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Dritte-Welt-PC 100-Dollar-Laptop läuft mit Jojo-Antrieb

2. Teil: Ein Kraftwerk für Kinderhände

Kraftwerk für Kinderhände

Die Frage der in Entwicklungsländern notwendigen autonomen Stromversorgung scheint nun auch geklärt. Die ersten Prototypen fielen durch eine große Handkurbel auf, mit deren Hilfe die Schüler den Akku laden sollten. Sehr plakative Idee, aber leider viel zu anfällig, wie Freudenberg zu berichten weiß: "Die Kurbel brach natürlich ab, als Negroponte das erste Gerät dem ehemaligen Uno-Generalsekretär Kofi Annan vorführte."

Deshalb gibt es nun ein neues Konzept. Mit einer Art Jojo soll die nötige Energie wie bei einem Expander erzeugt werden. Jedes Mal, wenn ein Kind an der Kordel des Jojo-artigen Geräts zieht, wird Strom erzeugt und in den Akku geladen. Diese Lösung sei nicht nur robuster, "sondern auch ergonomisch günstiger", so Freudenberg: "Wir streben dabei ein Verhältnis von eins zu zehn an: Eine Minute Bewegung soll Strom für zehn Minuten Arbeit liefern." Zusätzlich soll es eine Solar-Ladestation geben. Die wird in der Schule verbleiben und soll zehn Laptops zugleich aufladen können.

Energiesparend ist auch der Grafikchip. Der kann den Bildschirminhalt quasi zwischenlagern. Liest man also ein digitales Buch, lädt der Chip die jeweilige Seite, zeigt sie an und versetzt dann alle übrigen Komponenten des Laptops in einen Schlafmodus.

Ein Internetzugang reicht für alle

Clever sind auch die Ideen zur Vernetzung. Während bei normalen Laptops die W-Lan-Antennen im Gehäuse stecken, sind sie beim OLPC ausklappbar. Dadurch, so Freudenberg, erreichten die Geräte eine "Reichweite von bis zu zwei Kilometern" im freien Gelände. Unter Normalbedingungen in bebautem Gebiet sind gut 100 Meter drin. Wichtig ist aber vor allem, dass sich die Laptops automatisch miteinander zu einem sogenannten Mesh-Netzwerk zusammenschließen, sobald sie einander nahekommen. Dadurch können die Kinder gemeinsam spielen oder gemeinsam an Texten und Bildern arbeiten.

Vor allem aber dient das Mesh dazu, allen vernetzten Laptops einen Internet-Zugang zu verschaffen. Dazu genügt es, wenn der Server in der Schule online ist. Dessen Verbindung wird über das Mesh von Rechner zu Rechner weitergereicht. Und auch hier gibt es wieder eine bemerkenswerte Detaillösung: Selbst wenn ein OLPC scheinbar komplett abgeschaltet ist, bleibt dessen Netzwerkchip aktiv und sorgt dafür, dass das Mesh erhalten bleibt. Den Energiebedarf dafür taxiert Freundmann auf "wenige Milliwatt".

Programmieren, ohne zu programmieren

Bei der Software setzt das Projekt auf Open Source, also auf Programme, die jedermann nutzen und modifizieren kann. So basiert der Webbrowser des Laptops beispielsweise auf Firefox und das Schreibprogramm auf der Textverarbeitung Abiword. Besonders viel Spaß dürften die jungen Anwender allerdings an "TamTam", einem Musikprogramm, haben.

Freudenbergs Steckenpferd ist jedoch Etoys, eine Software, mit der die Schüler verschiedene Medien zu einem Ganzen kombinieren können. Und das nicht etwa statisch, sondern auch animiert. Damit werden die Schüler sogar in die Lage versetzt, kleine Animationen zu erstellen. Freudenberg vergleicht die Einfachheit, mit der das geht, mit dem Ansatz, den Apple seinerzeit mit dem Simpel-Programmiersystem Hypercard verfolgte. Letztlich versetzt Etoys die Kinder in die Lage, genau das zu tun, was schon Alan Kays für sein Dynabook gefordert hatte: Sie können die Software selbst modifizieren.

Freudenberg: "Damit programmieren die Kinder, ohne es zu merken." Klassenziel erreicht.

Anmerkung des Autors: Wie wichtig ein niedriger Stromverbrauch ist, bekam ich noch während der Bahnfahrt zurück von Potsdam nach Hamburg zu spüren. Etwa auf halbem Weg warnte mich mein Notebook, dass der Akku nun beinahe leer ist und es sich deshalb selber abschalten wird. Mit einem OLPC-Laptop wäre das wohl nicht passiert.

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