Gaming's most hated Warum Spieler diese Menschen hassen

Gamer grollen gern. Ein uralter Fehltritt, ein unglückliches Interview, ein Kommentar auf Twitter, und schon ist man bei ihnen unten durch. Das Magain "WASD" porträtiert die meistgehassten Personen im Videospiel-Universum.


Gaming’s most hated
Anita Sarkeesian

Wer ist das?
Feministin, Medienkritikerin und YouTuberin.

Was macht sie?
Für ihren YouTube-Kanal Feminist Frequency dreht Sarkeesian Videos, in denen sie Stereotype in fiktionalen Stoffen analysiert. Zu ihren Themen gehören Filme und Bücher (Harry Potter, Die Tribute von Panem), Serien (Glee, Buffy) aber auch Werbung. Die Videos sind einfach produziert: Anita Sarkeesian sitzt vor einfarbigem Hintergrund und erläutert sexistische Elementen in der Popkultur, die sie mit kurzen Einspielern belegt. Sie macht also im Prinzip das, was man von einer Kulturwissenschaftlerin im 21. Jahrhundert so erwartet.

Warum der Hass?
2012 startet Anita Sarkeesian das Crowdfunding-Projekt "Tropes vs. Women in Video Games", um mit 6.000 Dollar eine Staffel über Videospiele zu produzieren. Das Thema: wie Videospiele sexistische Stereotypen verstärken. Einigen Gamern gefällt das nicht, Sarkeesian bekommt Drohungen, es wird ihr sogar ein eigenes Flash-Game gewidmet, in dem man sie verprügeln kann. Über 160.000 Dollar kommen letztendlich zusammen, denn andere Gamer wiederum solidarisieren sich mit der Kulturwissenschaftlerin. Im Dunstkreis von #GamerGate nehmen die Kontroversen noch einmal zu: Bei zwei Auftritten von Anita Sarkeesian kommt es zu Bombendrohungen.

Peter Molyneux

Wer ist das?
Einer der größten, wichtigsten Videospieldesigner des 20. Jahrhunderts und ein absoluter Dampfplauderer.

Was macht er?
Insbesondere in den 90er-Jahren erfindet und revolutioniert Peter Molyneux ganze Genres. Spiele wie Populous, Syndicate, Dungeon Keeper bringen dem Briten und seinem Studio Bullfrog eine Menge Renommee ein. Später verlässt Molyneux Bullfrog (inzwischen Teil von Electronic Arts) und gründet mit Lionhead (inzwischen Teil von Microsoft) ein neues Studio. An alte Erfolge kann er nicht anknüpfen. Seine neueren Spiele (Black & White, Fable) bleiben hinter den Erwartungen zurück. Inzwischen versucht Molyneux es erneut, wie so viele andere Altstars mit Crowdfunding und einem neuen Indie-Studio, 22cans.

Warum der Hass?
Weil es Molyneux schafft, mit leuchtenden Augen die irrsten Spiele heraufzubeschwören, am Ende aber etwas abliefert, das die hochfliegenden Erwartungen enttäuscht. Dann entschuldigt Molyneux sich, sagt, das alte Projekt wäre ein großer Fehler, und kündigt nächste Projekt an und alles geht wieder von vorne los. Jüngstes Beispiel: 2013 will Molyneux den Gewinner des Spielexperiments Curiosity zum Gott in seinem neuen Spiel Godus machen, das er vor drei Jahren über Kickstarter finanziert hat. Lange Zeit passiert nichts. Godus ist immer noch nicht fertig, der Gott ist kein Gott, selbst die Entwickler zweifeln an den selbstgesteckten Zielen und Molyneux kündigt bestimmt schon bald wieder ein neues Projekt an. Das nächste Spiel wird es richten! Ganz bestimmt! Versprochen!

Adam Orth

Wer ist das?
Indie-Entwickler und ehemaliger Creative Director bei Microsoft.

Was macht er?
Adam Orth entwickelt gemeinsam mit Freunden Adrift, ein Spiel über eine Astronautin, die nach einer Katastrophe alleine im All schwebt und ihre Raumstation reparieren muss, um wieder nach Hause zu kommen. Davor war er beteiligt an der Entwicklung von Kinect-Features für Microsofts Xbox One.

Warum der Hass?
Wegen Twitter. Noch bevor es eine offizielle Ankündigung zur neuen Microsoft-Konsole gibt, brodelt es 2013 in der Gerüchteküche: Die Konsole soll konstant online sein müssen, um überhaupt Spiele spielen zu können. Datenträger sollen abgeschafft werden, Spiele gibt es nur noch per Download. Es folgt eine Menge Aufregung. Was tun ohne gute Internetverbindung? Microsoft, du Arsch! Adam Orth twittert: "Sorry, ich versteh das Drama nicht. Jedes Gerät heute ist always-on. #dealwithit". Der nette , nerdige Designer mutiert über Nacht zum überlebensgroßes Symbol für den Gamer-fernen Schnöselmanager. Im folgenden Shitstorm bekommt Orth Morddrohungen und verliert seinen Job. Sein neues Spiel Adrift empfindet er als eine Art therapeutische Videospielmetapher.

