Wegen PS3-Jailbreak Sony geht gegen Playstation-Hacker vor

Konsolenspieler verehren ihn, Sony-Manager eher nicht: Der Hacker George Hotz hat das iPhone, das iPad und zuletzt die Playstation 3 geknackt. Jetzt bekommt er Ärger mit Sonys Rechtabteilung. Die will ihn per Gericht zwingen, alle Infos zum Playstation-Hack aus dem Web zu entfernen.

Playstation 3: Von Hackern für Modifikationen zugänglich gemacht
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Playstation 3: Von Hackern für Modifikationen zugänglich gemacht


Dem US-Hacker mit dem Pseudonym geohot steht Ärger ins Haus. Weil er eine Software entwickelt hat, mit der sich Sonys Sperre in der Playstation 3 umgehen und Fremdsoftware auf der Spielkonsole installieren lässt, droht der japanische Konzern jetzt mit rechtlichen Konsequenzen. Die Anwälte des Unternehmens haben vor einem kalifornischen Gericht einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den 21-jährigen, vier Mitglieder der Hackergruppe fail0verflow und 100 Unbekannte eingereicht.

In Hacker-Kreisen genießen geohot, der mit bürgerlichem Namen George Francis Hotz heißt, und fail0verflow Kultstatus. Die Hackergruppe hatte im Dezember auf dem Chaos Communication Congress vorgeführt, wie man den Sicherheitsschlüssel für das Kopierschutzsystem der PS3 extrahieren kann. Mithilfe dieser Informationen war es Hotz gelungen, Sonys Sicherheitssystem zu umgehen und eine Methode zu entwickeln, wie man einen sogenannten Jailbreak bei der PS3 durchführt. Zuvor war Hotz bereits dadurch bekannt geworden, dass er Jailbreaks für Apples iPhone und iPad entwickelte. Das Ziel der Software-Modifikationen ist stets dasselbe: Die Hacker wollen es ermöglichen, dass man auf der von den jeweiligen Herstellern hermetisch abgeriegelten Hardware Software installieren kann, welche die Prüfinstanzen der Firmen nicht durchlaufen hat, Software also, die nicht den Richtlinien der Firmen entspricht.

Weil dazu im Falle der PS3 unter anderem die Betriebssoftware der Konsole entschlüsselt, verändert und dann auf die Konsole zurück geschrieben werden muss, werfen Sonys Anwälte den Hackern nun vor, sie hätten gegen das Urheberrecht verstoßen. Außerdem werden den Hackern Verstöße gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) und den Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) vorgeworfen.

Geohot gelobt Folgsamkeit

Statt Hotz gleich zu verklagen, verfolgen Sonys Rechtsanwälte eine andere Strategie. In ihrem Antrag auf einstweilige Verfügung fordern sie die Hacker dazu auf, sämtliche Informationen und Downloads zu dem Playstation-Hack von ihren Webseiten zu entfernen. Nach Erhalt des Anwaltsschreibens war Hotz dieser Aufforderung auch umgehend nachgekommen. Nachdem er die Vorwürfe mit seinem Anwalt besprochen hatte, schaltete er den Zugang zu seiner Webseit allerdings wieder frei.

Neben den Informationen zum Jailbreak für die PS3 hat er Sonys Anwaltsschreiben im PDF-Format in den Mittelpunkt seiner Webseite gerückt. Zudem weist Hotz darauf hin, dass alle eventuell verbreiteten Spendenaufrufe für ihn zum aktuellen Zeitpunkt Abzockversuche sind und er selbst nicht zu Spenden aufruft.

Die Verhandlung über den Antrag der Sony-Anwälte ist für Mittwoch den 12. Januar angesetzt worden. Gegenüber dem PS3-Portal " Playstation 3 News" erklärte Hotz bereits, er werde sich der Entscheidung des Gerichts beugen, egal wie diese denn ausfallen werde.

Ob Sony es damit tatsächlich erreichen kann, die Informationen über den Playstation-Jailbreak aus dem Netz zu tilgen, darf allerdings bezweifelt werden. Längst haben Jailbreak-Fans Anleitungen und Software in Sicherheit gebracht und andernorts im Netz abgelegt - Stichwort Streisand-Effekt. Für Sonys Rechtsabteilung dürfte es ein Ding der Unmöglichkeit sein, diese Scherben wieder einzusammeln.

