Die olympischen Spiele 2008 in Peking werden von einer Reihe technischer Neuerungen begleitet, am augenfälligsten dürfte dabei die Übertragung der Wettkämpfe in dreidimensionalen TV-Bildern werden. Aber auch die Besucher vor Ort werden neues High-Tech-Spielzeug ausprobieren können: Etwa wenn sie sich auf das Abenteuer einlassen, sich ohne Orts- und Sprachkenntnis von ihrem Handy zu einem Restaurant nach ihrem Geschmack leiten zu lassen, und anschließend auch noch die Kommunikation mit dem Kellner vom Telefon abwickeln lassen.
Die explosive Mischung aus möglichen digitalen Kinderkrankheiten und denkbaren kulturellen Missverständnissen verleiht diesem Szenario auf jeden Fall ein unerschöpfliches Anekdoten-Potential. Allerdings stehen hinter dem entsprechenden Projekt namens "COMPASS 2008" das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) und chinesische Partner, weshalb der beschriebene Lokalbesuch nicht unbedingt mit der Bestellung exotischer Speisen desaströs enden muss.
Personalisierter GPS-Führer
COMPASS steht für "COMprehensive PublicinformAtion Services System" und soll Besuchern der Spiele personalisierte Informationsdienste aufs Smartphone oder den PDA zaubern und damit das Handy zum individuellen Fremdenführer und Dolmetscher machen. Dazu muss der Nutzer zunächst ein Profil anlegen, beispielsweise seine kulinarischen Vorlieben angeben, damit ihn das System bei Bedarf mittels GPS-Ortung zu einem ihm genehmen Restaurant lotsen kann.
Ist der Besucher glücklich im Lokal seiner Wahl angekommen, muss er nur noch seine Bestellung in Englisch in sein schlaues Mobiltelefon eingeben, das dann die Übersetzung am Display anzeigt - nur die Geste, mit der das Personal zum Lesen ausgefordert wird, muss der Gast selbst gestalten.
Datenschutz
Das ISS arbeitet bereits seit 2004 an COMPASS und kooperiert dabei mit dem chinesischen Informatik-Institut ICT, CapInfo, einem Systemintegrator aus Peking. Weitere Partner sind das deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Deutsche Telekom.
Ein Feldversuch verlief laut ISS bereits viel versprechend. Demnach haben 15 Tester letztes Jahr erfolgreich Getränke in Cafes bestellt, Taxifahrten absolviert und dabei sogar um den Fahrpreis gefeilscht. Laut Manfred Wojciechowski vom ISS waren "Verkäuferinnen und Taxifahrer" von dem System sogar "begeistert". In der weiteren Entwicklung soll jetzt ein besonderes Augenmerk auf dem Datenschutz liegen, denn damit COMPASS funktioniert, müssen die Nutzer schließlich persönliche Vorlieben preisgeben.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
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