Bei YouTube avancierte gestern mit mehr als einer Million Aufrufen ein Video-Zusammenschnitt zum Hit des Tages, der das Zeitgeist-Trennungsdrama der Pop-Ikone Britney Spears und ihres Noch-Ehemanns Kevin Federline dokumentiert: Ein TV-Team begleitete Federline den ganzen Tag für ein Reality-Format und wurde so auch Zeuge der offensichtlich entscheidenden SMS.
In dem Zusammenschnitt verkündet Federline zunächst einige Male, wie eng die Beziehung mit Spears sei, um anschließend in einem Restaurant das Scheidungsansinnen per SMS zu erhalten. Anschließend ist er sichtlich konsterniert, und genau dieser Live-Aspekt des Video-Materials scheint bei der YouTube-Gemeinde den Nerv zu treffen.
SMS-Entwicklungsland USA
Federline und Spears heirateten 2004, die 24-jährige Popsängerin reichte am Dienstag die Scheidung ein und beantragte das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Söhne - sehr zu Federlines Unmut. Dass sie ihre Entscheidung per SMS mitteilte, gilt in den USA als Novum, da "Texting" sich hier im Vergleich zu Europa erst mit jahrelanger Zeitverzögerung zu einem Massenphänomen entwickelt hat.
Trotzdem oder gerade deshalb gilt SMS in den USA als besonders Jugend-affin, wodurch Spears sich punktgenau Zielgruppen-gerecht verhalten hat: Zuletzt kam eine Umfrage im Auftrag der Site LetsTalk.com zu dem Ergebnis, dass "Texting" für 49 Prozent der US-Teenager die wichtigste Handy-Funktion darstellt.
Vorreiter Europa
Für die USA gibt es unterdessen keine Zahlen, ob und wie SMS auch bei Beziehungsdramen zum Einsatz kommt, in Europa zeugen aber eine Reihe von Umfragen davon, dass auch wichtige persönliche Entscheidungen gerne in 160 Zeichen per Handy verkündet werden: Beispielsweise bekannten sich neun Prozent der Nutzer des Service Sicap aus der Schweiz dazu, bereits einmal eine Beziehung per SMS beendet zu haben.
SMS muss dabei kein Ausdruck eines unpersönlichen Kommunikationsverhaltens sein: "Viele Teenager und junge Twens berichten mir, dass sie Telefonate als unzulängliche Kommunikationsform empfinden, ebenso wie E-Mails," erklärte unlängst die Anthropologin Jan English-Lueck von der San José State University: "Dagegen erscheinen ihnen SMS-Nachrichten als Form, in der sie sich authentisch ausdrücken können."
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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