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Begehrte Videoseite Twitch: Das Spielen der Anderen

Von und Niklas Weith

Populärer Videodienst: Was das Besondere an Twitch ist Fotos
AP/ Riot Games

Auf Twitch kann man zusehen und diskutieren, während andere Nutzer Videospiele spielen. Eine Milliarde Dollar könnte Google die Seite samt Community wert sein. Warum eigentlich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit einem Klick direkt ins Spiel: Auf der Videoseite Twitch kann man sich live zuschalten und anderen beim Spielen zusehen, zum Beispiel beim neuen Ego-Shooter "Wolfenstein: The New Order". Der Spieler, der stellvertretend fürs Publikum einen Roboterhund niedermetzelt, ist rechts oben im Videofenster zu sehen - ein bärtiger Mann mit Kopfhörern, der am Computer sitzt. Mehr als 3400 Zuschauer sind dabei, einige unterhalten sich im Chat. "Nice", kommentiert einer.

Innerhalb von drei Jahren ist Twitch mit solchen Videoübertragungen groß geworden. Rund 45 Millionen Besucher zählt die Seite im Monat. Nun soll Google Interesse an einer Übernahme haben. Was reizt Google an Twitch, warum spielt der Konzern mit dem Gedanken, eine Milliarde Dollar zu investieren? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Twitch und geben einen Einblick in die Spielvideoszene.

1. Warum ist Twitch bei Spielefans so angesagt?

Bei Twitch können Zuschauer mit wenig Aufwand auch selbst senden: Dazu muss man am PC nur eine kostenlose Software installieren, schon werden die eigenen Spielpartien live übertragen. Auch die neuen Konsolen Xbox One und Playstation 4 unterstützen Twitch. Seit dem Start des Dienstes im Jahr 2011 hat sich die Twitch-Szene so stark professionalisiert, dass einige der Sendungen aus richtigen Studios kommen. Einige E-Sport-Organisationen verdienen Geld damit, dass sie ihre Spielturniere per Twitch übertragen.

Eine Chat-Funktion ermöglicht den direkten Austausch zwischen Zuschauern, Gamern und Moderatoren. Auch diese Interaktion führt dazu, dass die Übertragungen mancher Profispieler über 50.000 Zuschauer gleichzeitig haben. Bei Turnier-Streams schauen auch mal 300.000 Fans zu.

Für die Zuschauer sind die Profi-Spieler nahbar, aber trotzdem Stars: Ihr Spielstil, ihre Persönlichkeit, ihre Erfolge machen sie populär. Zu den angesagtesten Videospielen zählen auf Twitch zum Beispiel die Team-Strategiespiele "League of Legends" und "Dota 2" und das digitale Kartenspiel "Hearthstone".

2. Auf YouTube gibt es ebenfalls Millionen Spielevideos - was ist an Twitch so besonders?

Beide Videoplattformen werden zur Verbreitung von Spielmitschnitten genutzt. YouTube kann man sich dabei allerdings eher als Mediathek vorstellen. Twitch ist dagegen ein Livekanal: Wer die Seite besucht, kann sofort Spielern aus aller Welt beim Spielen zuschauen. So wird Twitch zum Beispiel genutzt, um E-Sport-Wettkämpfe live zu übertragen - einzelne Spiele davon werden später bei YouTube als Video-on-Demand angeboten.

Durch den Live-Faktor gewinnen viele Twitch-Videos an Reiz: Anders als bei YouTube kann man nicht vorab in den Kommentaren lesen, welches Team gewinnen wird. Vieles ist improvisiert, spontan und wird ungeschnitten übertragen.

Für ein solches Erlebnis sind manche Zuschauer sogar bereit, Geld auszugeben: Wer möchte, kann sich bei Twitch durch Kanal-Abonnements Zusatzoptionen freischalten, etwa eine höhere Auflösung oder die Möglichkeit, bestimmte Emoticons im Chat zu verwenden.

3. Wie reagieren die Twitch-Nutzer auf die Übernahmegerüchte?

Greift ein Tech-Riese nach einem Start-up, das sich bereits eine Fangemeinde aufgebaut hat, folgt fast immer ein Aufschrei. "Fuck Facebook", schrieben Fans der Datenbrille Oculus Rift, als das zugehörige Unternehmen im März von Facebook gekauft wurde. Als im Frühjahr 2012 der Fotodienst Instagram aufgekauft wurde, posteten viele Nutzer komplett schwarze Fotos - mit dem Hashtag #blackstagram. Und als die Blogplattform Tumblr 2013 an Yahoo ging, versprach der US-Konzern vorsichtshalber sofort, es "nicht zu versauen".

