Die Mobilnetze der dritten Generation (3G) suchen immer noch verzweifelt nach der Killerapplikation, also der Anwendung, die die Nutzer endlich scharenweise zu UMTS-Verträgen und der intensiven Nutzung der Netze treibt. Zuletzt lagen die Hoffnungen dabei auf mobilem TV oder der Übertragung des YouTube-Prinzips der selbstgedrehten Videoclips auf das Handy.
Jetzt wird die Branche durch eine Umfrage an ein Konzept erinnert, das schon zur Versteigerung der UMTS-Frequenzen hoch gehandelt wurde, aber inzwischen etwas an Strahlkraft verloren hatte: Location Based Services, vom eigenen Standort abhängige Informationen, sind laut einer aktuellen In-Stat-Umfrage für die potentiellen 3G-Anwender wesentlich interessanter als Video- oder TV-Dienste.
Anwendungen entstehen bereits
Die Marktforscher von In-Stat weisen allerdings auch darauf hin, dass das ausgemachte Potential nur dann ausgeschöpft werden kann, wenn die Mobilfunkanbieter mehr geeignete Geräte anbieten, also Handys mit GPS-Funktion (Global Positioning System).
Erfreulich für die Mobilfunkunternehmen im Hinblick auf die ortsbezogenen Services ist vor allem, dass entsprechende Dienste bereits entwickelt werden, vor allem von Firmen, die Navigationssysteme für Autofahrer anbieten: "In Zukunft wird die Navigation nur noch als Applikation auf Handys laufen," skizzierte etwa Ingo Becker von Navigon die weitere Entwicklung anlässlich der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin.
Ein neuer Layer für die Stadt
Und auch die Software "Berlin 3D" der Firma RSS, die virtuelle Flüge durch die Hauptstadt mit erstaunlich detaillierten Ansichten erlaubt, ist bereits auf dem Weg auf das Handy: "Im Moment arbeiten wir daran, dass der User sich auf seinem mobilen Gerät ein Gebäude oder ein kleines Gebiet auswählt und die schon gerenderte 3D-Animation als Film streamen kann. Dies erspart das Laden des gesamten Modells, was die Technik bis dato einfach noch nicht leistet," erklärte Regin Lippold, Projektleiter bei RSS kürzlich gegenüber dem Magazin De:Bug.
Die Übertragung des Navigationsprinzips vom Auto auf den Fußgänger dürfte unterdessen nicht damit enden, einfache Informationen zur Route und möglichen Zielen wie Hotels oder Restaurants zu liefern. Mit 3D-Stadtmodellen, die via Handy während des Stadtspaziergangs abgerufen werden können, spiegelt sich für den Benutzer die reale Welt virtuell - und vor allem mit neuen Informations-Layern angereichert - vor ihm wieder.
Damit können wichtige Orte wie U-Bahn-Haltestellen, Restaurants, Bars, Banken und Clubs durch Hochhäuserschluchten hindurch sichtbar gemacht werden -Fahrpläne, Eintrittspreise, Baujahre, Spielpläne oder etwa der Verlauf der Berliner Mauer werden zugänglich. Der vernetzte, mobile Client mit dem 3D-Modell wird so zum digitalen sechsten Sinn.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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