Von Markus Eckstein
Aufklappen, Display um 90 Grad drehen, TV-Taste drücken, staunen – so einfach gestaltet sich die Inbetriebnahme des ersten Handy-Fernsehers in Deutschland. Im Test dauerte es zwischen fünf und zehn Sekunden, bis ein erstaunlich detailreiches TVBild auf dem Breitbild-Screen erschien, flankiert vom gut verständlichen Stereoton auf Höhe der links und rechts des Scharniers angebrachten Lautsprecher.
Wer sich die mobile Glotze in die Tasche stecken will, muss in einen Debitel- Shop marschieren. Denn der Provider darf sich das Siegel "Handy- TV-Pionier" anheften: Während das Gros der Branche auf den Standard DVB-H wartet, preschten die Stuttgarter mit DMB voran und bieten ihren Kunden zum P900-Launch vier TV- und einen Radiosender. Mit der Navigationstaste des P900 kann man zwischen ZDF, N24, MTV, einem Entertainment-Kanal und dem Radio-Sender BigFM wechseln.
Kerner und Shakira
MTV und Entertainment-Channel werden mit speziellen Inhalten bespielt: Bei MTV gibt’s – oh Wunder – Musikvideos, auf dem Entertainment-Kanal vor allem Comedy aus dem Hause Sat1/Pro7. Die Preise: 10 oder 15 Euro pro Monat extra, je nach Handy-Tarif.
Die Rahmendaten erklären, warum nicht alle Mobilfunker auf den Zug aufspringen: Die Senderauswahl ist sehr übersichtlich, zudem vergingen beim Programmwechsel im Test bis zu zehn Sekunden – echte Zapper kommen also nicht auf ihre Kosten. "Technisch unterlegen", ruft die DVB-H-Fraktion, "Dienst und Gerät verfügbar" ruft Debitel.
Berlin, Frankfurt, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart und Nürnberg sind derzeit mit DMB versorgt – mehr oder weniger gut. Im Stuttgarter Talkessel etwa war in geschlossenen Räumen der Empfang häufig zu schwach, im flachen Berlin klappte die Inhouse-Versorgung dagegen deutlich besser.
Härtetest Fußball-WM
Von den Örtlichkeiten unabhängig ist die Qualität des P900, mit dem Debitel ein wirklich attraktives Gerät im Portfolio hat. Der Samsung-Klapper hat ungefähr das Format eines aktuellen UMTS-Handys und lässt sich dank der großen Tasten bequem bedienen. Die Verarbeitung ist wie von Samsung gewohnt exzellent.
Ebenso die Anzeige, die aus 240 x 320 Bildpunkten ein erstaunlich gutes Fernsehbild mit kräftigen Farben komponiert. Erst bei schnellen Schwenks zeigen sich gelegentlich Artefakte. Nachrichten, Comedy und Musikclips kann man ohne Ermüdungserscheinungen auch über längere Zeit betrachten, nur Texteinblendungen wie Tickermeldungen strengen die Augen an und sind nicht immer lesbar.
Der Härtetest Fußball-WM zeigte dann die Grenzen des mobilen Fernsehens auf. Beim Blick aus der Totalen ist der Ball zwar zu erkennen, einzelne Spieler lassen sich aber nicht mehr unterscheiden, die weißen Linen wirken krakelig, das Streifenmuster des Rasens verwäscht. Nicht jedes Programm eignet sich also fürs Handy. Zumal im Test nach knapp zwei TV-Stunden mangels Strom Schluss war.
Eingebauter Videorekorder
Für ein komplettes Spiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen reicht der Saft also nicht. Das P900 schaltet immerhin nicht komplett ab, sondern bleibt empfangsbereit für Anrufe oder SMS. Die Standby-Zeit betrug im Test knapp zwölf Tage, die Gesprächszeit liegt zwischen fünfeinhalb und knapp sieben Stunden.
Praktisch: Mit einem kurzen Klick auf die Kamerataste nimmt das Handy einen Screenshot vom Fernsehbild auf, mit einem langen Druck wird es zum Videorekorder. Bilder und Sequenzen werden in einem speziellen Ordner abgelegt und können nur mit dem P900 betrachtet werden – sie lassen sich weder verschieben noch verschicken.
Die übrigen Inhalte landen in der übersichtlichen Dateiverwaltung, knapp 70 MB und ein Steckplatz für MicroSD-Karten stehen zur Verfügung. Beispielsweise den Bildern und Filmen der Kamera. Die farbtreuen Fotos haben eine maximale Größe von 1,9 Megapixeln, könnten aber noch etwas Schärfe vertragen.
Tipp: Stellen Sie in den Kamera- Einstellungen den Sucher auf "Standardverhältnis ". Erst dann erscheint auf dem Display auch wirklich, was später auf dem Foto zu sehen ist. Filme samt Ton zeichnet das P900 mit bis zu 352 x 288 Pixeln Auflösung und im MPEG4-Format auf.
Kalender mit Haken
Als Business-Handy taugt das P900 nur bedingt. Zwar ließ sich das Handy im Test über das beiliegende Datenkabel und nach Installation der PC-Software problemlos mit Outlook synchronisieren, merkt sich aber zu den maximal einspielbaren 1000 Kontakten keine Postadressen und im Kalender ist schlichtweg das Textfeld für Termine zu klein: Nach 15 Zeichen wird der Text abgeschnitten. Das Feld für den Ort eines Termins nennt Samsung übrigens "Speicherplatz".
Transparenter Tarif, gutes Gerät
Mit durchschnittlicher Empfangsund guter Klangqualität kommt das P900 auf ein ordentliches Testergebnis. Noch mag es Verbesserungsmöglichkeiten geben und Nörgler finden genügend Futter, sich über Handy-TV zu mokieren.
Doch vergleicht man den DMBStart mit der Einführung etwa von UMTS, fällt das Fazit positiv aus: Debitel liefert einen kinderleicht zu bedienenden, transparenten, wenn auch nicht besonders günstig tarifierten Dienst, das passende Gerät überzeugt mit Top-Verarbeitung und einfacher Bedienung – der Aufschlag sitzt.
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