was er als nächstes tun sollte", sagte Erfinder Miyamoto 2003 in einem Interview mit dem englischen Magazin "Superplay". "Wir befürchteten, dass die Spieler von dem neuen Konzept gelangweilt oder gestresst wären."

Es kam anders: Mit "The Legend of Zelda" machten Millionen Konsolenspieler neugierige Schritte in die Fantasy-Welt Hyrule. Sie ließen sich von der Entwicklung des einfachen Jungen zum strahlenden Helden faszinieren und suchten in Höhlenlabyrinthen ausdauernd nach den acht Bruchstücken des "Triforce der Weisheit" - Teil eines Relikts, das als Dreieck aus drei goldenen Dreiecken zum Symbol der Reihe wird.

Erfahrungspunkte wie in einem klassischen Rollenspiel gewannen sie nicht, dafür aber zusätzliche Lebenskraft in Form von "Herzcontainern"'. Und sie lauschten den sich einbrennenden Melodien und Tonfolgen von Nintendo-Komponist Koji Kondo. Das Fundament der Zelda-Verehrung war gelegt.

Zweite Heimat Hyrule

Über 30 Jahre und fast 20 Abenteuer später dürfen "The Legend of Zelda"-Spieler immer noch all diese Details erleben: die Prinzessin und den Bösewicht Ganon, Links Adoleszenz, das Triforce, die Höhlen, die Herzchen und die von besonderen Ereignissen kündenden Fanfaren.

Solche wiederkehrenden Elemente lassen den Spieler in jedem neuen "Zelda"-Titel nach Hause kommen, an die Gefühle anknüpfen, die er bei der allerersten Begegnung mit Link hatte - ob diese nun Anfang der Neunzigerjahre in "A Link to the Past" stattfand, 2000 in "Majora's Mask" oder erst Anfang dieses Jahrzehnts in "Skyward Sword".

Trotz der vielen Konstanten zeichnet die "Zelda"-Serie nicht Stillstand, sondern stetige Veränderung aus. Statt Links Geschichte Episode um Episode weiterzuerzählen, entwerfen die Entwickler immer wieder neue Handlungsstränge und alternative Historien für Hyrule.

Sie zeichnen Link mal als Knaben, mal als Teenager, mal als jungen Erwachsenen. Sie wechseln die Grafikperspektive und das Design, wandeln zwischen "Der Herr der Ringe"-Atmosphäre und Comic-Optik. Und sie rücken stets neue Elemente in den Fokus einzelner Titel: Zeitreise, Gestaltwandel, Musik oder - wie im jüngsten Teil - eine weite offene Spielwelt. Deren Schicksal ruht nun ein weiteres Mal auf den Schultern des Elfen. So wie das von Nintendos jüngster Konsole.

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insgesamt 14 Beiträge
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bronck 01.03.2017
1. Ganon vs. Ganondorf
Ganon ist die Bezeichnung für die dämonische Erscheinungsform von Ganondorf. Und Ganondorf ist der eigentliche Name des Hauptantagonisten.
a-deg 01.03.2017
2. Der Reiz dieser Spielreihe
war für mich immer die riesige Spielwelt, die sich erst nach und nach entdecken lässt, da jeder neu gefundene Ausrüstungsgegegenstand (Stiefel zum Springen, Kletterhaken, Kraftarmband zum Felsen schleppen) neue Wege und Abschnitte eröffnet, die man am Anfang nicht erreichen kann.
SethSteiner 01.03.2017
3. Voreingenommenheit
Rollenspiel des Jahres ist Torment: Tides of Numenera, die große Aufmerksamkeit bekommt aber Zelda. Warum? Weil Zelda der größere Name ist und von Nintendo ist. Man schaue nur auf das Mini NES, solche Dinge gibt es seit Jahren mit größeren Umfang und Möglichkeiten aber nur das Mini-NES wurde von der Presse beachtet und regelrecht hofiert. Nintendo hat einen Bonus, sowohl bei der Presse als auch bei den Spielern, vor allem aber dem harten Nintendokern. Die Zelda Reihe ist dabei wirklich nicht schlecht aber ihr Problem ist, dass Schwächen nicht angesprochen werden dürfen bzw. negiert werden. So wie es auch diesmal wieder der Fall ist. Die Konkurrenz im Rollenspielsektor ist Nintendo längst davongelaufen.
Msc 01.03.2017
4.
Zitat von SethSteinerRollenspiel des Jahres ist Torment: Tides of Numenera, die große Aufmerksamkeit bekommt aber Zelda. Warum? Weil Zelda der größere Name ist und von Nintendo ist. Man schaue nur auf das Mini NES, solche Dinge gibt es seit Jahren mit größeren Umfang und Möglichkeiten aber nur das Mini-NES wurde von der Presse beachtet und regelrecht hofiert. Nintendo hat einen Bonus, sowohl bei der Presse als auch bei den Spielern, vor allem aber dem harten Nintendokern. Die Zelda Reihe ist dabei wirklich nicht schlecht aber ihr Problem ist, dass Schwächen nicht angesprochen werden dürfen bzw. negiert werden. So wie es auch diesmal wieder der Fall ist. Die Konkurrenz im Rollenspielsektor ist Nintendo längst davongelaufen.
Warum vergleichen sie ein Rollenspiel mit einem Action-Adventure? Vergleichstitel für Zelda sind Tomb Raider, Uncharted, Horizon etc.
derjoey 01.03.2017
5.
Zitat von SethSteinerRollenspiel des Jahres ist Torment: Tides of Numenera, die große Aufmerksamkeit bekommt aber Zelda. Warum? Weil Zelda der größere Name ist und von Nintendo ist. Man schaue nur auf das Mini NES, solche Dinge gibt es seit Jahren mit größeren Umfang und Möglichkeiten aber nur das Mini-NES wurde von der Presse beachtet und regelrecht hofiert. Nintendo hat einen Bonus, sowohl bei der Presse als auch bei den Spielern, vor allem aber dem harten Nintendokern. Die Zelda Reihe ist dabei wirklich nicht schlecht aber ihr Problem ist, dass Schwächen nicht angesprochen werden dürfen bzw. negiert werden. So wie es auch diesmal wieder der Fall ist. Die Konkurrenz im Rollenspielsektor ist Nintendo längst davongelaufen.
Der Artikel beschäftigt sich halt mit der Zelda-Reihe, weil es sie so lange gibt und viele Spiele in ihrem Universum vorhanden sind. Nirgendwo wird gesagt, dass es die beste oder erfolgreichste Reihe aller Zeiten ist, oder dass das neueste Spiel ein absoluter Überflieger ist/wird. Stattdessen geht es hier eher um Nostalgie. Ähnliche Rückblicke zu Spielreihen mit großem vergangenen und gegenwärtigen Einfluss werden immer wieder gemacht, bspw. zu Tomb Raider, Mario, Resident Evil, ...
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