mak

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Seite 1
NeZ 12.01.2011
1. Streisand-Effekt
Egal, ob Mr. Hotz nun Geld an Sony zahlen darf oder nicht - Sony verliert. An Ansehen verliert Sony auf jeden Fall, und aus dem Netz tilgen werden sie die Anleitung zum Jailbreak garantiert auch nicht. Lustig außerdem, dass eine Firma wie Sony einem anderen Urheberrechtsverletzung vorwirft. Hat nicht Sony das Steuerkreuz des NES & SNES für seine Playstation, das Rumble Pak des N64 für seinen Dual Shock Controller, die Wii für sein Playstation Move kopiert? Die machen echt, was sie wollen. Und kommen auch noch durch damit. Verdammt.
Wer ich wirklich bin, 12.01.2011
2. !
Zitat von sysopKonsolenspieler verehren ihn, Sony-Manager eher nicht: Der Hacker George Hotz hat das iPhone, das iPad und zuletzt die Playstation 3 geknackt. Jetzt bekommt er Ärger mit Sonys Rechtabteilung. Die will*ihn per Gericht zwingen, alle Infos zum Playstation-Hack aus dem Web zu entfernen. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,739155,00.html
Noch falscher kann man sich nicht verhalten. Egal, Sony wird eh nicht mehr lange in der Branche mitmischen.
lassmabessersein, 12.01.2011
3. Wie kann Sony so ein schlechter Verlierer sein?
statt sony bravia, werde ich mir nun einen samsung tv kaufen. diese meldung hat den ausschlag gegeben. ich kann bei keiner firma kaufen, die harmlose leute verklagt, nur weil sie ihre kiste nicht sicher abschliessen können. die leute haben fuer ihre ps3 bezahlt, damit können sie wohl machen, was immer moeglich ist. sie haben das recht dazu. ich finde es toll, dass jemand so viel geist besitzt, die kiste zu knacken. hut ab!
Niamey 12.01.2011
4. Playstationhacker
Zitat von sysopKonsolenspieler verehren ihn, Sony-Manager eher nicht: Der Hacker George Hotz hat das iPhone, das iPad und zuletzt die Playstation 3 geknackt. Jetzt bekommt er Ärger mit Sonys Rechtabteilung. Die will*ihn per Gericht zwingen, alle Infos zum Playstation-Hack aus dem Web zu entfernen. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,739155,00.html
Die Frage hier ist eine andere: Die Unterhaltungsbranche verkauft uns in einer globalisierten Welt Geräte, die in sich geschlossene Systeme sind, die einen Regionalcode besitzen, die von 7 Fernsehsystemen (PAL, NTSC, SECAM MESECAM etc.) nur auf eines beschränkt sind und mit Netzteilen versehen sind, die nicht weltweit funktionieren. Wer durch seine Firma o.a. laufend von einem Ort zum anderen auf der Welt versetzt wird, der kommt gar nicht umhin seine Gerätschaften "modden" zu lassen. Sonst kauft man den lieben Kleinen nämlich neben einem neuen Fernseher, auch wieder neue Konsolen mit neuen Spielen weil die alten Geräte einfach nicht mehr laufen. Also, müsste man die Hersteller vor die WTO oder die EU zerren und am Besten in den USA auf Millionenbeträge (wegen psychischer Härten gegen die Kinder die ihre liebgewonnen Spiele plötzlich nicht mehr spielen können) verklagen, damit sie endlich mit diesem Schei.. aufhören.
georgetwon 12.01.2011
5. Sony hat ein ganz anderes Problem über das nieman sprechen möchte...Qualität!
Ich finde das Hacking der PS3 recht uninteressant. Es gibt doch ein viel gravierenderes Problem. Die PS3 - mangelhafte Qualität der Platinen und das Servicegebahren von Sony. Ich habe sowohl die XBox 360 als auch die PS3 zuhause. Meine PS3 hat nach knapp 2,5 Jahren einen Totalausfall erlitten. YLOD nennt sich der Schaden. Das Problem ist bekannt, wird aber von Sony heruntergespielt. Bei der XBox hat man ein ähnliches Problem. Dort heißt es dann RROD. Die Ursache ist in beiden Fällen die Gleiche: Mangelhafte Qualität der Lötleitpaste. Microsoft tauscht die betroffene Konsolengeneration kulant auch nach 3 Jahren aus. Sony schiebt die Schuld gerne dem Verbraucher selbst in die Schuhe, da dieser nach Ablauf der Garantiezeit (1 Jahr) selbst nachweisen muss, dass der Fehler bereits bestand. Betroffene erhalten dann für 169,- EURO ein gleiches Gerät der selben Gerätegeneration. Ich halte dieses Servicegebahren von Sony für hochgradig unseriös. Ich habe meine Konsole, die laut Sony einen Nikotinschaden hatte, reparieren lassen. Für 50,- Euro wurde mein Gerät auftgeschraubt und die Lötleitpaste ausgetauscht. Sie geht wieder. Sony sollte hierzu Stellung beziehen und die Geräte entsprechend austauschen oder reparieren. Anstattdessen verkauft Sony den Verbrauchern ein Gerät der selben Gerätegeneration mit gleichem Schaden. Klar, dass die Verbraucher die 169,- EURO bezahlen. Games und Bluray Filme kosten in der Regel ein Vielfaches. Über ein Gutachten die Ursache des YLOD sicher und rechtlich wasserdicht beweisen zu lassen ist so gut wie unmöglich. Über das Problem hat auch die BBC berichtet. Microsoft hat als Ursaache die mangelnde Qualität der ersten Gerätegernation erkannt und tauscht kulant aus. So muss sich ein Gerätehersteller verhalten. Ich werde keine Sony Geräte mehr Neu kaufen. Der eigentliche Skandal ist für mich aber, dass der Verbraucher von Sony als Schuldiger bezeichnet wird. Ich habe ein Anschreiben von Sony in dem Nikotin und Staub für den Schaden am Gerät verantwortlich gemacht werden - das ist ein sclechter Witz. Bei dem Geschäft in Hamburg, dass mein Gerät repariert hat kann man bezeugen, dass in dem Gerät die Lötleitpaste ausgetauscht wurde. Wenn Sie mal recherchieren, werden Sie festestellen, dass es in jeder Stadt Dienstleister gibt, die einen YLOD Schaden reparieren. Es wäre schön, wenn der Spiegel hierzu recherchieren und berichten würde... Gehen sie doch mal auf die Facebook Seiten von Sony Computer Entertainment und Fragen nach dem vorgesehenen Gerätezyklus und YLOD. Sie werden gesperrt...
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