Xbox One S und Project Scorpio Darum hat Microsoft zwei neue Konsolen vorgestellt

Microsoft geht neue Wege und hat gleich zwei Konsolen präsentiert. Eine dünnere Xbox One erscheint im August, ein zweites, viel stärkeres Modell soll Weihnachten 2017 folgen.

AFP

Aus Los Angeles berichtet


Warum jetzt? Warum überhaupt? Solche Fragen stellen sich aktuell Gamer aus aller Welt, denn Microsoft hat auf der Spielemesse E3 zwei Ankündigungen gemacht, die den Konsolenmarkt ordentlich durcheinanderwirbeln.

Das Unternehmen hat zunächst angekündigt, eine dünnere, etwas verbesserte Version seiner Xbox One auf den Markt zu bringen, die Xbox One S - und das schon bald, im August. Ein Produktupdate wie die Xbox One S war erwartet worden und ist nichts Ungewöhnliches, man denke nur an Produkte wie die Playstation 3 Slim.

Eine gewichtigere Ankündigung gab es allerdings gegen Ende der Pressekonferenz, nach fast 90 Minuten: Microsoft zeigte seine Vision von Project Scorpio, einer zweiten Xbox-One-Weiterentwicklung, die um einiges leistungsfähiger ist als das bisherige Modell.

Gerüchte hatten zwar auch auf eine solche Neuheit hingedeutet - damit, dass Microsoft Project Scorpio aber tatsächlich schon jetzt präsentiert, hatte nicht jeder Branchenkenner gerechnet. Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zur Microsoft-Präsentation:

1. Was kann die neue Xbox One S?

"Der heutige Tag leitet eine neue Ära ein, in der man mehr Wahlmöglichkeiten hat, wie und wo man spielen kann" - mit dieser Einleitung hat Microsofts "Head of Xbox" Phil Spencer die Xbox One S vorgestellt. Das neue Modell soll demnach 40 Prozent dünner sein als die aktuelle Version der Spielkonsole. Der Preis für die USA wird mit "ab 299 Dollar" angegeben, Steuern nicht inbegriffen.

Microsoft Deutschland nennt als Preise 299 Euro, 349 Euro und 399 Euro, da es Modelle mit 500 GB, 1 TB und 2 TB Speicherplatz geben wird. Erscheinen soll die 2-TB-Version schon im August, also ungefähr zur Kölner Spielemesse Gamescom.

Mit der neuen Konsole soll HDR-Gaming möglich werden, außerdem soll man 4K-Ultra-HD-Videos anschauen können, den passenden Fernseher oder Monitor vorausgesetzt. Zusätzlich zur Xbox One S wurde auch ein überarbeiteter Controller vorgestellt, der unter anderem mehr Reichweite bietet und ab August auch einzeln zu kaufen sein wird.

Controller der Xbox One S
DPA

Controller der Xbox One S

2. Was weiß man zu Project Scorpio?

Project Scorpio ist erst einmal noch ein Zukunftsprojekt. Zahlreiche Game-Design-Größen wie "Fallout 4"-Chefentwickler Todd Howard durften die Idee in einem Werbevideo bejubeln. Den Spielefans verspricht Microsoft derweil ein "einmaliges Konsolen-Erlebnis mit echten 4K-Gaming und High-Fidelity-VR".

In den Handel kommen soll das neue Modell rechtzeitig zu Weihnachten 2017. Ein Preis ist noch nicht bekannt, er dürfte aber deutlich über dem der Xbox One S liegen. Zu den technischen Details von Project Scorpion heißt es, die Konsole biete eine Achtkern-CPU und sechs Teraflops Rechenleistung, viel mehr weiß man bislang nicht.

3. Warum hat Microsoft Project Scorpio jetzt schon angekündigt?

Mike Nichols, Corporate Vice President of Marketing bei Xbox, sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Das Gerät ist so viel leistungsfähiger als jede andere Konsole, die jemals auf dem Markt war, deshalb wollen wir wirklich sichergehen, dass die Entwickler verstehen, was die Konsole technisch bietet - so können sie voll davon profitieren, wenn sie Ende nächsten Jahres auf den Markt kommt." Man habe der Branche auf der E3 zeigen wollen: "Ja, das Ding ist echt."

4. Will Microsoft jetzt wie Apple alle ein, zwei Jahre bessere Versionen seiner Geräte anbieten?

Microsoft verspricht, dass die Neueinführungen für Xbox-One-Besitzer abseits neuer Kaufentscheidungen keine Nachteile mit sich bringen werden, das Unternehmen spricht jetzt von einer Xbox-One-Gerätefamilie. Spiele sollen künftig auf allen drei Konsolen laufen, auf Project Scorpio im Zweifel eben schöner und schneller.

