Handys, Video-Player oder Game-Konsolen entwickeln sich derzeit zu ernstzunehmenden Musikinstrumenten. Auf den Geräten im Kleinformat laufen schon jetzt Gitarren- oder Klavierfunktionen, Synthesizer oder Soundeffekte. Ursache des Booms ist die Leistungsfähigkeit aktueller Modelle. Respektable Mini-Computer lassen sich inzwischen in der Hosentasche transportieren.
Bevor Nutzer die neuen Möglichkeiten, die die Hardware bietet, ausschöpfen können, müssen die Entwickler von Musikprogrammen für Handy & Co. allerdings oft noch künstliche Hürden überwinden. Denn die Hersteller versuchen im Zweifelsfall die Kontrolle über alle Anwendungen behalten, die auf den Geräten laufen. Daher entbehrt es auch nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Apples iPhone zum Symbol der neuen Musikwelle werden konnte. Derzeit dafür verfügbare Software läuft nämlich nur auf entsperrten oder gehackten Telefonen.
Aber obwohl Apple der Entwicklung eher Steine in den Weg gelegt hat, wurde die Idee, mobile Gadgets als Musikinstrumente zu benutzen, mit der iBand richtig populär. Das Projekt dreier junger Musiker aus Österreich wurde schlagartig durch ein YouTube-Video bekannt, auf dem eigentlich herzlich wenig zu sehen ist: Drei Paar Hände fummeln an einem iPhone, einem iPod Touch und einer Nintendo DS-Spielkonsole herum, ab und an rutscht auch ein Haarschopf ins Bild. Die drei Musiker spielen ein einfach strukturiertes Stückchen, auf den Displays sind Raster oder ein Stück Klaviertastatur zu sehen.
Das iBand-Video ging Mitte Februar online, seitdem wurde es rund 2,6 Millionen Mal angeschaut. Die Faszination des Filmchens liegt wohl in der Tatsache, dass die Musiker gut nachvollziehbar auf Handy, Videoplayer und Spielkonsole spielen, wodurch die Geräte als echte Musikinstrumente erkennbar werden. Damit unterscheidet sich die iBand von anderen Versuchen, mit dem Handy zu musizieren, die eher aufgesetzt wirkten. Etwa bei der ebenfalls österreichischen Band "the handydandy", die auf der Bühne Gitarren durch Mobiltelefone ersetzt.
Profi-Software
Der Name iBand leitet sich zwar von den beiden genutzten Apple-Geräten ab, als Musikinstrument hat derzeit aber Nintendos Videospielkonsole DS die Nase eindeutig vorn. Nachdem sich freie Entwickler schon länger mit dem Gadget beschäftigt haben, wurde es jetzt durch einen renommierten Synthesizer-Hersteller offiziell als Instrument geadelt: Korg kündigte auf einer Musikmesse in Frankfurt eine Software an, mit der die Nintendo DS zum Mini-Tonstudio wird.
Neben zwei Synthesizern soll das " Korg DS-10" getaufte Programm noch einen Drumcomputer, Effekte und Sequenzer-Funktionen bieten. Damit erweist sich der Nintendo DS als würdiger Nachfolger des Gameboys, den findige Bastler bereits Ende der neunziger Jahre als elektronisches Musikinstrument zweckentfremdet hatten. Die altmodische Hardware erlaubte allerdings nur einen ziemlich beschränkten 8-Bit-Sound, während die aktuellen Geräte mit beeindruckender Klang-Vielfalt und -Qualität aufwarten. Und neue, leistungsfähigere Musik-Software für das iPhone ist endlich auch in Sicht.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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