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01.09.2006
 

Horrorszenario

Handy-Quasselstrippen im Billigflieger

Nach den verhinderten Terroranschlägen auf transatlantische Flüge schien ein Verbot für Handys und Laptops in Flugzeugen bereits ausgemachte Sache. Aber nächstes Jahr kommt die Mobiltelefonie mit Ryanair sogar in den Billigflieger.

Handys über den Wolken zu benutzen, war nicht immer verboten. So begann in den Vereinigten Staaten erst 1991 die Regulierung durch die Kommunikationsbehörde. Damals, so vermuteten viele, vor allem auf Druck der Fluggesellschaften, die die Einkünfte aus ihren teuren Telefonangeboten in Gefahr sahen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Knallharter Geschäftsmann in knallhartem Wettbewerb - mit Freibriefen für Handy-Telefonierer als Verkaufsargument?
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Mitte der 90er wurden erste Untersuchungen zum Gefahrenpotenzial elektronischer Störungen durch Handys durchgeführt, aber die Ergebnisse sind letztlich nicht eindeutig. Fest steht lediglich, dass Telefone dazu neigen, in abgeschirmten Umgebungen wie einem Flugzeug ihre Sendeleistung zu erhöhen, um eine Verbindung zum nächsten Handymast zu bekommen. Und obwohl sie grundsätzlich auf anderen Frequenzen operieren als andere Kommunikationsinstrumente an Bord, ist nach wie vor wissenschaftlich der Gegenbeweis nicht erbracht, dass sie wie behauptet die Flugsicherheit beeinträchtigen.

Techno-Blubbern in der Stereoanlage

Dass man ankommende Telefongespräche gelegentlich auf Stereoanlagen und Fernsehern durch das typische Techno-Blubbern erkennt, dürfte aber jedem bekannt sein. Elektromagnetische Interferenzen sind eben allgegenwärtig, weshalb Kabel in Flugzeugen auch durchgängig abgeschirmt sind und mangelnde Abschirmung gerade in Zonen intensiver elektronischer Kommunikation ein bekanntes Problem ist, das auch zu Abstürzen führen kann, etwa beim Militär-Helikopter Black Hawk.

Und auch beim Absturz des Fluges TWA 800 in den späten 90ern wurde gemutmaßt, dass Interferenzen mit Kriegsschiffen und Helikoptern die Absturzursache gewesen sein könnten. Bei einem weiteren Unglück in der Nähe von Zürich im Januar 2000 wurde sogar spekuliert, dass eine einfache SMS zum Unglück geführt haben könnte.

Dennoch werden die Gesetze, die - Privatflugzeuge ausgenommen - nahezu weltweit das Mobiltelefonieren in Flugzeugen verbieten, nur selten mit harten Strafen durchgesetzt.

Der Quasselstrippen-Faktor

Die Fluggesellschaften setzen unterdessen auf eine "Handyrepeater" genannte Technik, um die Mobiltelefon-Nutzung zu ermöglichen. Dabei wird, vereinfacht gesagt, eine Sendestation an Bord simuliert und so die strahlungsintensive Kontaktaufnahme mit Masten auf dem Boden verhindert. Diese Woche hat Ryanair als erster Billigflieger angekündigt, nächstes Jahr 50 Maschinen mit der Technik auszurüsten.

Im Angesicht gigantischer Rückrufaktionen von Lithium-Ionen Batterien bei Laptops, die - soviel ist sicher - schon den ein oder anderen Rechner haben explodieren lassen, verwundert es allerdings, dass Handys nicht generell nur ausgeschaltet auf Flügen toleriert werden.

Und wenn man sich ausmalt, was passiert, wenn notorische Vieltelefonierer in der klaustrophobischen Umgebung einer Flugkabine ungebremst Quasseln dürfen, und dabei auch noch auf Mitreisende mit Flugangst treffen, müsste das Handy-Verbot in Flugzeugen ohnehin strikt aufrecht erhalten werden.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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