"Yakuza 6" im Test Halt kurz das Baby, ich muss mich prügeln

Kaum ein Spiel fängt die Atmosphäre japanischer Städte so gut ein wie "Yakuza 6: The Song of Life". Doch einen großen Unterschied zur Realität gibt es: An jeder zweiten Straßenecke will sich jemand schlagen.

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Zu den härtesten Prüfungen in "Yakuza 6" zählt ein schreiendes Baby. Wenn es nachts auf einmal losbrüllt, in den sonst so ruhigen Gassen der Hafenstadt Onomichi, fühlt man sich als Spieler genauso überfordert wie die Hauptfigur.

Viel einfacher als das Baby zu beruhigen, ist Kiryu Kazumas sonstige Haupttätigkeit: Gangmitglieder und Halbstarke vermöbeln - mal zwei, drei von ihnen auf einmal, mal direkt ein Dutzend. Man kann den Gegnern herumstehende Fahrräder über den Kopf ziehen, man kann sie in einen Supermarkt locken und dort Regale zerschlagen. Wenn Kazuma etwas beherrscht, dann Prügel-Routinen - schließlich war er früher Mitglied der Yakuza, einer kriminellen Vereinigung in Japan ähnlich der Mafia.

Auf ein schreiendes Baby im Arm aber ist weder der Spieler noch Ex-Yakuza Kazuma vorbereitet. Und so bewegt man leicht überfordert das Gamepad und damit das Baby auf und ab und dann von links nach rechts, in der Hoffnung, dass dieses Problem möglichst schnell vorbeigeht.

Fotostrecke

20  Bilder
"Yakuza 6" im Test: Prügeln, Sushi und Karaoke

Smartphones und Sex-Chats

"Yakuza 6: The Song of Life" ist der neueste Teil einer Action-Adventure-Reihe von Sega, in der in Japan seit 2005 rund ein Dutzend Spiele erschienen sind. In Deutschland blieb ihr der große Durchbruch bislang jedoch verwehrt. Das ist schade, denn die Reihe hat ihren Charme. Kaum eine Serie sonst schafft es, Action und Emotionen, aber auch Kampf- und Storysequenzen so geschickt zu verschmelzen wie "Yakuza". In wenigen Spielen wird man so oft von den Ideen der Entwickler überrascht.

Kazuma (rechts) mit dem Baby
SEGA

Kazuma (rechts) mit dem Baby

Das Spiel erzählt eine erwachsene, durchaus spannende Geschichte: Die, wie Kazuma trotz seiner kriminellen Vorgeschichte ein bürgerliches Leben führen will. Wie eine einstige Kampfmaschine versucht, in Würde alt zu werden und sich der Moderne anzupassen, in der Smartphones und Sex-Chats den Alltag durcheinanderbringen.

Doch so einfach kann Kazuma sein altes Leben nicht hinter sich lassen: Dafür sorgt ausgerechnet das Baby seiner Ziehtochter Haruka. Das landet bei Kazuma, nachdem Haruka in Tokio schwer verletzt wird.

Lieder singen, Autorennen spielen

In "Yakuza 6" darf auf brutale Kämpfe auch mal ein bemitleidenswerter Nebencharakter oder eine skurrile Szene folgen. Manchmal etwa gibt Kazuma das Baby mal kurz aus der Hand, weil ihm wieder irgendjemand Prügel androht, der nicht ahnt, mit welchem Profikämpfer er sich anlegt.

Überraschende Verwandlung: Kazuma als Maskottchen
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Überraschende Verwandlung: Kazuma als Maskottchen

Neben den Haupt- und Nebenmissionen gibt es im Spiel serientypisch außerdem einige optionale, aber bei Gefallen potenziell Stunden fressende Mini-Spiele, vom Karaoke bis zu Arcade-Automaten mit Sega-Klassikern wie dem Rennspiel "Out Run".

Kein japanisches "GTA"

"Yakuza" wird manchmal mit "Grand Theft Auto" (GTA) verglichen, dem wohl besten Open-World-Spiel unserer Zeit - damit gemeint sind Games, in denen man sich frei bewegen und tun kann, was man will. Wirklich passend ist dieser Vergleich aber nicht: In "Yakuza" ist die Story wichtiger, spielstrukturierender als in "GTA", und es wird fast nie mit Schusswaffen hantiert. Konflikte klärt man mit Fäusten und Füßen, die Steuerung in den Kämpfen ähnelt Prügelspielen (siehe Fotostrecke). Außerdem lässt sich auch nicht wie in "GTA" einfach ein Auto klauen oder jeder Passant verprügeln. In "Yakuza" bekommen diejenigen Schläge, die sie verdienen.

Die Spielwelt von "Yakuza" ist zudem kompakter. In Teil 6 ist man in zwei Arealen unterwegs: im aus den Vorgängern bekannten Rotlichtviertel Kamurocho in Tokio und in Onomichi in der Präfektur Hiroshima. Das klingt nicht nach viel, doch die Umgebungen sind im neuesten Teil eine Augenweide und voller Details.

Manche Prügelei endet im Supermarkt
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Manche Prügelei endet im Supermarkt

Man kann zum Beispiel Supermärkte und Restaurants betreten und dort viele einzelne Artikel erkennen oder versuchen, Plakate zu entziffern. Auch die Lichtstimmungen begeistern. Wohl keinem Spiel ist es je besser gelungen als "Yakuza 6", die Atmosphäre japanischer Städte einzufangen, ob es nun das laute, von Neonreklamen durchzogene Rotlichtviertel ist oder die nur anfangs verschlafen anmutende Hafenstadt.

Wer sich verliert, tut das mit Absicht

Die Kämpfe, die in "Yakuza" neben der Story traditionell den größten Teil der Spielzeit einnehmen, gehen trotz manch verrückter Kombo gut von der Hand. Und dank virtueller Hilfsmittel in Form einer Mini-Karte und eines Smartphones weiß man im jüngsten Teil der Reihe auch immer, was wo als Nächstes zu tun ist.

Man kann sich in diesem Mini-Japan und seinen Mini-Spielen zwar bewusst verlieren, man kann aber auch ohne viel Ablenkung die Geschichte durchspielen. Das klappt auch dann gut, wenn "Yakuza 6" der persönliche Serieneinstieg ist. Wichtig ist jedoch, dass man Englisch kann, denn das neue "Yakuza" erscheint hierzulande mit japanischer Sprachausgabe und englischen Untertiteln.

Auch gut zu wissen: Das Spiel beinhaltet sehr viele und mitunter auch mal zähe Zwischensequenzen. Die lassen sich bei mangelnder Geduld zwar abbrechen, der ein oder andere charmante Moment des sonst schnell mal 30 Stunden langen Spiels entgeht einem so aber.


"Yakuza 6: The Song of Life" von Sega, für Playstation 4 (getestet auf einer normalen Playstation 4), ca. 60 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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Lemjus 17.04.2018
1.
Das Spiel wirkt so, als sei es aus den 2000ern , damit meine ich vorallem die Personen, gibt es schon Gameplaymaterial ?
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