Zubehör, das man für die Xbox One erworben hat, soll sich weiter nutzen lassen, ebenso Spiele, die man bereits vor dem Marktstart der neuen Modelle gekauft hat. Phil Spencer sprach bei der Präsentation von einer "Zukunft des Spielens jenseits der Konsolen-Generationen".

Mike Nichols sagte im Interview, man habe nun nicht vor, in regelmäßigen Abständen neue Xbox-Modelle herauszubringen. Vielmehr wolle man dann überarbeitete Versionen veröffentlichen, wenn sie wirklich nennenswerte technische Fortschritte bringen: Für die Xbox One S zum Beispiel habe die Unterstützung von 4K-Ultra-HD-Videos gesprochen. Mit Project Scorpio wolle man dann echtes 4K-Gaming ermöglichen.

5. Wie reagiert der große Konkurrent Sony auf den Vorstoß?

Sony hat kürzlich bekanntgegeben, an einem neuen, leistungsstärkeren Playstation-4-Modell zu arbeiten. Am Dienstagmorgen deutscher Zeit hielt das Unternehmen selbst eine E3-Pressekonferenz, es hatte aber vorab angekündigt, dort keine Details zur neuen Konsole bekanntzugeben - und tat es dann auch nicht.

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6. Was hat Microsoft im Bereich Virtual Reality vor?

Kein Wort verloren wurde bei der Konferenz darüber, wie genau mit Project Scorpio "High-Fidelity-VR" möglich werden könnte. Im Vorfeld der E3 hatte es Gerüchte über eine noch stärkere Zusammenarbeit Microsofts mit dem Virtual-Reality-Brillen-Hersteller Oculus gegeben. Sie bestätigten sich bisher nicht.

Bei der Pressekonferenz wurde nun lediglich angedeutet, dass "Fallout 4" auf Project Scorpio in VR spielbar sein soll. Die Pläne für eine VR-Version des Rollenspiels hatte Hersteller Bethesda am Sonntagabend enthüllt. Dabei hieß es, "Fallout 4" mit VR-Unterstützung würde 2017 für die HTC Vive erscheinen.

7. Welche Auswirkungen haben die Pläne für PC-Spieler?

Microsoft arbeitet weiter an seinen Plänen, Xbox-One- und Windows-10-Spieler besser zu vernetzen - etwa mit dem für den 11. Oktober angekündigten Actionspiel "Gears of War 4" und dem am 27. September erscheinenden Rennspiel "Forza Horizon 3". In den beiden Blockbustern und einigen weiteren Titeln sollen Spieler beider Plattformen gemeinsam antreten können.

Vorgestellt wurde auch eine neue Funktion namens Xbox Play Anywhere, mit der man seinen Fortschritt zwischen den Plattformen synchronisieren können soll. Außerdem brauche man Play-Anywhere-Spiele nur einmal zu kaufen, um sie sowohl per Xbox One, als auch per Windows 10 spielen zu können, kündigte Microsoft an. Gerade für PC-Spieler sind die Pläne des Konzerns also durchaus erfreulich.

Hinweis: Einen Artikel zu den Spielehighlights der E3 finden Sie im Laufe des Dienstags auf SPIEGEL ONLINE.



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
alex300 13.06.2016
1. Na ja. Nicht gerade spannend.
Aber warum soll ich 4k Filme ausgerechnet auf einer Spielkonsole gucken???
uterallindenbaum 13.06.2016
2. oh
Diese Firmen machen den gleichen Fehler wie die Mountainbikeindustrie. Sie entwickeln sich Kaputt. Die PS4 ist nicht einmal 3 Jahre Alt und eine neue Version liegt schon in den Startlöcher. Nur Reiche können da mithalten.
salsabiker 13.06.2016
3.
Wenn ich schon den Controller der X-Box sehe....schlimm das Ding. Es geht nichts über die Playstation.
piep00 13.06.2016
4.
Ob sich damit Sony und Microsoft nicht das eigene Konsolengrab schaufeln? Immerhin war die Spielbarkeit der Spiele durch gleichbleibende Hardware über Jahre gesichert. Der Computer könnte der Konsole wieder den Rang ablaufen. Dürfte Microsoft allerdings egal sein, da man sicher das passende Betriebssystem zur Verfügung stellen wird. Vielleicht doch nicht sooo doof.
jau! 13.06.2016
5. Ich kann Jülich
Der Großrechner in Jülich hat 5,9 Petaflops. Also haben bereits die ersten 1000 "Scorpio" mehr Leistung. Ich schaff schon mal Platz im Keller.
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