"Unravel" angespielt Verheddert in der Idylle

Lasso werfen und Knoten knüpfen: In "Unravel" streunt ein Wesen aus einem Wollknäuel durch eine liebevoll gestaltete Spielelandschaft. Richtig mitreißend ist die Erzählung leider nicht.

Electronic Arts

Yarny wirft einen Wollfaden wie ein Lasso, hängt sich an einen Ast ran, zieht sich langsam an dem Faden hoch. Er knotet ihn fest, schwingt sich zu einem anderen Ast, knotet den Faden auch dort fest und katapultiert sich dann von dem gespannten Faden aus noch weiter nach oben. Den Faden holt er aus sich selbst heraus. Yarny ist ein kleines Wollwesen und die Hauptfigur von "Unravel".

"Unravel" ist ein Spiel des kleinen schwedischen Entwicklerstudios Coldwood, veröffentlicht mithilfe von Electronic Arts. Das Download-Spiel wurde letztes Jahr zur Videospielmesse E3 in Los Angeles erstmals vorgestellt und vorab sehr gelobt. In Erinnerung blieb nicht nur der zum Maskottchen geeignete Yarny, sondern auch der etwas unbeholfene und schüchterne Auftritt des Chefentwicklers von "Unravel", ein liebenswerter Gegenpol zu den sonst so durchgestylten Auftritten.

"Unravel" ist charmant. Es erinnert an Spiele wie "Little Big Planet" oder "Yoshi's Wooly World" und man merkt ihm an, dass sehr viel Herzblut in die Entwicklung geflossen sein muss. Die Grafik ist voller Motive, die als typisch schwedisch gelten, von rot gestrichenen Häusern über den lichten Sommerwald bis hin zu weißen Schneelandschaften. Yarny bewegt sich flink und gut, sieht niedlich aus, wenn er sich durch die Level bewegt. Ich möchte ihn gernhaben, möchte das Spiel mögen. Aber es gelingt mir nicht.

Niedliche Hauptfigur ohne Tiefgang

Ich verstehe zwar, dass Yarny irgendetwas mit den Erinnerungen einer alten Frau zu tun hat, die am Anfang das Wollknäuel verloren hat, aus dem er sich gebildet hat. Ich verstehe, dass er durch verblichene Fotos springt, sie wieder ansehnlich macht, damit Erinnerungen wiederbringt und vielleicht noch dunkle Seiten im Leben der Frau aufdeckt.

Aber es lässt mich kalt, kann mich nicht in seinen Bann ziehen. Geschichte und Spiel fügen sich nicht ineinander, bilden keine Einheit. Und auch das Gameplay verliert recht schnell an Fahrt. Die meisten Variationen hat man schon am Anfang gesehen. Laufen, Lasso werfen, springen, knoten, Gegenstände verschieben. Viel mehr ist es nicht.

"Unravel" ist ein Spiel, das vor allem auf seine Niedlichkeit und seine charmante Hauptfigur zu setzen scheint. Es ist ein Spiel, das Tiefgang haben möchte, das Kunst sein will. Und doch bei gut gemachtem Kunsthandwerk stehen bleibt.


"Unravel" von Electronic Arts, Download für Playstation 4, Xbox One und PC, www.unravelgame.com, ca. 20 Euro; USK: Ab 6 Jahren

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
cor 15.02.2016
1. EA suxx
Auch wenn das Spiel ganze nett aussieht: 20€ für ca 6 Stunden Spielspass ist einfach lachhaft.
mbehrens 15.02.2016
2. Stubenzocker.net
Wie lustig, ich hab gestern fast genau dasselbe geschrieben. :-)
acct23 15.02.2016
3.
Zitat von corAuch wenn das Spiel ganze nett aussieht: 20€ für ca 6 Stunden Spielspass ist einfach lachhaft.
Da bin ich nicht ganz sicher, ob ich zustimme, denn ich finde, es kommt auch auf dran, wie GUT diese sechs Stunden sind. Wenn das Spiel wirklich in Erinnerung bleibt, die sechs Stunden Spielzeit intensiv sind, dann könnte es dann dennoch wert sein. Denn wenn ein Spiel zwar für 20 EUR meinetwegen 60 Spielstunden bietet, diese aber nicht sonderlich spannend oder erinnerungswürdig sind, ist fraglich, ob da der Preis gerechtfertigter ist. Ein Beispiel: Xcom2 habe ich in ca. 20 Stunden durchgespielt, das Spiel hat beim Release 50 oder 60 EUR gekostet. Dennoch hat das Spielen so viel Spaß gemacht, dass ich den Preis ok fand! Gleiches gilt für Mass Effect 1... das habe ich erst letztes Jahr für mich entdeckt (das und ME 2 und 3). ME1 hatte ich in acht Stunden durch, hatte 10 EUR bezahlt und war zufrieden, da ich die Story so großartig fand (ME2 und 3 haben länger gedauert, waren teurer, aber dennoch war ich sehr zufrieden). Gleichzeitig - letzte Woche kam Firewatch raus. Kostet bei Steam 20 EUR und ist in 4 (!) Stunden durchspielbar, wie ich jetzt mehrfach gelesen habe. Da wiederum komme auch ich an eine Grenze, wobei ich dennoch sehr viele positive Reviews gelesen habe, wo gesagt wird "Sehr kurz, aber bleibt sehr im Gedächtnis!" UNd man sollte Replay-Wert nicht vergessen - klar gibt es Spiele, die man schnell beenden kann, aber was, wenn das Spiel so viel Spaß macht, dass man gerne mehrmals spielt? Auf den ersten Blick mögen sechs Stunden dann nicht viel sein, aber wenn ich ein Spiel gerne 2-4 mal spiele, jedesmal mit anderem "Weg", anderer Spielweise (Fähigkeiten, die man wählt), Entscheidungen, die man trifft (z.B. Witcher 3), dann summiert sich das schon. Finde also: Qualität über Quantität, aber die Story/das Spiel müssen schon ECHT gut sein, um geringe Spiellänge bei hohem Preis zu rechtfertigen. Stimme also zwar grundsätzlich zu, aber unter Vorbehalt =)
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