Mehr als 100 abgehörte Handys, inklusive dem des Premiers, ein dubioser Selbstmord und die Schatten internationaler Geheimdienste: Der Abhörskandal, der im Februar in Griechenland publik wurde, hat das Zeug zum Thriller-Drehbuch. Gleichzeitig erlaubt die Affäre aber auch einen Blick auf einen Bereich der Mobilfunknetze, der normalerweise im Dunkeln liegt: die integrierten Abhör-Möglichkeiten der Mobiltechnologie.
Die bis heute unbekannten Lauscher klinkten sich per Software-Modifikation nur in ein einziges Handynetz ein: Der griechischen Vodafone-Tochter droht in der Folge laut der Telekom-Aufsicht ADAE ein Bußgeld von bis zu 170 Millionen Euro. Ein ADAE-Sprecher warf dem Konzern laut dem "Guardian" vergangene Woche anhaltend mangelnde Kooperationsbereitschaft vor: Zunächst soll Vodafone die Spionage-Software sofort nach der Entdeckung gelöscht haben, was die Rückverfolgung der Täter verhinderte, anschließend und bis heute soll das Unternehmen bei der Aufklärung des Skandals mauern.
Serienmäßige Lauschfunktion
Sollte Vodafone sein Verhalten in der Sache nicht ändern, dürften die Lauscher wohl auf ewig unbekannt bleiben, da sie äußerst raffiniert vorgingen: Sie nutzten schlicht die in die Telefon-Server von Ericsson integrierte Abhörfunktion - die Vodafone Griechenland pikanterweise gar nicht bestellt hatte, aber offensichtlich einfach mitgeliefert bekam.
Die Lauschschnittstelle, eigentlich nur für autorisierte Strafverfolgungsbehörden gedacht, ist wiederum keine reine Erfindung von Ericssons Netzwerksparte, stattdessen beruht sie auf Richtlinien der europäischen Normungs-Organisation ETSI (European Telecommunications Standards Institute).
Überwachungs-Standards
In der ETSI-Arbeitsgruppe Lawful Interception (gesetzlich legitimierte Überwachung) werden die nötigen Schnittstellen von Geheimdiensten und Herstellern definiert - eine Praxis, die von Datenschützern wegen mangelnder Kontrollmöglichkeiten schon lange kritisiert wird.
Die Ereignisse in Griechenland illustrieren nun recht plastisch, wie die standardisierten Mithörschnittstellen missbraucht werden können: Durch die eingeschleuste Software wurden sie immer dann aktiviert, wenn eines der Ziel-Handys verwendet wurde, und die Gespräche auf Wertkarten-Handys umgeleitet. Vodafone Griechenland will denn Fall derzeit nicht kommentieren, hat aber angekündigt, im Zweifelsfall gegen das von der ADAE angekündigte Bußgeld durch alle Instanzen zu klagen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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