In Kinos sind Hinweise, die das Abfilmen des Geschehens auf der Leinwand verbieten, inzwischen eine vertraute Erscheinung. Sei es als Verbotsschild oder als Trailer im Vorprogramm. Dass die per Camcorder angefertigten Raubkopien in der Regel von miserabler Qualität sind, scheint den Eifer des kopierwütigen Publikums sich nicht zu bremsen. Selbst wenn im Netz bereits direkt von der Master-DVD kopierte Versionen des jeweiligen Films zum illegalen Download bereitstehen, werden Kino-Vorstellungen noch eifrig mit der Kamera mitgeschnitten.
Aber während das Filmverbot in Kinos weltweit ein Thema ist, scheint das artverwandte Phänomen des "digitalen Ladendiebstahls" bislang auf Asien beschränkt zu sein. Der Begriff bezeichnet das Abfotografieren von Buch- bzw. Zeitschriftenseiten mit Kamera-Handys. "Digital Shoplifting" kam 2003 zuerst in Japan auf. Danach wurde in Südkorea über das Thema diskutiert. Seit diesem Jahr ist der virtuelle Raub per Handycam endgültig in China angekommen.
Digital Shoplifting
"Digitaler Ladendiebstahl entwickelt sich zu einem ernsthaften Problem, seitdem immer mehr Handys mit Kamerafunktion ausgerüstet sind", erklärte 2003 ein Vertreter des japanischen Verbands der Zeitschriftenverleger gegenüber "FinanceAsia". Aus dem gleichen Jahr stammt auch ein Bericht der "BBC" zum selben Thema: Demnach verzichteten vor allem junge Japaner immer häufiger auf den Kauf von Magazinen. Wenn sie beispielsweise nur am Modedeteil eines Heftes interessiert waren, fotografierten sie die entsprechende Seite mit ihrem Handy, statt das Heft zu kaufen. Die derart abgelichteten Seiten wurden dann per MMS an Freunde verschickt.
Als Reaktion startete der Verband der Zeitschriftenverleger eine landesweite Posterkampagne. Dabei wurden in japanischen Buch- und Zeitschriftenläden Schilder platziert, die zur Einhaltung "guter Magazin-Manieren" ermahnen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das Abfotografieren der gedruckten Inhalte per Kamera-Handy illegal ist.
Sparsame Studenten
Ein Jahr später erreichte das Phänomen Südkorea. Seitdem finden sich auch dort Plakate mit dem Hinweis, dass "das Fotografieren von Covern und Inhalten die Urheberrechte verletzt". In Südkorea ist der "digitale Ladendiebstahl" vor allem unter Studenten populär, die auf der Suche nach günstigen Illustrationen für Studienarbeiten sind.
Von Studenten als Copyright-Übeltäter, die mit ihren Kamera-Handys zu Werke gehen, berichteten schließlich diese Woche auch lokale Medien in Shanghai. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge tolerierten es die Zeitschriftenhändler der Stadt bisher, wenn potentielle Kunden stundenlang in der ausgelegten Ware blättern. Jetzt zitiert die Zeitung "Shanghai Daily" allerdings einen Manager von "Shanghai Book City", der "die Verletzung von Urheberrechten" mit Kamera-Handys als ernsthaftes Problem bezeichnet. Aus europäischer Perspektive eine bemerkenswerte Aussage, gilt China doch im Allgemeinen als Pirateriehochburg, in der ein laxer Umgang mit geistigem Eigentum gepflegt wird.
Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler
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