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"The Town Of Light": Ort des Schreckens

Von

"The Town Of Light": Verfallener Ort des Schreckens Fotos
LKA

Rostige Geländer, verwitterte Wände, achtlos umgeworfene Krankenbetten: "The Town Of Light" spielt in einer Psychiatrie, die aus einem Horrorspiel stammen könnte - und ist selbst noch viel fürchterlicher.

Das Ospedale Psichiatrico di Volterra ist ein Ort des Schreckens, etwas mehr als eine Stunde von Florenz entfernt. Es ist eine psychiatrische Klinik, die als Reformmodell Ende des 19. Jahrhunderts gestartet war und dann aufgrund schlechter Bedingungen für Ärzte und Pfleger zu einem fürchterlichen Ort für die Patienten geworden ist.

An diesem real existierenden Ort spielt "The Town of Light". Das Spiel erzählt auch von wahren Begebenheiten, von Misshandlungen in psychiatrischen Krankenhäusern, vom Horror in einer italienischen Psychiatrie Mitte des letzten Jahrhunderts. Stellvertretend für viele Opfer erzählt es von der 16-jährigen Renée, einer fiktiven Figur, die 1938 in eine Psychiatrie eingewiesen wurde.

Das Krankenhaus verfällt langsam, doch im Spiel kehr Renée in diese Ruinen zurück. Sie wandelt durch die von den Entwicklern sorgfältig nachgebaute Architektur und findet Gegenstände, die Erinnerungen auslösen. Diese werden im Gegensatz zu den realistischen Bildern des Spiels über wie von Hand gekritzelte Skizzen erzählt.

"The Town Of Light" wurde von einem kleinen italienischen Entwicklerstudio in Florenz entwickelt. Es ist ein Erkundungsspiel, in dem Action keinen Platz hat und Fragen hauptsächlich im Kopf der Spieler gestellt werden. Es steht in der Tradition von "Dear Esther" oder "Gone Home" und ist damit ein Spiel, in dem durch die Erkundung einer Gegend eine Geschichte erzählt wird. In diesem Fall eine tragische, eine fürchterliche.

Man will einfach aufhören

"The Town Of Light" ist ein Spiel, das vieles neu macht und das es Spielern sehr schwer macht. Auch, weil es technisch nicht immer auf der Höhe der Zeit ist und es einige Fehler hat. Doch schwer ist es vor allem wegen des Inhalts. Beim Spielen kommt kein wohliges Gruseln auf, weil man es mal wieder mit irgendwelchen Monstern zu tun hat.

"The Town Of Light" setzt seine Erzählung aus Geschichten zusammen, die aus Untersuchungsberichten und Schilderungen von ehemaligen Insassen der Klinik entnommen sind. Es zeigt, wie ausgeliefert man sein konnte, wenn man in eine solche Institution geriet. Wie fürchterlich, wie zerstörend es sein kann, an einem Ort zu landen, wo Menschen wegen einer Mischung aus Überforderung, Mangel, falschem Effizienzdenken und Fahrlässigkeit misshandelt wurden.

In "The Town Of Light" geht es um Isolation, um Flucht in die eigene Welt, um Hoffnungslosigkeit. Mitleid kommt in dieser Welt nicht vor. Immer wieder möchte man in "The Town Of Light" nicht weitergehen, möchte man einfach aufhören.

Es ist schwer zu ertragen, im Spiel zu erfahren, wie Renée misshandelt wird, wie sie gequält und sexuell bedrängt wird, wenn man gleichzeitig weiß, dass diese Handlung des Spiels auf einer wahren Geschichte basiert. Das Spiel ist keine grausame Fiktion. Es ist die Vergangenheit, die grausam ist. Und gleichzeitig ahnt man, dass diese Vergangenheit an vielen Orten noch Gegenwart ist.


"The Town Of Light" von LKA, Download für PC, 18,99 Euro; www.thetownoflight.com

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