Präsentation der Xbox One X Microsofts neuer Kraftprotz kommt im November

Anlässlich der Spielemesse E3 hat Microsoft die wichtigsten Details seiner neuen Xbox-Variante verraten, darunter Name und Erscheinungsdatum. Die neue Konsole bietet viel Power, doch die hat ihren Preis.

Xbox One X
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Xbox One X

Aus Los Angeles berichtet


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"I witnessed the most powerful console ever" - ich habe die leistungsstärkste Konsole überhaupt erlebt. Über diesen Satz konnte man auf den Rängen des Galen Center in Los Angeles reflektieren, während man darauf wartete, dass Microsoft seine neue Konsole Xbox One X präsentiert. Der Spruch zierte die T-Shirt-Rückseiten zahlreicher gut gelaunter Xbox-Fans, die Microsoft wohl auch der Stimmung wegen in den Innenraum der Mehrzweckhalle gesetzt hatte.

In Microsofts Werbesprech ist schon länger von der "leistungsfähigsten Konsole der Welt" die Rede. Der Konzern lässt seinen Stolz, unter anderem durch "geballte sechs Teraflops Grafikleistung" jenseits von High-End-PCs neue Maßstäbe zu setzen, so heraushängen, dass es fast schon nervt. Als im Zuge der Präsentation des Rennspiels "Forza Motorsport 7" später ein echter Porsche 911 GT2RS (2018) auf der Bühne steht, heißt es, er sei ein "Monster" - "wie die Xbox One X".

Xbox-Event in Los Angeles
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Xbox-Event in Los Angeles

Im Grunde betont Microsoft etwas Selbstverständliches: Denn hatten nicht die meisten Spielkonsolen - von bewussten Ausreißern wie Nintendo-Geräten abgesehen - den Anspruch, zunächst die jeweils leistungsstärkste auf dem Markt zu sein? Und sind es auf Dauer nicht eher Spiele als technische Daten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden?

Spiele und Zubehör funktionieren weiter

Die Xbox One X jedenfalls, bislang unter dem Arbeitstitel "Project Scorpio" bekannt, ist eine technisch grundlegend überarbeitete Version der Xbox One und Xbox One S, auf der auch alle bisherigen Spiele und Zubehörteile für diese Modelle laufen. Ein neues Gerät, das offenbar vor allem Hardcore-Gamer anlocken soll: Gamer, die sich stets das bestmögliche Erlebnis wünschen oder die schon aus Prinzip ein noch schnelleres Gerät wollen als die von Konkurrent Sony Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Playstation 4 Pro. Leute, die vom Anspruch an die Technik her PC-Spieler sein könnten, die aber lieber auf der Konsole spielen.

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In die Läden kommen wird die Xbox One X am 7. November. Von den anderen Xbox-One-Varianten hebt sie sich vor allem mit der Fähigkeit ab, Gaming in echtem 4K, also in besonders hoher Auflösung zu ermöglichen - den richtigen Fernseher vorausgesetzt. Zudem heißt es, die neue Konsole sei die bisher kompakteste Xbox.

499 Euro als Startpreis

Die Technik in dem Gerät, darunter ein UHD-Blu-ray-Player, hat allerdings ihren Preis: 499 Euro soll die One X in Deutschland kosten. Das sind rund 100 Euro mehr, als Sony für die im direkten Vergleich technisch etwas weniger starke Playstation 4 Pro verlangt. Der Preis erscheint zudem im Verhältnis hoch, weil man die Xbox One S von 2016 hierzulande schon ab 200 Euro bekommt.

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In die Xbox-One-Welt lässt sich auf diesem Weg extrem günstig und auf technisch ordentlichem Level einsteigen, sodass sich die Frage stellt: Wie groß ist die Zielgruppe der One X? Wie vielen Spielern ist es wirklich wichtig, dass ihr Lieblingsspiel noch ein wenig flüssiger läuft, dass kommende Spiele zwar merklich schicker aussehen, sich aber nicht grundsätzlich anders spielen?

Tim Stuart, im Xbox-Team für die Finanzen zuständig, sagt im Interview, wenn man Konsolen verkaufe wolle, sei die Kombination aus Technik und den Spielen entscheidend. "Wenn wir viel von der Hardware sprechen, geht es eigentlich darum, wie Entwickler die Möglichkeit bekommen, Magisches zu erschaffen", sagt er.

Schönere Autorennen mit mehr Bildern

In Los Angeles hat Microsoft, das Sonys Exklusivtiteln wie "Persona 5" und "Horizon: Zero Dawn" zuletzt wenig entgegensetzen konnte, bereits einige Spiele gezeigt, die von den Fähigkeiten der Xbox One X profitieren. "Forza Motorsport 7" etwa wird sich in echtem 4K und mit 60 Bildern pro Sekunde spielen lassen, was bei einer Testvorführung nach dem Event durchaus beeindruckte.

