Die etwas absurde Situation lautet wie folgt: Mit nur einer Flatrate kann man fast schon als medialer Anachronismus gelten. Es gibt sie mittlerweile für alles. Internet, Festnetz, Mobile, eine Flatrate für Daten, eine für Gespräche zum Festnetz, selbst für SMS gibt es Flatrates.
In der Duden-Redaktion hatte die Flatrate nur ein recht bescheidenes Leben in dem höchst amüsanten Bändchen Namens "Wörterbuch der New Economy" aus dem schweren Jahr 2001, das man auf der Duden-Homepage mittlerweile als Online-Zugang zur New-Economy-Verfallspreis-Flatrate von 25 Cent erstehen kann. Damals war aber auch alles einfacher: "Pauschale für den Zugang zum Internet" hieß es lapidar. Mittlerweile nennen sich selbst undurchsichtige Preismodelle schon mal Flatrate, und Internet, das war gestern - heute ist Handy.
Rundfunkgebühren fürs Telefon
Handys werden gerne als das "schwarze Loch" der Konvergenz bezeichnet. Kein Medium ist vor ihnen sicher. Nicht das Internet, und erst recht nicht das Fernsehen. Für die Öffentlich-Rechtlichen scheint in ihrer neusten ARD/ZDF-Online-Studie 2006 schon ausgemacht: Als nächstes Opfer der Handy-Konvergenz ist das Fernsehen dran. Nicht ganz uneigennützig, denn schließlich sollen ab 2007 GEZ-Gebühren für die mobile Fernsehempfänger fällig werden.
Eine ähnlich weit gefasste Vorstellung vom Telefon wie in den letzten Jahren findet man sonst nur noch in der grauen Vorzeit, Ende des 19. Jahrhunderts, als es erfunden wurde, und man noch nicht sicher war, ob das beste Einsatzgebiet des "Audiotelegraphen" nicht vielleicht doch die Übertragung von Konzerten wäre.
Für geizige Quasselstrippen
Doch zurück zur Flatrate, denn manchmal entdeckt man, dass selbst die banalste Flatrate mehr kann, als man ihr zugetraut hätte. Die Flatrate vom Handy ins Festnetz ist ein gutes Beispiel. Was stellt man als schnäppchenjagender Durchschnittsbürger an, wenn man selbst den letzten Freund, dank Flatrate, schon so oft angerufen hat, dass jeder weitere Anruf nur noch als Belästigung interpretiert werden könnte?
Wie wäre es hiermit: Einfach mit dem Lieblings-Podcast telefonieren. Auf Phonecaster.de gibt es eine Auswahl von über 1000 deutschen Podcasts, die man alle über ihre eigene Festnetznummer anrufen kann. Ein Computer nebst clever installierter Telefonsoftware irgendwo im schönsten Weingebiet Westfrankens übernimmt den Rest. Der seit nahezu einem Jahr weitgehend unentdeckte, kostenlose Service bringt Podcasts aufs Handy, und das ganz ohne überflüssig teuren Datenschnickschnack.
Musterbeispiel der Konvergenz
Headset auf und für endlose, preislose Minuten die Anschaffung teurer Datenflatrates vergessen. Mit der Telefontastatur lassen sich die so empfangenen Podcasts nicht nur Vor- und Zurückspulen oder Episoden überspringen, man kann sogar Audiokommentare zu den Podcasts abgeben, etwas das man im angestammten Lebensraum der Podcasts zwischen Internet und iPod oft verzweifelt vermisst. Und wer für sich beansprucht, eher ein Sender als ein Empfänger zu sein, kann sogar eigene Podcasts über das Telefon aufnehmen.
Nur ein wenig kreative Nutzung vorhandener Infrastrukturen und schon ist aus einer banalen Flatrate ein Musterbeispiel der Konvergenz geworden, in der altertümliche Mediennutzung plötzlich jeden Hype überflügelt. Dafür nimmt man gerne die Patina der Transistorradioqualität in Kauf.
Sascha Koesch / Robert Stadler, de-bug.de
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