Videospiel-Marktanlayse: Microsoft hat "aggressive Ziele" für Europa

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Microsofts Xbox hat es in Deutschland nicht leicht. Manche Blockbuster-Spiele für die Konsole sind zu brutal für den hiesigen Jugendschutz, das Action-Image der Konsole hält Käufer fern. Nun hofft man hierzulande auf Besserung - doch gerade jetzt verkauft sich Sonys Konkurrenzkonsole bestens.

Games-Messe: Fuchtel-Steuerung, Ethnokitsch und eine neue Konsole Fotos
AFP

Cliff Bleszinski kennen in Deutschland nur wenige Eingeweihte. Als der Spieleentwickler jedoch vergangene Woche die Bühne der Microsoft-Pressekonferenz bei der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles betrat, brach das Publikum in Jubel aus. In den USA ist Bleszinski ein Star - denn sein Studio Epic Games produziert mit der "Gears of War"-Serie einen Mega-Blockbuster nach dem anderen. Sogar in Japan verkaufen sich die Titel, in denen stets voluminöse Sci-Fi-Marines gegen vielgestaltige Alien-Monster kämpfen. Eine ihrer Waffen dabei ist ein Gewehr mit einem sehr speziellen Bajonett, einer mit dem Lauf verbundenen Kettensäge, mit der sich Gegner im Nahkampf entzweisäbeln lassen. So etwas mag der deutsche Jugendschutz gar nicht - "Gears of War" kam hierzulande deshalb erst gar nicht erst auf den Markt, und auch der dritte Teil der Serie wird deutschen Gamern nicht als legal verkäufliches Produkt zugänglich sein.

Für Oliver Kaltner, bei Micorosoft fürs deutsche Geschäft mit der Xbox 360 zuständig, ist das Beispiel "Gears of War" Teil seines Problems: Die Xbox 360 hat ein - in den USA sehr erfolgreiches - Action-Image. Die überwiegend jungen, männlichen Spieler lieben Shooter, warten sehnsüchtig auf Spiele mit Online-Multiplayer-Möglichkeiten. Doch einige Toptitel werden in Deutschland eben gar nicht erst vertrieben, andere verkaufen sich hierzulande nicht ganz so gut wie in anderen Märkten.

Jetzt aber soll sich das Image der Konsole ändern, und Kaltner hofft auch auf Unterstützung aus dem eigenen Haus. Wenn die neue, kleinere, leisere Xbox kommt und die Bewegungssteuerung namens Kinect, soll sich das Xbox-Image in Deutschland ändern. "Das Geräusch war natürlich auch ein zentrales Thema", erklärte Kaltner im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Ebenso wichtig sei aber die Positionierung der Xbox 360 als familien- und wohnzimmertaugliche Konsole, als sozialer Knotenpunkt.

Auf dem Weltmarkt liegt Nintendo weiter weit vorne

Mit farbenfrohen bis kindgerechten Titeln wie "Kinectimals" (einer Art "Nintendogs" für den Wohnzimmerfernseher) und "Kinect Adventures" will Microsoft der auch hierzulande extrem erfolgreichen Nintendo-Konsole Wii Marktanteile abnehmen. Im Moment ist die Xbox 360 hier die Nummer drei hinter Wii und Playstation 3 - in Wahrheit wohl sogar die Nummer vier, wenn man Sonys Playstation 2 mitzählt, die immer noch in vielen Haushalten steht und für die sich Partytitel wie "SingStar" und "Buzz" immer noch verkaufen.

Im weltweiten Vergleich sieht die Sache anders aus: Mit 71,6 Millionen verkauften Exemplaren liegt Nintendos Wii auf dem Weltmarkt weiterhin unangefochten vorn. Dem Branchendienst VGChartz zufolge hat Microsoft bislang gut 40 Millionen Xbox-360-Konsolen verkauft, Sony aber nur gut 35 Millionen PS3s. Die PS3 verkauft sich derzeit jedoch sowohl weltweit als auch in Europa besser als die Xbox 360. Sony holt also auf, wohl nicht zuletzt, weil der integrierte Blu-ray-Player der Konsole mit wachsendem Angebot im HD-Format auch für Mainstream-Käufer interessanter wird.

"Aggressive Ziele für Europa"

Sein nächstes Ziel sei aber, hierzulande auf Platz zwei zu kommen, sagt Microsoft-Manager Oliver Kaltner, und dazu hofft er auch auf Unterstützung aus dem Mutterhaus. Um die neue Hardware dürfte es innerhalb des Konzerns zu Beginn erst einmal Verteilungskämpfe geben, Kaltner hofft auf ordentliche Stückzahlen, um am deutschen Markt Boden gutzumachen. Xbox-Europachef Chris Lewis verriet dem Branchendienst "Gamesindustry.biz", es gebe verstärkten Druck aus den USA, im europäischen Markt mit dem aufpolierten System zu reüssieren. Xbox-Chef Don Mattrick sei "nicht zurückhaltend, was aggressive Ziele für Europa angeht, weil er weiß, dass wir jetzt mehr als je zuvor die richtigen Angebote für unser Publikum hier haben." Die Konsole sei gerade erst "in der Mitte ihres Lebenszyklus angekommen", man habe "weitere fünf Jahre mit dieser Generation" vor sich. Dazu aber braucht man zusätzliche Marktsegmente.

