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29.04.2007
 

Verkehssicherheit

Fußgängerschutz per Handyortung

Handys am Steuer und Telefonate beim Überqueren der Straße sind reale Risiken des modernen Verkehrs. Aber "intelligente" Leitsysteme könnten Handys auch zur Fußgängerortung nutzen.

Handy und MP3-Player gelten im Straßenverkehr als Sicherheitsrisiko. Dass Telefonate ähnlich negative Auswirkungen auf das Fahrverhalten haben können wie beispielsweise Alkoholkonsum, wird kaum noch bestritten. Und auch Gadget-bewehrte Fußgänger wurden schon als Gefahr ausgemacht: Erst im Februar forderte der New Yorker Senator Carl Kruger, das Benutzen von iPods auf allen Straßen des US-Bundesstaats zu verbieten. Fußgänger unter Musikbeschallung seien im Straßenverkehr zu unaufmerksam, besonders beim Überqueren der Straße, begründete Kruger sein Ansinnen.

Fußgängerin, Nissan-PKW: Wer kein Handy dabeihat, wird nicht wahrgenommen?
AFP

Fußgängerin, Nissan-PKW: Wer kein Handy dabeihat, wird nicht wahrgenommen?

Wie Handys auch zur Sicherheit nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer beitragen können, will unterdessen der japanische Autohersteller Nissan herausfinden. Dabei gehen die Nissan-Entwickler von einer einfachen Überlegung aus: Fast alle Passanten tragen ein Handy bei sich. Dessen Position lässt sich immer exakter bestimmen. Daher müsste das Fahrzeug eigentlich "nur" lernen, Kollisionen mit Handys zu vermeiden, um die Sicherheit von Fußgängern zu erhöhen.

Um die Idee unter praxisnahen Bedingungen zu testen, arbeitet Nissan mit dem japanischen Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo zusammen, der gerade eine neue Netzwerkgeneration in Betrieb nimmt. Für die genaue Positionsbestimmung von Handy und Fußgänger wird dabei auf die kombinierten Daten aus dem Handy-Netz und der Satellitenortung via GPS gesetzt. Die gewonnen Positionsdaten sollen so exakt sein, dass mögliche Kollisionen mit Fahrzeugen, die ebenfalls über GPS verortet sind, frühzeitig erkannt werden können.

Vorausschauendes Verkehrssystem

Dazu müssen die Positionsdaten von Handys und Autos allerdings in einem zentralen System kombiniert und ausgewertet werden - und dies zudem in Echtzeit, da auch eine minimal verzögerte Warnung dem Fahrer in brenzligen Situationen oft nicht genügend Reaktionszeit lässt.

Dieses zentrale System heißt bei Nissan ITS (Intelligent Transportation System). Das zentralisierte Leit- und Verkehrssystem wird derzeit auf einem Testgelände südlich von Tokio entwickelt. Die Fußgängersicherheit via Handy ist hier nur ein Aspekt unter vielen, ITS soll beispielsweise auch lernen, Ampeln flexibel zu schalten, um Unfälle zu vermeiden und einen optimalen Verkehrsfluss zu ermöglichen. Basis für die "intelligente" Verkehrssteuerung ist also die Echtsimulation des Geschehens auf der Straße, die Telefone der Passanten repräsentieren dabei die Fußgänger.

Ganz ungefährlich ist das geplante System allerdings nicht. Aus den frühen Tagen der Autonavigation kennt man Berichte von Fahrern, die sich im Vertrauen in die Technik von ihrem Navi auf nicht mehr vorhandene Brücken oder auf eigentlich unbefahrbare Schotterpisten führen ließen. Ähnliches könnte mit dem Nissan-System künftig japanischen Fußgängern drohen: Wer kein Handy bei sich trägt wird nicht wahrgenommen - und möglicherweise ebenso ignoriert wie jene längst abgerissene Brücke, die einem BMW-Fahrer seinerzeit zu einem unfreiwilligen Bad verhalf.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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