Strategiespiel "XCOM: Enemy Unknown": Weltrettung für Fortgeschrittene

Von Stephan Freundorfer

Vor 18 Jahren wurden die Außerirdischen schon einmal durch die XCOM von der Erde verjagt. Nun kehrt die fesselnde Mischung aus Aufbausimulation und Rundenstrategie auf den Bildschirm zurück - samt Aliens. Und auch diesmal steht der Spieler mächtig unter Druck.

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Stephan Freundorfer

Captain Rachid Jawahir ist tot. Gefallen in seinem zehnten Einsatz, getroffen von glutheißem Plasma, jämmerlich verreckt in den Straßen von Wolgograd. Mit ihm stirbt ein Stück Hoffnung - für die Welt, die von stetig zunehmender außerirdischer Aggression bedroht ist. Für Jawahirs Arbeitgeber, die XCOM, eine multinationale Bastion gegen die Invasoren. Und für den Spieler - so er denn "XCOM: Enemy Unknown" im Ironman-Modus bestehen will. Dann nämlich ist Jawahir für immer verloren und kann nicht durch das Laden eines früheren Spielstands wiederbelebt werden. Sein Name wird zu einer weiteren Gravur auf der Ehrentafel im XCOM-Hauptquartier.

"Permadeath" heißt dieses in Computer- und Videospielen so seltene Feature, durch das Unachtsamkeit, Unfähigkeit oder ein unglücklicher Zufall unumkehrbare Folgen für Spielfiguren haben können. Für die meisten Spieler ist der virtuelle Dauertod allerdings irrelevant, weil sie sich den dauernden Druck ersparen, der im 'Ironman'-Modus auf ihnen lastet. Sie ergreifen lieber die wunderbare und einzigartige Chance des virtuellen Daseins - nämlich an einem Punkt des Versagens einfach noch mal zu starten und dank neuem Wissen und gewonnener Erfahrung alles besser zu machen.

Gerät die Welt in Aufruhr, ist das Spiel vorbei

Schließlich ist das Spiel auch so herausfordernd genug: "XCOM: Enemy Unknown" hält den Spieler auf Trab, lässt ihn grübeln und sich freuen, fluchen und bereuen. Der Titel, der kürzlich von Spielehersteller Take 2 ("Grand Theft Auto", "MaxPayne") für PC, Xbox 360 und PS3 veröffentlicht wurde, ist eine fesselnde Mischung aus Aufbausimulation und Rundenstrategie. Stetig werden dem Spieler Entscheidungen abverlangt, die Konsequenzen nach sich ziehen - nicht zwingend sofort, aber sicher irgendwann im weiteren Spielverlauf. Womöglich nicht relevant, vielleicht aber doch so schwerwiegend, dass die letzte Verteidigungslinie gegen die Aliens unrettbar in sich zusammenfällt. Der Spieler will alles richtig machen. Aber das geht nicht in der "XCOM"-Welt. Oft lassen sich die Übel nur gegeneinander abwägen.

Die beiden Kernbereiche des Spiels sind eng miteinander verwoben, besitzen aber eine komplett unterschiedliche Mechanik. Als Kommandant der XCOM baut der Spieler seine Untergrundbasis aus; er lässt Aliens autopsieren und ihre Technik erforschen, um dank der gewonnenen Erkenntnisse mächtigere Waffen und Utensilien herstellen zu können. Er heuert Soldaten an und sichert mit Abfangjägern und Satelliten den Globus.

Klassisches Ressourcen-Management ist hier gefragt. Der Spieler muss haushalten mit Geld, Personal und Zeit. Und er muss die Menschheit schonen: Sechzehn Nationen rund um die Erde sind Geldgeber der XCOM. Kümmert sich der Spieler zu wenig um ihren Schutz, steigt die Angst der lokalen Bevölkerung. Ist die Panik zu groß, schert ein Land aus, streicht die Mittel und ist für den gemeinsamen Kampf gegen die Invasion verloren. Gerät die halbe Welt in Aufruhr, ist das Spiel vorbei.

Ein spannendes Kräftemessen

Einzeln bekämpft werden die Außerirdischen in rundenbasierten Taktikgefechten: Der Spieler landet mit einer Handvoll Soldaten am Ort einer Alien-Entführung oder eines UFO-Absturzes. Wie Schachfiguren zieht er sie über unsichtbare Felder durch die Kulisse, lässt sie Deckung nehmen, die Waffe einsetzen oder Spezialfertigkeiten nutzen. Vier Klassen (wie Scharfschütze oder Sturmsoldat) gibt es, die Kämpfer gewinnen Erfahrung und lassen sich in Fähigkeiten und Ausstattung individualisieren.

Sind alle Möglichkeiten des Spielers erschöpft, ist der Gegner am Zug, der sich irgendwo auf der Spielfläche verbirgt. So entbrennt ein hochspannendes strategisches Kräftemessen. Der Spieler bangt und hofft, ist erleichtert und glücklich über das knappe Überleben seiner Leute, womöglich auch wütend auf seine mangelnde Weitsicht und unnötige Waghalsigkeit. Oder bestürzt, dass die Aliens bereits derart stark und überlegen sind. Vielleicht ist vor zwei Spielstunden ja doch mikroökonomisch oder geopolitisch etwas falsch gelaufen.

Die Spielepresse liebt "XCOM: Enemy Unknown", der Testbericht-Aggregator Metacritic kommt aktuell auf einen Wertungsschnitt von 89 Prozent. Der Grund dafür ist nicht nur, dass die amerikanischen Entwickler Firaxis Games - Macher der "Civilization"-Serie - ein hervorragend ausbalanciertes, tiefes und dennoch zugängliches Taktikspiel erschaffen haben. Sondern auch, dass sie der Marke XCOM alle Ehre machen: Reifere Computerspieler erinnern sich mit Freude an das Debüt der Anti-Alien-Behörde in "UFO: Enemy Unknown" - einem PC-Spiel, das Mitte der Neunziger rundenbasierte Strategie zum Massengenre machte und seit 15 Jahren regelmäßig auf Bestenlisten auftaucht.