Das neue Image der Familienkonsole soll auch die Videochat-Funktion befördern, die Kinect mitbringt: Bildtelefonie von Sofa zu Sofa, mit der Möglichkeit, parallel Fotos auszutauschen oder gar gemeinsam Filme oder TV-Sendungen anzusehen, das soll die verteilten Großfamilien unserer mobilen Gesellschaft zumindest virtuell näher zusammenbringen. Wegen des zweifelhaften Rufes von Videochat-Anwendungen, die gerne mal für eher nicht jugendfreie Arten von Kommunikation verwendet werden, macht sich Xbox-Live-Chef Marc Whitten keine Sorgen. Kinder, die sich mit ihrem Profil an der Konsole anmeldeten, würden standardmäßig keinen Zugang zu dem Dienst haben, erklärte Whitten auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Für alle Nutzer werde voreingestellt sein, dass sie zunächst nur den eigenen Xbox-Live-Freundeskreis als Videochat-Kontaktliste sehen könnten.

Hausinterner Streit über die Preisvorgabe für Kinect?

Xbox Live hat nach Microsofts Angaben weltweit derzeit 25 Millionen Nutzer - eine nach wie vor ziemlich kleine Klientel, wenn man das Netzwerk mit Internet-Communitys wie Facebook mit seinen über 400 Millionen Nutzern vergleicht. Doch der Großteil der Xbox-Live-Kunden zahlt: Das Abo für Online-Spiele, Video- und Musik-Downloads, Twitter-, Facebook- und andere Funktionalitäten ist kostenpflichtig. Im Gegensatz zu Sonys Konsolennetz: Das ist kostenfrei, solange man keine Filme oder Musik herunterladen möchte.

Geld werden die Kunden selbstverständlich auch investieren müssen, um in den Genuss der neuen Bewegungssteuerung zu kommen, wieviel aber hat Microsoft noch nicht verraten. Die Videospiel-Analysten Michael Pachter und Edward Woo mutmaßen, es gebe derzeit einen internen Konflikt im Hause Microsoft. Ein Lager wolle den Kinect-Preis bei etwa 100 Dollar ansetzen, ein weiteres Lager fordere einen Eingangspreis von 150 Dollar. Letzterer, fürchten die Analysten, könne jedoch "Verkäufe ernstlich einschränken". Den Selbstkostenpreis für Kinect schätzen Pachter und Woo auf etwa 70 US-Dollar.

Sony attestieren die beiden für sein Konkurrenzsystem Move eine unübersichtliche Preispolitik - die diversen Gerätschaften, die für das Bewegungssteuerungs-System Move notwendig sind, können einzeln oder in Paketen erworben werden. Insgesamt wird man für eine Move-Ausrüstung für zwei Spieler hierzulande wohl etwa 160 Euro ausgeben müssen.

Die Softwarehäuser stützen die neuen Bewegungs-Systeme zwar überwiegend mit eigenen Titeln - viel versprechen sie sich in diesem Jahr aber noch nicht von diesem Markt. Frank Gibeau, Chef der Games-Sparte des Branchenriesen Electronic Arts (EA), sagte SPIEGEL ONLINE, er rechne nicht mit allzu substantiellen Verkäufen - man plane hier aber langfristig. Das beste an den neuen Eingabesystemen sei für Dritthersteller wie EA, dass sich der Lebenszyklus bereits vertrauter Hardware verlängere: "Unsere Entwickler müssen sich nicht auf eine neue Prozessorarchitektur einstellen." Diesen Effekt nimmt mit Sicherheit auch der derzeitige Marktführer Activision gerne mit - ohne aber sein Scherflein beizutragen. Activision-Chef Bobby Kotick, für knallharte Kalkulationen berüchtigt, hat entschieden, derzeit keine Bewegungsspiele entwickeln zu lassen - weder für Move noch für Kinect. Der Markt, war zu hören, solle lieber erstmal ohne Activisions Hilfe wachsen.