Bei Twitch ist die Situation ähnlich. Schon jetzt werfen Nutzer den Plattformbetreibern Verrat vor, andere fürchten, eine Übernahme durch Google könnte zu einer stärkeren Regulierung führen. Im Vergleich zu Googles Videoseite YouTube habe Twitch "deutlich weniger Beschränkungen", sagt etwa Matt Lees, ein Londoner Spielejournalist, der selbst Videos bei Twitch einstellt.

Während bei YouTube ein automatisiertes Copyright-System greift, sei Twitch "Wilder Westen". Deutsche Nutzer sind vor allem besorgt, dass die Musik, die in vielen Twitch-Videos vorkommt, zu Videosperrungen führen könnte, wie man sie von YouTube kennt.

Andere Nutzer dagegen raten zur Gelassenheit: "Wie können sie Verrat begehen?", fragt ein Facebook-Nutzer, der den Deal wohl schon für vollzogen hält: "Sie sind noch immer ein Videostreaming-Service und wurden von einem Videoverbreitungsdienst gekauft."

4. Was sind die bekanntesten Twitch-Kanäle?

Der ehemalige "Warcraft 3"-Profi Dennis "TaKe" Gehlen ist mit "TaKe-TV" einer der populärsten deutschen Streamer. Aus einer zum Studio ummodelierten Wohnung in Krefeld übertragen Gehlen und sein Team Partien aus "Starcraft 2", "Hearthstone" und "League of Legends". Immer wieder finden bei Gehlen daheim auch Turniere statt. Zu den beliebtesten internationalen Angeboten zählen die Kanäle von Profi-Gamern wie "Dendi", der "Dota 2" spielt, und "TheOddOne", der sich "League of Legends" widmet.

Auf Twitch finden sich aber auch abseits großer Namen interessante Live-Übertragungen. Anfang des Jahres machte der Kanal "Twitch Plays Pokemon" weltweit Schlagzeilen: Dort hatten Zehntausende Spieler gleichzeitig die Chance, eine "Pokemon"-Partie zu beeinflussen.

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1. ...
Fusselkopf 20.05.2014
Ich spiele viel und gerne, aber was ich immernoch nicht verstehen kann ist der enorme Andrang von Menschen an Let's Plays auf youtube oder eben Twitch..
2.
krayt 20.05.2014
solange twitch nicht mit g+ vernetzt wird, hat es vielleicht eine chance. sollte Google etwas an der Verfügbarkeit der streams ändern oder die Kopplung einführen, werden auch die Spieler abwandern.
3.
u.lose 20.05.2014
Zitat von FusselkopfIch spiele viel und gerne, aber was ich immernoch nicht verstehen kann ist der enorme Andrang von Menschen an Let's Plays auf youtube oder eben Twitch..
Nun ja ich z.B. schaue gerne Lirik auf Twitch an und kann in der Zeit andere Dinge am PC erledigen. Dieser Streamer ist einfach lustig und für nebenbei Gedudel reicht es alle male. Gibt aber noch die anderen Zuschauer, die die sich unterhalten oder Diskutieren oder meisten einfach nur Quatsch reden. Ich blende den Chat meistens eh aus. Viele dieser Zuschauer sind auch regelrechte Stalker, was beim zuschauen schon recht nerven kann. So ist es halt wenn man ein populärer Streamer ist. Und Geld verdient er durch Twitch wie Heu. Was da an "Spenden" rein fliegen ist der Wahnsinn...
4. @ Fusselkopf
freyhajt 20.05.2014
ich bin auch Zocker und gucke mittlereweile gerne in Twitch (alternativ auch den PS4-integrierten channel) an um mir eine Meinung von Spielen zu machen. In Zeiten wo nahezu jedes Magazin, jede Plattform online käuflich ist, kann ich Reviews allein nicht mehr trauen. Ich lese also dennoch Reviews und Rezensionen, aber bei Interesse gucke ich vorher nochmal bei Twitch etc nach, um mir ein eigenes Bild zu machen.
5. Mal schauen
alpha2100 20.05.2014
Zitat von FusselkopfIch spiele viel und gerne, aber was ich immernoch nicht verstehen kann ist der enorme Andrang von Menschen an Let's Plays auf youtube oder eben Twitch..
Das liegt daran das viele leute entweder kein geld für die benötigte Plattform oder das jeweilige Spiel ausgeben wollen. Beispiel Heavy Rain, das von der Storyline den meisten Filmen überlegen ist gab es nur für die PS3. Nicht jeder hat aber Interesse daran sich eine PS3 oder ähnlichens zu holen. Ich glaube es ist ganz gut das google twitch kauft.....villeicht kriegt man endlich mal mehr kostenlose ruckelfreie Streams in guter Qualität rein. Wahrscheinlich plant google auch daran das Fernsehen der Zukunft zu testen (im Hinblick auf die Kommunikation zwischen den Zuschauern)
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