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24.06.2007
 

Recycling-Knauser

Michel ist ein Handy-Hamster

Seit mehr als einem Jahr dürfen ausgediente Elektrogeräte nicht mehr in den Müll. Bestimmte Produktgruppen werden trotzdem nicht recycelt, sondern massenhaft aufbewahrt. Die Batterien-Branche fürchtet daher, in Zukunft Recycling-Quoten zu verfehlen.

Seit März 2006 müssen Elektrogeräte von der Waschmaschine über Computer bis zu Handys an eigens eingerichteten Sammelstellen abgegeben werden. Damit wird die EU-Richtlinie zum Elektroschrott-Recycling umgesetzt, in der auch festgelegt ist, welche Recycling-Quoten bestimmte Produktgruppen wann erreichen müssen. Mit diesen sukzessive steigenden Quoten soll sichergestellt werden, dass bei der Schrottverwertung unter Industrie-Regie die angestrebten Ziele erreicht werden.

Sammlerstück: Motorolas Urhandy DynaTec 8000 (1983) gehört zu den wenigen Geräten, die das Sammeln wert sind. Alles andere lohnt kaum: Der legendäre "Knochen" von 1992 kostet heute ab 50 Euro, Nokias frühe Geräte sind ab 1 Euro zu haben - zu deutsch: sie sind Schrott
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DDP

Sammlerstück: Motorolas Urhandy DynaTec 8000 (1983) gehört zu den wenigen Geräten, die das Sammeln wert sind. Alles andere lohnt kaum: Der legendäre "Knochen" von 1992 kostet heute ab 50 Euro, Nokias frühe Geräte sind ab 1 Euro zu haben - zu deutsch: sie sind Schrott

Und obwohl die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, die den E-Schrott einsammeln, und den Verwertern nicht immer reibungslos verläuft, scheint das System heute im Großen und Ganzen zu funktionieren. Der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) erklärte Anfang des Jahres sogar, dass die Schrottaufbereitung angesichts explodierender Preise, etwa für Kupfer, günstiger sei, als gedacht.

Und da die Rohstoffpreise auf absehbare Zeit noch weiter steigen dürften, sollte die Demontage der Elektronikgeräte und die Trennung der verbauten Materialien tendenziell immer lukrativer werden - und damit auch effizienter.

H wie Handy? H wie Hamster!

Aber auf dem Weg in die ökologische Recycling-Zukunft gibt es auch Rückschläge von unerwarteter Seite: Die Konsumenten scheinen mit ihrem persönlichen E-Schrott nämlich anders umzugehen, als es die EU-Pläne vorsehen. Insbesondere ausgediente Kleinstgeräte, allen voran Handys, werden offensichtlich massenhaft Zuhause gehortet, und damit dem Werkstoffkreislauf entzogen.

Sichtbar wird das Phänomen angesichts der Recycling-Quoten für Batterien. So haben die 18 Mitglieder der Branchenorganisation European Battery Recycling Association (EBRA) letztes Jahr 3.050 Tonnen herkömmlicher Einweg-Batterien recycelt, was die leicht rückläufige Absatzentwicklung wiederspiegelt. Gleichzeitig wurden aber nur noch 547 Tonnen Lithium-Ionen-Akkus recycelt, während es 2005 noch 635 Tonnen waren - dabei erleben Lithium-Ionen-Akkus einen anhaltenden Absatzboom, der von Handys und Laptops angetrieben wird.

Widersprüchliche Tipps

Wenn der beschriebene Trend anhält, dürfte die Batterienbranche spätestens 2016 ein Problem bekommen: Dann steigt die geforderte Recyclingquote nämlich von 25 auf 45 Prozent. Dieses Ziel zu erreichen, wird "eine echte Herausforderung", erklärte EBRA-Präsident Bertrand Schutz jetzt gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Dabei gibt Schutz sogar freimütig zu, Teil des Problems zu sein: "Ich habe mein erstes Handy bis heute behalten."

Und wie der Batterien-Manager halten es viele Konsumenten: Auch wenn man sich alle zwei Jahre ein neues Mobiltelefon zulegt, behält man in der Regel das alte Gerät. Schließlich funktionieren die Handys meistens noch und könnten als Zweit- oder Ersatz-Telefon zum Einsatz kommen - besonders praktisch ist natürlich ein Reserveakku. Und wenn das nächste Telefon ausgemustert wird, wirkt das vier Jahre alte Modell oft schon so museal, dass man es nicht übers Herz bringt, es schnöde zu entsorgen.

Aber damit nicht genug: Sogar die Fachleute des Umweltbundesamtes raten Konsumenten zur Zurückhaltung beim Entsorgen alter Elektrogeräte. Statt dessen sollen sie funktionstüchtige Geräte lieber Bastlern oder wohltätigen Organisationen zukommen lassen, weil so die Lebenszeit verlängert wird. Die europäische Kommission erklärt unterdessen, dass die Batterien-Hersteller mittels Werbung und Aufklärung die Verbraucher zur Abgabe ihrer alten Elektro-Gadgets bewegen müssten. Womit Industrie und Umweltbundesamt sich in zukünftigen Kampagnen munter wiedersprechen dürften.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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