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"World of Warcraft", "Second Life": Geheimdienste überwachten Online-Spiele

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"World of Warcraft": "Ziel-Marker für Terroristen"

Die NSA interessiert sich auch für Online-Spiele: Aus einem internen Papier geht hervor, dass Mitarbeiter des Geheimdienstes zwischen Elfen und Orks nach Terroristen suchten. US-Dienst und britisches GCHQ überwachten "World of Warcraft", "Second Life" und Xbox Live.

Der US-Geheimdienst NSA und sein britisches Pendant GCHQ interessieren sich für Online-Welten wie "World of Warcraft" oder "Second Life". Das geht aus Dokumenten hervor, die der Whistleblower Edward Snowden kopieren konnte. "Guardian" und "New York Times" veröffentlichten die Papiere am Montag.

In einer Notiz aus dem Jahr 2007 heißt es, man könne den Datenverkehr von Online-Spielen bei der Überwachung identifizieren. Für Xbox Live und "World of Warcraft" habe der britische Geheimdienst erfolgreich Angriffstechniken entwickelt. So soll es dem Dienst möglich gewesen sein, sich in die Kommunikation zweier Spieler einzuklinken.

Die Dienste interessierten sich offenbar für die Spiele-Netzwerke, weil sie dort al-Qaida-Terroristen vermuteten, chinesische Hacker, einen iranischen Atomwissenschaftler sowie politische Gruppierungen wie Hisbollah und Hamas. Die Geheimdienste müssten "jetzt handeln, um die Erfassung, Verarbeitung, Präsentation und Analyse dieser Kommunikation zu planen", zitiert die "NYT" aus einem NSA-Papier von 2008. "Ziel-Marker für Terroristen" seien "in Xbox Live, Second Life und World of Warcraft" gefunden worden.

Spielechat für Terrorplots

Der Betreiber von "World of Warcraft" erklärte am Montag, man habe keine Hinweise auf eine geheimdienstliche Überwachung von Spielern. Wenn, dann sei dies "ohne unser Wissen und unsere Einwilligung" geschehen. Xbox-Hersteller Microsoft, der "Second Life"-Gründer und gegenwärtig dort tätige Führungskräfte wollten sich gegenüber dem "Guardian" und der "NYT" nicht äußern.

Wie die "New York Times" berichtet, soll der technische Leiter von "Second Life" 2007 persönlich bei der NSA vorbeigeschaut haben. Das Online-Spiel eröffne völlig neue Möglichkeiten, hieß es demnach in einer Ankündigung, man könne das Verhalten von Ausländern beobachten, ohne die USA verlassen zu müssen. Der britische Geheimdienst soll schon 2009 in der Lage gewesen sein, Chats, Nachrichten und Transaktionen aus "Second Life" zu kopieren. Die Daten von drei Tagen seien testweise erfasst worden, schreibt die "New York Times", 176.677 Zeilen.

Der technische Leiter, Cory Ondrejka ließ erklären, die NSA-Präsentation sei ähnlich zu anderen Präsentationen gewesen, die er damals gegeben habe. Onkrejka war vor seiner Zeit als Tech-Manager Marineoffizier und hatte vorübergehend selbst bei der NSA gearbeitet, ausgestattet mit der Sicherheitsfreigabe "Top Secret", wie die "NYT" berichtet. Heute ist er bei Facebook für technische Entwicklung im Mobilbereich zuständig.

Pentagon gab zu Schnüffelzwecken Spiele in Auftrag

In einem ausführlichen Bericht - "Games: A Look at Emerging Trends, Uses, Threats and Opportunities in Influence Activities" - widmete sich das Unternehmen SAIC der Spieleindustrie. Die Autoren stellen darin Überlegungen an, wie Terroristen solche Spiele zur Kommunikation und Vorbereitung von Anschlägen benutzen könnten - und geben Empfehlungen, wie Geheimdienste selbst Spiele entwickeln könnten. Das Special Operations Command habe schon 2006 und 2007 mit diversen internationalen Unternehmen zusammengearbeitet, um Spiele herzustellen, die dazu dienen sollten, Informationen über deren Nutzer zu sammeln, berichtet die "NYT".

Online-Spiele werden als wahre Goldgrube für Geheimdienste beschrieben, was die Beschaffung von Informationen angeht - und als Gefahr. Terroristen könnten mit Hilfe von Spielen Propaganda verbreiten und Mitstreiter werben. Außerdem könnten sie über Spielenetzwerke kommunizieren, Geld verschicken und oder Anschläge planen.

NSA-Mitarbeiter in Großbritannien sollen auf Drängen des britischen Dienstes den Internet-Datenverkehr nach "World of Warcraft"-Nutzern durchkämmt haben. Dabei stießen sie den Dokumenten zufolge auf Ingenieure von Telekommunikationsfirmen, Fahrer von Botschaften, Wissenschaftler, Militärs und Mitarbeiter anderer Geheimdienste.

So groß war das Interesse der Geheimdienste an "Second Life" damals, dass die Einrichtung einer Koordinierungsstelle vorgeschlagen wurde. Die diversen Agenten von FBI, CIA und NSA sollten nicht zu viel Zeit damit verbringen, sich gegenseitig zu überwachen und anzuwerben.

ore/cis

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