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28.07.2006
 

Handys im Libanon

Psychokrieg per Telefon

Im andauernden Konflikt im Libanon wird eifrig per Handy kommuniziert: SMS und automatisierte Anrufe mit Tonbandansagen sind unter anderem Teil der psychologischen Kriegsführung.

Die Berichte über den tödlichen Beschuss des UN-Beobachtungspostens im Süd-Libanon enthielten ein Detail, dass gewöhnlich nicht auftaucht, wenn es um kriegerische Auseinandersetzungen geht: Die Blauhelme riefen mehrmals bei einem israelischen Verbindungsoffizier an, um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen.

Zerstörtes UN-Gebäude im Libanon: Hilferufe per Handy
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DPA/ U.N. PRESS OFFICE

Zerstörtes UN-Gebäude im Libanon: Hilferufe per Handy

Anrufen? Die Kommunikation an Kriegsschauplätzen läuft über etwas so Ziviles wie ein Telefonat? Das hört sich nach Hollywood an, zum Beispiel dem Irakkriegsfilm "Three Kings", in dem Sergeant Troy Barlow (Mark Wahlberg) mit einem in Kuwait bei einer Plünderung geklauten Handy aus einem Bunkerkerker mitten in der Wüste seine Frau in den USA anruft, damit diese seine Einheit informiert - ein bisschen unrealistisch eben.

Psychologische Kriegsführung

Der Libanon ist natürlich nicht Hollywood, aber: Ja, trotz der erheblichen Zerstörungen der Infrastruktur funktionierten mindesten bis vor kurzem auch im Süden des Landes offensichtlich immer noch Handys und diese werden von den Konfliktparteien eifrig genutzt.

So scheinen automatisierte Anrufe und SMS ein integraler Teil der "Psyops" (Psychological Operations) der israelischen Armee zu sein, denen sonst Websites wie "All 4 Lebanon" zuzurechnen sind: Laut der israelischen Zeitung "Maariv" werden dort Informationen gesammelt, die Israel helfen könnten, die Hisbollah zu bekämpfen.

Nach Angaben der "BBC" erhielten unterdessen die Bewohner im Südlibanon vermeintlich aus Italien oder Kanada stammende Anrufe auf ihren Mobiltelefonen, bei denen eine Tonbandstimme im israelischen Auftrag dazu aufforderte, die Gegend zu verlassen, weil Gefechte bevorstünden. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Hisbollah über die gleichen Mobilfunknetze mindestens bestimmte Teile ihrer Kommunikation abgewickelt hat.

Propaganda per SMS

Nach einem Bericht des US-Magazins "Time" sollen Bürgermeister im Südlibanon von der israelischen Armee per Textnachricht vor bevorstehenden Gefechten gewarnt worden sein.

Und der britische "Guardian" berichtet von israelischer Propaganda per SMS: Demnach bekommen Handy-Nutzer im ganzen Libanon Nachrichten, in denen die Hisbollah und deren Führer Hassan Nasrallah für den Konflikt verantwortlich gemacht werden.

Sascha Koesch / Robert Stadler, de-bug.de

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