Ebenso sollen Action- und Adventurespiele wie "Crackdown 3" und das neue, in Ägypten angesiedelte "Assassin's Creed: Origins" schicker aussehen und runder laufen, und selbst "Minecraft" bekommt anlässlich des Starts der One X ein Update, dass das Klötzchenspiel mit vielen Grafikeffekten schöner macht.

Einen optischen Unterschied soll man beim Spielen übrigens auch merken, wenn man keinen 4K-Fernseher besitzt: Microsoft verspricht, dass Spiele mit der Xbox One X auch auf einem 1080p-TV "fantastisch" aussehen. In jedem Fall werden sie aber ruckelfreier laufen und schneller laden.

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Nicht unbedingt etwas für Indie-Game-Fans

Letztlich ist es wohl vor allem eine Frage der Finanzen und des Spielertyps, wen die One X anspricht: Wer sich eher für künstlerisch angehauchte Spiele wie "Ori and the Will of the Wisps" oder "Cuphead" interessiert - letzteres Spiel soll am 29. September übrigens endlich erscheinen -, den dürfte das Konsolen-Upgrade wohl kaum reizen. Anders gehen dürfte das Spielern, die vor allem grafisch aufwendige Spiele spielen und technisch mit einem 4K-Fernseher ohnehin gut ausgestattet sind.

Interessant ist noch, dass Microsoft das Thema virtuelle Realität (VR) dieses Jahr in seiner Präsentation ganz außen vor ließ, während es vergangenen Sommer noch hieß, "Project Scorpio" sei für VR wie gemacht. Microsoft wolle sich dieses Weihnachtsgeschäft erst einmal auf VR-Erfahrungen für Windows-10-Rechner konzentrieren, sagte Tim Stuart später dazu.

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So darf man gespannt sein, wie erfolgreich die One X Anfang November startet: in einer Zeit, in der auch Konkurrenten wie Nintendo und Sony ihre Highlights fürs Weihnachtsgeschäft auf den Markt bringen - was diesmal statt neuer Geräte wohl eher Spiele-Blockbuster wie ein neues 3D-"Super Mario" sein werden.

Sonys E3-Präsentation findet übrigens am Dienstagmorgen deutscher Zeit statt, Nintendo zeigt ausgewählte Neuheiten Dienstagabend in einem Videostream. Über die Highlights werden wir berichten.


Zusammengefasst: Die Xbox One X ist eine technisch deutlich bessere Variante der Xbox One und Xbox One S. Das Gerät kommt am 7. November für 499 Euro in den Handel und richtet sich eher an Hardcore-Gamer als an Gelegenheitsspieler. Alte Xbox-One-Spiele und bisheriges Zubehör funktioniert weiter.



insgesamt 32 Beiträge
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fredderfarmer 12.06.2017
1. Alles schön und gut...
Solange aber eine Konsole nicht (mehr) in der Lage ist, die Nachteile eines PC-Systems (Onlinezwang, Ladezeiten, etc.) zu kompensieren, leider nichts für mich.
tkedm 12.06.2017
2.
Ja, es ist seit 15 Jahren das gleiche. Wahlweise Microsoft oder Sony legen vor, der andere zieht nach. Am Ende ist es eine Glaubensfrage, welche Konsole man sich kauft. Und vor allem, welche Spiele man spielen will, die Exklusivität wurde ja angesprochen. Vom Preis und der Technik nehmen sich beide nichts.
jojack 12.06.2017
3. Es bleibt eine Konsole
Die XBox-X ist für die gebotene Leistung durchaus günstig. Allerdings reichen auch 6 GFLOPS GPU-Leistung nicht an einen High-End Gaming-PC heran. Das Versprechen, Games in 4K flüssig darzustellen, muss daher mit Vorsicht genossen werden. Welche Qualität haben Effekte und Texturen? Erreicht die XBox-X flüssige 60 Bilder pro Sekunde? Klar ist allerdings auch: der Abstand zu Gaming-PCs wird geringer.
DerBlicker 12.06.2017
4. sehr günstig
Ein preis von 500 Euro für die XBoxc ist sehr günstig, wenn man bedenkt, dass allein ein UHD Bluray Player kaum unter 400 Euro zu bekommen ist.
gaminggirl 12.06.2017
5. @jojack:
aber auch nur auf dem Papier. Man kann sich theoretisch jedes viertel Jahr einen Rechner mit den neuesten Komponenten zusammenstellen. An die Leistung kommen Konsolen eigentlich immer nur dann heran, wenn sie angekündigt und mit der dann aktuellen Hardware im PC-Sektor verglichen werden.
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