"This War of Mine - The Little Ones" angespielt Mit Kindern den Krieg überleben

In vielen Videospielen erlebt man Kriege aus der Perspektive von Soldaten. Die Simulation "This War of Mine" macht es anders: Hier versuchen Zivilisten, zu überleben. In der neuen Konsolenfassung kommen sogar Kinder vor.

Von

Deep Silver

Es dauert viel zu lange, bis sich eine meiner drei Spielfiguren durch einen Berg Geröll gearbeitet hat - eine Schaufel muss her. Dafür brauche ich Material, das ich beim weiteren Durchwühlen des Hauses finde. Als nächstes fehlt ein Dietrich, um Schlösser zu öffnen. Er wird hergestellt. Und dann wird es Nacht und ich muss raus: Vorräte suchen, damit wir überleben.

"This War of Mine" war einer der Kritikerlieblinge des vergangenen Jahres, das Spiel wurde mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet. Es basiert auf den Ereignissen bei der Belagerung von Sarajevo im Bosnienkrieg. Das Besondere: Es zeigt den Krieg aus der Perspektive der Bevölkerung. Den Krieg schildert das Spiel nicht heroisch, sondern als Kampf ums Überleben - mit allen Bösartigkeiten, die dabei vorkommen: "This War of Mine" zeigt, wie sich Menschen verhalten, denen die Grundlagen des Lebens genommen werden.

"The Little Ones" ist nun eine neue Umsetzung des Spiels für Playstation 4 und Xbox One, bei der der Fokus auf der Rolle von Kindern liegt. Man muss sie schützen, kann ihnen beibringen, leichte Tätigkeiten zu verrichten und so die Verwaltung der Basis etwas erleichtern.

Das immer wieder sperrige und wenig intuitive Spielprinzip ist dabei die Verwaltung einer kleinen Gruppe von Überlebenden. Es gilt, Nahrung, Medizin und Feuerholz zu organisieren, im Tausch oder durch Missionen, für die einzelne Figuren ihr Leben riskieren. Entweder sie kommen mit Ressourcen zurück oder gar nicht. Immer wieder scheitert man aber nicht unbedingt am Spiel, sondern an der Steuerung, weil schon eine leicht unsichere Bewegung des Controller-Sticks die Figur eine Leiter hinunterschickt, die sie nicht hätte gehen sollen.

"This War Of Mine" ist auch auf den Konsolen ein düsteres Spiel und größtenteils in Schwarzweiß gehalten. Es lässt kaum Lichtblicke zu, wird eigentlich immer schlimmer, je länger man es spielt.

Und doch schafft "The Little Ones" eines nicht: Seine Botschaft so zu transportieren, dass sie berührt. Die Protagonisten bleiben zu schwach, auch die Kinder sind mehr Spielfiguren als Charaktere. Auch bei ihnen bleibt nur: Der Tod berührt nicht, obwohl doch alle richtigen Fragen gestellt werden, und sich alle - vielleicht zu viel - Mühe gegeben wird, die Sinnlosigkeit des Krieges anzuprangern. "The Little Ones" scheitert am erhobenen Zeigefinger, und dem Fehlen des eigenen Erlebens.


"This War Of Mine: The Little Ones" von Deep Silver, für Playstation 4 und Xbox One, circa 30 Euro; USK: Ab 12 Jahren

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insgesamt 4 Beiträge
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prendergast 27.01.2016
1. Spielfiguren anstatt charaktere
Schade das the little ones nicht durch echte charaktere überzeugen kann. Aber sind wir letztendlich nicht alle nur spielfiguren?
meykota 27.01.2016
2.
Hmmm, bin mal gespannt. Ich fand die Charaktere selbst nie besonders gut inszeniert, habe mich jedoch selbst in die Situation hineingedacht, was mich sehr viel mehr mit den Charakteren verbunden hat, als jede Beschreibung. Ich mach mir jedoch selbst ein Bild, unsere Version für die PS4 kam heute an.
cededa 27.01.2016
3. Vielleicht nicht genug Empathie
auf Seiten des Rezensenten. Ich fühle sogar mit meinen erwachsenen Zivilisten mit und versuche, sie am Leben zu erhalten. Die PC-Steuerung scheint glücklicherweise etwas besser zu sein als bei der Konsole. Unintuitiv? Kann ich nicht nachvollziehen. Ist doch total logisch.
carrion 27.01.2016
4. Das Ergebnis der Rezension war absehbar
Wer bitte setzt Casual Carsten immer diese komplizierten Spiele vor?
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