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02. Januar 2012, 11:03 Uhr

Tiere vs. Computerspiele

Froschzunge auf Touchscreen

Von Felix Knoke

Papagei am iPad, Frosch am Android-Handy: Können Tiere am Bildschirm spielen? Bisweilen sieht es zumindest so aus. Eine Webvideo-Schau der spektakulärsten Spieltiere.

Schon seit Jahrzehnten setzt die Tierforschung Schimpansen, Schweine und Hunde vor die Labor-Joysticks und lässt sie gegen Leckerli Bildschirmaufgaben lösen - im Fall Schimpanse mal mehr, im Fall Hund mal weniger erfolgreich. Wer bei YouTube danach sucht, wird Dokumentarfilme aus vergangenen Jahrzehnten finden.

Doch die Videoseite sammelt immer mehr Hinweise an, wonach auch weitaus einfachere Arten als Mensch und Schimpanse den Zeitvertreib am Bildschirm suchen. Allen voran den - eh für ihren Spieltrieb bekannten - Katzen scheinen es Bildschirmspiele angetan zu haben.

Die Videos der iPad-Katze Iggy sind längst berühmt. Angeregt durch ihre Videos, setzten wohl immer mehr Katzenhalter ihren Liebsten einen Touch-Bildschirm vor die Stupsnase - offenbar mit so großem Erfolg, dass ein App-Entwickler die Chance ergriff und seitdem iPad-Spiele nur für Katzen entwirft.

Diese Spiele sind so gestaltet, dass sie auch zwischenartliche und gemeinsame Betätigung auf dem iPad erlauben - zum Beispiel Katz gegen Katz.

Dass das auch tatsächlich wünschenswert ist, zumindest für die Halter, ist schnell erklärt: Computerspielende Katzen sind furchterregend niedlich, wie diese Facebook-Gruppe beweist.

Dank berührungsempfindlicher Bildschirme haben Tiere das erste Mal die Möglichkeit, ohne Verstehen einer Abstraktionsebene mit der Computerwelt zu interagieren.

Aber ist das nun Spielen? Natürlich: Es dient keinem unmittelbaren Zweck und ist konzeptuell nicht von einem wirklichen Spiel zu unterscheiden. Wo ist der Unterschied, ob ein Katzenjunges einen simulierten Laserpointer-Punkt auf dem iPad oder einen echten auf dem Boden verfolgt? Oder ob ein Hund einem projizierten Ball oder einem echten nacheilt?

Verwirrter Skateboard-Hund, wohin?

Schwieriger wird da schon die Frage, ob etwa dieser Skateboard-Hund vor Fernseher und Spielkonsole tatsächlich spielt oder einfach nur verwirrt ist. Klar ist: Das Spielgeschehen auf dem Bildschirm wird von den Jungs im Hintergrund gesteuert (man schaue sich nur die letzte Szene des Videos an). Vielleicht hat der Hund den Eindruck: Ich bin es, der hier mit einem Skateboard durch die Gegend rast. Und wenn es so ist - geht es Menschen im Spielrausch nicht hin und wieder ähnlich?

Bei Reptilien verschwimmt die Grenze zwischen Ernst und Spiel: Wenn diese Bartagame oder jener afrikanische Ochsenfrosch Jagd auf iPhone-Ameisen machen (und im Fall des Froschs auch auf leckere Daumen), dann tun sie's sicherlich nur aus Hunger und Reflex. Aber was tut eigentlich ein Mensch, der sich zu einer Runde "Tower Defense" auf dem Sofa verschanzt oder bei "Angry Birds" Tiere aufeinander hetzt? Er versucht dabei - mehr oder weniger sublimiert - ja auch nur seinen Endorphin- und Dopaminhunger zu stillen.

Wer hat hier Macht über wen?

Genau so wenig, wie wir verstehen, was im Inneren eines iPhones wirklich abläuft, verstehen Hund, Katze (oder dieser liebenswürdige Papagei) was da gerade unter ihren Krallen passiert. Sie verstehen nur: Es reagiert auf mich, ich habe eine gewisse Macht über es - und es erinnert mich gerade an einen Snack.

Wie man es auch wendet: Wir sollten keinen Keil zwischen Mensch und Tier und Tier und Tier treiben, sondern - gemeinsam auf dem Sofa sitzend - in Richtung Zukunft, also auf den Bildschirm blicken und die Möglichkeiten des zwischenartlichen Ballwechsels erproben.

Hund vor Konsole, Bartagame am Android-Handy: die schönsten Videos spielender Tiere.

Zwei Katzen, ein iPad

Katze verfolgt Laserpointer - auf dem iPad

Flacher Ball verwirrt Hund

Der Skateboard-Hund

Bartagame jagt Touchscreen-Tiere

Ochsenfrosch fängt Android-Ameisen

Papagei probiert ein Katzenspiel aus

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