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1. wozu Konsolen?
reflexxion 21.06.2010
Sony Playstations sehen cool aus, zumindest die 2 und die 3 jeweils als sie neu waren. Nentendo hat es mit der Wii geschafft, vom Hardcoreconsolenuser auf Normalos zu schwenken, besonders Frauen scheinen das teil zu schätzen, zumal es Gymnastikspiele gibt, die den Body fit halten sollen. Was macht dabei die XBox? Weder die erste noch die zweite konnten wirklich überzeugen. Das Problem dürfte die Marke Microsoft sein, wer will das schon haben. Auch die dritte Version wird das nicht ändern. In Anlehnung an andere Welterfolge würde ich Apple das Teil bauen lassen und als iPlay vermarkten. Ein Riesenerfolg wäre garantiert.
2. ...
freqnasty 21.06.2010
zu dumm, daß es microsoft an den passenden produkten mangelt, um die erträumten ziele erreichen zu können. die x360 ist auch nach der revision im vergleich zur playstation in unterhalt und anschaffung zu teuer, das projekt "kinect" ist dabei, sich zum absoluten rohrkrepierer zu entwickeln, und ihr softwareangebot ist viel zu us-zentriert, um sony in europa und japan herausfordern zu können.
3. my 2 cents...
H4T4RI 21.06.2010
Zitat von freqnastyzu dumm, daß es microsoft an den passenden produkten mangelt, um die erträumten ziele erreichen zu können. die x360 ist auch nach der revision im vergleich zur playstation in unterhalt und anschaffung zu teuer, das projekt "kinect" ist dabei, sich zum absoluten rohrkrepierer zu entwickeln, und ihr softwareangebot ist viel zu us-zentriert, um sony in europa und japan herausfordern zu können.
Das Problem ist wohl eher die Macht des "Playstation"-Namens in Europa. Als Besitzer aller aktueller Konsolen behaupte ich einfach mal frech das die PS3 der Xbox in allen - absolut allen - Aspekten unterlegen ist. Gäbe es nicht den Blueray-player würde das Ding komplett verstauben. Little big Planet ist das Spiel für das sich der Kauf der Konsole lohnt, alle Multiplattformspiele allerdings sehen auf der Box besser aus und spielen sich dank höherer Framerate und wesentlich besseren Controller einfach flüssiger und schöner. Das komplette Interface der PS3 ist schlecht abgekupfert, nicht mal im Ansatz kann man Microsoft das Wasser reichen, Benutzerfürung und Funktionalität sind auf der Box nahezu perfekt gelöst sodaß MS mit Live wohl auch unbestritten im Sektor Online-gaming ganz klar die Nase vorn hat. Unterm Strich ist es einfach so das die PS3 gekauft wird weil der Vorbesitzer eine (gecrackte) PS2 hatte und die auf dem Schulhof am höchsten gehandelt wurde. Ich spare mir jetzt mal den Exkurs warum damals der Dreamcast so ein Flop war... ..."x360 ist auch nach der revision im vergleich zur playstation in unterhalt und anschaffung zu teuer" und das ist ja wohl der unglaublichste Schwachsinn der eigentlich nur aus der Sony-Marketingabteilung kommen kann. Aber ich lass mir das gerne mal vorrechnen... bewegt sich ja wohl alles auf ziemlich ausgeglichenem Niveau, eher mit Vorteilen für MS (xbox ab 179.-Euro, Ps3 ab 299.-, richtig ???) Mir isses eigentlich egal weil ich den ganzen Mist eh kaufe, aber genau deshalb bin ich auch kein Markenfetischist, gespielt wird nur das was Spaß macht und zwar da wo es am meisten Spaß macht!
4. Die lieben Faboys
JuliusMR 21.06.2010
Jaja die Ps3 ist unterlegen.. die XBox kostet 239 mit der Slim eher 249 euro ohne Blueray. Ein Jahr Xbox Live kostet bis zu 60 euro. Die noch aktuelle Xbox ist sehr laut, hat kein wlan, geht immer noch häufig kaputt, hat keine Akkus für die Controller, muss extra Programme starten um ein simples Video abzuspielen und die neue Oberfläche ist nichts weiter als ein Marktplatz auf dem man Hütchen für den Avatar kaufen soll. Manche aber nicht alle Multiplattformtitel sehen auf der Xbox besser aus, es gibt auch Gegenbeispiele, die Exklusivtitel sind auf der PS3 aber zahlreicher und besser (Wertungen) und sie sind grafisch der XBOX zumeist überlegen. Das alles dürfte erklären wieso sich die PS3 inzwischen besser verkauft, war sie vorher doch zu teuer. Aber es ist eben wie mit Apple.. es geht nicht um die Realität sondern ums Image, das "feeling". Ich habe 4 Jahre eine Xbox gehabt (4 mal Ring of Death..) und bin inzwischen seit einem Jahr sehr glücklich mit der PS3. Märkte verändern sich, mal ist der eine besser mal der andere, im Moment hat Sony die Nase vorn das war aber auch ein jahrelanger Kampf...
5. ..
tetaro 21.06.2010
Meine Meinung ist natürlich subjektiv, aber die Xbox hatte für mich einfach öfters die eindrucksvolleren Exklusivtitel. Das Online-System gilt auch als schlecht zu toppen, auch wenn es vollgenutzt ein paar Euro im Monat kostet. Die technische Anfälligkeit der Xbox war wohl anfangs vorhanden, allerdings hat das der sehr gute Service von Microsoft wettgemacht. In der Regel wurde meines Wissens schnell und ohne Formalitäten getauscht. Ich selbst habe einmal aufgrund einer telefonischen Fehlermeldung innerhalb von ca. drei Tagen einen neuen Controller per Post bekommen. Übrigens Controller: Der Xbox Controller ist im Allgemeinen sehr beliebt, was für manche schon ein Kaufargument ist. Nicht zuletzt muss man wohl sagen, dass die PS3 entgegen aller Voraussagen die Xbox technisch nicht überholt hat, zumindest im Ergebnis sehen PS3 Spiele immer noch nicht besser aus.
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