Markus "Notch" Persson

Wer ist das?
Der Typ, der Minecraft entwickelt hat.

Was macht er?
Nicht nur eines der meistverkauften Spiele aller Zeiten, sondern auch ein Phänomen, das wohl wie kaum ein anderes die aktuelle Spielekultur prägt.

Warum der Hass?
Geld. Minecraft hat es Notch ermöglicht, ein eigenes Studio zu gründen (Mojang), Büros mit Ledersesseln auszustatten und für Partys einfach mal die französischen Electronica-Hipster Justice einfliegen zu lassen (Skrillex hatte leider gerade keine Zeit). Einige würden sagen: Er hat es verdient! Doch der Erfolg wird Notch nicht gegönnt. Jedes ins Netz gestellte Bild von schicken Büros wird quittiert mit Forderungen, sich doch bitte schneller um versprochene Minecraft-Features zu kümmern. 2014 verkauft Notch Mojang an Microsoft für 2,5 Milliarden Dollar und gönnt sich wenig später für 70 Millionen Dollar ein Anwesen in Beverly Hills (acht Schlafzimmer, ein Kinosaal). Für seine Hater ist Markus Persson der personifizierte Verräter an der Causa Indie.

Phil Fish

Wer ist das?
Indie-Designer, Investor.

Was macht er?
Fish ist der Designer von Fez, einem charmanten (und äußerst cleveren) Puzzle-Spiel über eine zweidimensionale Welt, die sich wie ein Würfel rotieren lässt. Bekannt ist er aber eher für etwas anderes: seine starken Meinungen. Auf Twitter und auf Vorträgen sagt er klipp und klar, was er gut findet und was nicht. Auf die Frage eines japanischen Entwicklers, was Fish denn von modernen japanischen Spielen hielte, antwortet er: "They suck." Warum genau, das führt Fish zwar auch aus, die Schlagzeile ist da aber schon geschrieben. In der bekannten Doku "Indie Game: The Movie" gibt er trotz harter Ansagen in der Öffentlichkeit den geplagten Künstler, der mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat.

Warum der Hass?
Weil Fish eine Meinung hat und sie auch sagt. Weil er ein schwieriger Kollege ist, wie ehemalige Partner erzählen, und weil Fish – Franko-Kanadier, Wuschelhaare, große Brille – sich zwar gut in einer Indie-Garagenband machen würde, aber nur schwer reinpasst in die Gamer-Schublade. Seinen Twitter-Account stellt er deshalb immer wieder sporadisch ein, um dann doch wieder zurückzukommen – mit noch mehr harten Ansagen. Mittlerweile hat sich Fish jedoch offenbar von der aktiven Spielentwicklung verabschiedet. Denn als die #GamerGate-Hasskampagne gegen feministische Videospielentwicklerinnen und -kritikerinnen losgeht, werden seine Webseite, seine privaten Daten und sein Bank-Account gehackt. Inzwischen fungiert Fish als Investor im Indie-Fund, einem Risikokapitalgeber für Indie-Entwickler.

David Vonderhaar

Wer ist das?
Design Director bei Treyarch, einem der drei Studios, die an Call of Duty arbeiten

Was macht er?
Als Design-Chef ist Vonderhaar vor allem für die Spielbalance von Call of Duty verantwortlich. Sprich: Wie viel Schaden macht das Scharfschützengewehr, wie lange lädt das Maschinengewehr nach, wie schnell sprinten Spieler? Das ist wichtig, damit sich das Spiel vor allem im Multiplayer-Modus immer fair anfühlt.

Warum der Hass?
Weil er seinen Job macht. Auf Twitter teilt Vonderhaar 2013 den Link zum neuen Patch für Call of Duty: Black Ops 2. Die Feuergeschwindigkeit des DSR-Scharfschützengewehr wird um zwei Millisekunden verlängert, die Nachladegeschwindigkeit um eine Millisekunde. Ähnlich sieht es beim Ballista-Scharfschützengewehr aus. Der Schaden des AN-94-Sturmgewehrs wird leicht verringert. Für diese Änderungen bekommt Vonderhaar Morddrohungen von Call-of-Duty-Spielern. Inzwischen hat Vonderhaar über 400.000 Follower auf Twitter. Noch immer sind in seinen Plaudereien auf der Plattform Scharfschützengewehre das Thema Nummer eins.

Dieser Text stammt aus der Zeitschrift "WASD - Texte über Games", Ausgabe Nummer 7

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