"Transference" im Test Gefangen im Netzwerk

Ein Spiel, drei Perspektiven: "Transference" erzählt, wie es ist, in einem Computer gefangen zu sein. Dabei lotet es menschliche Abgründe aus - und ist ein beklemmender Kommentar auf die Zukunft.

Ubisoft

Spoiler-Hinweis: Diese Rezension verrät grob, worum es im Spiel geht.

Das neue Videospiel "Transference" bringt zwei Kreativwelten zusammen: Entstanden ist es aus einer Kooperation des französischen Games-Herstellers Ubisoft mit Spectrevision, das ist die auf Horrorfilme spezialisierte Produktionsfirma von "Herr der Ringe"-Star Elijah Wood.

Ursprünglich als reines Virtual-Reality-Erlebnis angekündigt, läuft das Spiel nun auch ohne entsprechende Brille, wenngleich die klaustrophobische Atmosphäre darunter etwas leidet. Und die ist wichtig, schließlich ist "Transference" ein Thriller in Form eines Spiels, das nach und nach immer dichter, immer düsterer wird, was unter der Brille stellenweise kaum auszuhalten ist.

Das Spiel erzählt von einem Vater, der seine Familie für Experimente missbraucht und der das Bewusstsein seiner Frau und seines Sohnes in einen Computer transferiert, sein eigenes natürlich auch. In diesem Computer geht etwas schief. Erinnerungen fehlen, schwarze Löcher entstehen, Gedanken werden falsch dargestellt, Wesen tauchen auf und verschwinden wieder. Jeder der drei will dem Albtraum entkommen.

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Auf der Suche nach dem ewigen Leben

Das ist anfangs schwer zu verstehen. Fragmente einer Wohnung sind sichtbar, die Perspektiven der Protagonisten wechseln sich ab. Es gibt die kindliche Sicht auf eine Wohnung, in der Spielzeug und Kuchen am wichtigsten ist. Die Frau, für die jede Tür eine Gefängnistür ist und deren Musikleidenschaft in verschlossenen Instrumenten und Schränken verborgen liegt. Der Vater, dessen Blick nur noch Computer, Kabel und wissenschaftliche Instrumente einfängt. Sie alle sind gefangen in ihrer Welt, nur die Spieler können zwischen ihnen wechseln.

Mit dem Druck auf einen Lichtschalter wird man Kind oder Frau, sucht nach Hinweisen, versucht Rätsel zu lösen, die teilweise nur dann gelöst werden können, wenn man die Wohnung aus verschiedenen Perspektiven anschaut und zwischen den Protagonisten umherspringt. Jedes gelöste Rätsel öffnet neue Räume, schließt andere Bereiche ab.

Langsam setzt sich aus Fragmenten aus Radiosendungen, aus Urkunden, Büchern oder Klaviertönen eine fesselnde Geschichte zusammen. Langsam werden die Ängste immer deutlicher, die Gedanken der Protagonisten beklemmender. Und man sorgt sich immer mehr um die Auflösung des Ganzen, die Katastrophe, die folgen muss, wenn man auf der Suche nach dem ewigen Leben ist.

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Mehr ein Experiment als ein ausgereiftes Spiel

"Transference" macht dabei nicht alles richtig. Anfangs etwa fühlt man sich etwas allein gelassen und die Steuerung, gerade beim Manipulieren von Gegenständen, ist recht unklar. Dafür funktioniert das Steuern der Figuren auch im Virtual-Reality-Modus gut, von Bildsprüngen beim Richtungswechsel abgesehen: Die sind gewöhnungsbedürftig für den Magen.

Flüssiger ist das alles im normalen Modus, in den man immer wieder umschaltet, weil die Virtual-Reality-Erfahrung zu intensiv wird, weil man sich erholen möchte. Allgemein gilt noch: Die Lösung vieler Rätsel liegt nahe, ist allerdings nicht immer ganz logisch.

"Transference" fühlt sich so mehr an wie ein Experiment als wie ein durchweg ausgereiftes Spiel - was allerdings auch daran liegt, dass es Vergleichbares kaum gibt. Doch genau das macht seinen Charme aus, genau das lässt einen weiter vordringen in die Geschichte, lässt einen experimentieren und die dichte Atmosphäre genießen.

Letztlich freut man sich, das mit "Transference" ein Spiel erschienen ist, das intelligent und mutig ist und das es dem Spieler vor allem zutraut, sich einen eigenen Reim auf Geschehen zu machen.


Transference" von Ubisoft, für PSVR, Oculus, HTC Vive als VR-Version, für Xbox One und PC ohne VR, ca. 25 Euro; USK: Ab 16 Jahren



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