Videospielhersteller: Warum Ubisoft jetzt Filme macht
Bei der Kölner Messe Gamescom machte Yves Guillemot, Chef des Spielekonzerns Ubisoft, eine überraschende Ankündigung: Zum noch gar nicht erschienenen Spiel "Watch Dogs" soll es auch einen großen Kinofilm geben. Im Gespräch erklärte Guillemot später, welche Strategie dahintersteckt.
Als Yves Guillemot, Chef des Videospielkonzerns Ubisoft, die Gamescom-Pressekonferenz von Sony besuchte, hatte er eine Überraschung im Gepäck. Zum Spiel "Watch Dogs", das erst diesen Herbst erscheint, wird es einen Kinofilm geben.
"Das wird ein richtiger Blockbuster-Film, mit echten Hollywood-Stars", erklärte Guillemot später auf Nachfrage. Sony Pictures und New Regency sollen den Film produzieren. Wann er kommt, will Ubisoft noch nicht verraten, nur so viel: "Es wird sehr schnell gehen."
Der "Watch Dogs"-Film ist nicht der erste Ausflug Ubisofts in die Welt des Filmes. Zu den "Assassin's Creed"-Spielen wurden, als Überbrückung und Werbemaßnahme für die kommenden Teile der Serie, Realfilme produziert. Der Film zur Ubisoft-Reihe "Prince of Persia" mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle kostete geschätzte 150 bis 200 Millionen Dollar, spielte weltweit aber auch mehr als 330 Millionen ein.
Ubisofts Filmgeschäft wächst schnell
Und die irren Hasen aus der "Rayman Raving Rabbids"-Serie werden in Frankreich bald im TV-Programm auftauchen: "Wir haben eine 'Raving Rabbids'-Fernsehserie gemacht, und wir glauben, dass wir in diesem Bereich noch weiter expandieren können", sagt Guillemot. Verdient werde damit im Moment noch deutlich weniger als mit Videospielen, "aber der Bereich wächst ziemlich schnell".
Besorgt seien die Unternehmen aus der Filmbranche über die Quereinsteiger aus der Spielebranche nicht, glaubt Guillemot, "sie interessieren sich eher dafür, wie man zusammenarbeiten kann". Das Unterhaltungsgeschäft werde sich dank Internet und Social Media stark verändern: "Die Leute wollen stärker involviert werden, wollen aktiv teilnehmen. Wir aus der Videospielbranche bringen dafür neue Ideen mit."
Mit den neuen Konsolen würden "mehr und mehr intelligente Maschinen" ins Wohnzimmer einziehen. Filme könnten im Kino künftig genauso sein wie bisher, zu Hause konsumiert aber "kann man stärker daran teilnehmen". Ein einfaches Beispiel sei, sich mit anderen Menschen, die sich die gleichen Inhalte ansehen, über Kommentarfunktionen auszutauschen - oder womöglich gemeinsam zu beeinflussen, wie die Handlung einer aktuellen TV-Serie weitergehen soll. Videospieleffekte seien heute zudem sehr nah an dem, was man in Filmen sehe, "so dass man beispielsweise den Kamerawinkel in einer Szene ändern könnte", so Guillemot.
Microsoft baut ein eigenes Filmstudio
Ähnliche Ideen haben auch andere in der Branche: Microsoft beispielsweise hat in Kalifornien ein eigenes Studio eingerichtet, um selbst interaktive TV-Inhalte herzustellen. Für das Xbox-Team wurde mit der ehemaligen CBS-Programmchefin Nancy Tellem eine Spitzenmanagerin von einem US-TV-Sender eingekauft. Microsoft-Manager Phil Spencer sagt, das sei "unsere Vorstellung der Evolution des Fernsehens: Die Grenzen zwischen dem Zuschauer und dem Schöpfer werden niedergerissen". Und auch der Microsoft-Konkurrent Sony, der ohnehin seit vielen Jahren im Filmgeschäft ist, will beispielsweise die Rennspielmarke "Gran Turismo" demnächst ins Kino bringen. All das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass viele Videospielmarken heute längst Massenmarken sind, eine Verfilmung also von vorneherein das Potential hat, auf ein interessiertes Millionenpublikum zu treffen.
Es gehe aber nicht nur darum, sein Geschäftsfeld zu erweitern, sagt Guillemot: "Wir stellen sicher, dass unsere Marken im Massenmarkt bekannt werden. Nur so kann man alle Zielgruppen erreichen, die heute gerne Videospiele spielen."
Deshalb stelle Ubisoft nun auch Filme, Bücher, TV-Serien her: "Wir glauben, dass diese Ideen, diese Figuren außerhalb der Videospielbranche echtes Potential haben. Und gleichzeitig auch innerhalb der Branche, auf allen Konsolen, allen Plattformen."
Die Strategie sei "sehr nah an dem, was Disney tut: Neue Marken, neues intellectual property erschaffen - und dann expandieren, so weit es geht".
In der Vergangenheit ging dieser Versuch allerdings auch oft genug schief. Die Verfilmung des Shooter-Klassikers "Doom" beispielsweise ließ zunächst Jahre auf sich warten - und floppte dann so, dass sie nicht einmal ihre Kosten einspielte. Und viele der Werke des auf Videospielverfilmungen spezialisierten deutschen Regisseurs Uwe Boll ("Far Cry", "Alone in the Dark") gehören zu den am schlechtesten bewerteten Filmen aller Zeiten.
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