Der Titel, der vom britischen Entwickler Mythos Games entwickelt und von Microprose veröffentlicht worden war, diente als Vorlage für das neue "XCOM". Und das ist optisch zwar kräftig modernisiert sowie inhaltlich und bei der Spielmechanik stellenweise verbessert. An seiner Motivationskraft aber hat sich nichts verändert. "XCOM: Enemy Unknown" fesselt, bis die Aliens endgültig vertrieben sind. Oder kein Platz mehr auf der Ehrentafel ist.

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Ja ...
kein_gut_mensch 26.10.2012
... das Spiel hab ich auch noch auf der Liste. Wollte mir erstmal nichts mehr kaufen aber das hört sich dermaßen gut an (nicht nur hier) das ich es mir wohl holen werde. Alle noch so kritischen Kritiker haben sich überschlagen. Und das ist doch auch genau mein Genre.
2. Naja...
Der Meyer Klaus 26.10.2012
Auf die ganzen Schwachpunkte wird gar nicht eingegangen. Denn das Spiel ist alles andere als gut für Fortgeschrittene. Viel zu simpel das taktische System das sich sogar selbst im Weg steht. Sturmangriff oder Flankieren, beides wichtige Elemente in einem Taktikspiel, sind absolut sinnlos, da man dadurch maximal Gegner aktiviert, die sonst sich aus dem Kampf erst einmal heraushalten. Selbst wenn knapp neben ihnen eine Rakete explodiert... Dies führt dazu daß man eigentlich 5 seiner 6 Leute immer auf Overwatch hat während der letzte sich langsam vortastet, nur damit die Sniper alles schnell ausschalten. Ein Spiel in dem man den Endgegner mit zwei Schuß killt ohne daß er sich wehren kann... naja, ich weiß nicht. Und das auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Und Ironman ist nur deswegen so schwer weil es meist Interfacefehler sind die einen umbringen. Auch wenn unterschiedliche Ebenen selten eingesetzt werden in den Leveln, so selektiert man mit der Maus merkwürdigerweise automatisch meist das hinter der oberen (dem Spieler näheren) Fläche liegende niedrigere Level. Dies führt dazu daß die Figur aus ihrer Deckung in den Abgrund hüpft und dort natürlich hingerichtet wird. Ein Undo? Fehlanzeige. Auch gibt es kein Hinknien oder Hinlegen mehr. Keine unterschiedlichen Feuermodi. Eine geringere Waffenwahl. Keine Lenkraketen. Weniger Ausrüstung. Keine Munitionssorgen. Keine Basenangriffe (auf die eigene). Nur einen Angriff auf gegnerische Basen. Keine spannenden Luftgefechte. Keine mehrstöckigen Gebäude (bis auf ein oder zwei bei denen man aufs Dach kann). Keine Zufallslevel. Alles geskriptet und vorgegeben. Desweiteren kann man öfter auch mal durch Wände schießen (was man meist nicht weiß) und der Gegner auch oft tut. Das gesamte Interface ist auch für Konsolen ausgelegt und so muss man sich ständig Informationen zusammensuchen anstatt sie an der nötigen Stelle zu bekommen. Charakterentwicklung? Total langweilig. Keine einzelnen Stats mehr die sich unterschiedlich entwickeln. Keine Ausbildungszentren (außer PSI)... Der Medic wurde verletzt? Pech gehabt, denn man kann keine Sachen aufheben. Muss er halt neben seinem eigenen MedKit verbluten... Viele viele Faktoren und Spielelemente mögen im Sinne des Spiels Sinn machen entbehren aber jeglicher Logik. Es wirkt alles extrem unfertig und unausgereift. Ich weiß nicht wer sich sowas ausdenkt aber ich war froh als ich durch war.
3.
Der Meyer Klaus 26.10.2012
Zitat von kein_gut_mensch... das Spiel hab ich auch noch auf der Liste. Wollte mir erstmal nichts mehr kaufen aber das hört sich dermaßen gut an (nicht nur hier) das ich es mir wohl holen werde. Alle noch so kritischen Kritiker haben sich überschlagen. Und das ist doch auch genau mein Genre.
Bloß nicht! Lieber Silent Storm oder ähnliches spielen. Das ist viiiiiiel besser. Oder eben das alte XCOM. Bietet viel mehr. Auch mehr Stimmung. Habe ich schon erwähnt das man zwar Wände zerschießen aber nicht auf sie schießen kann (außer mit Granaten und Raketenwerfer)? Total beschissen. Gerade in späteren Leveln konnte man seine Soldaten häufig retten indem man Deckungen zerschießt oder einfach durch eine Wand hindurch feuert. Jetzt alles Fehlanzeige.
4. Damals
Meckermann 26.10.2012
---Zitat--- Reifere Computerspieler erinnern sich mit Freude[...] ---Zitatende--- ... an eine Zeit, als einem das Spiel nach dem Kauf auch gehörte und man sich nicht durch Accountbindung an Steam selbst entrechten musste.
5. @Meyer Klaus
hans gruber 26.10.2012
Ich hab das alte Mitte der 90er Jahre auch gespielt, aber an die ganzen Features kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Firaxis wollte mit dieser Neuauflage eine breite Masse von Spielern verschiedenen Alters ansprechen auf allen verfügbaren Platformen. Strategie mit Action kombinieren und eine Einstufung als reines Strategiespiel vermeiden.
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