Von Matthias Kremp
Schon beim Auspacken merke ich, dass der taiwanische Hersteller HTC seine Hausaufgaben gemacht hat. Statt in einer schlichten Pappschachtel kommt das "Touch" in einem aufwendig gestalteten schwarzen Karton. Ganz wie bei Apple-Produkten gleicht das Öffnen der Verpackung einer Zeremonie. Hier waren Designer am Werk.
Sämtliche Papp- und Papierelemente in dem länglichen Kästchen sind in demselben satten Mattschwarz gehalten wie das Gerät selbst. Zudem ist die Verpackung exakt an ihren Inhalt angepasst. Da wackelt und rappelt nichts. Offenbar geht man bei HTC sogar davon aus, dass Käufer den Kasten längerfristig nutzen. Vielleicht als Schmuckschatulle, denn der Deckel wird von einem Magnetschloss verriegelt. Wer wirft so was einfach weg? Ich jedenfalls nicht. Zumindest nicht, wenn es nach meiner Tochter Frieda geht, die bereits Anspruch auf das Kästchen erhebt.
Doch zurück zum Touch. Nach dem ersten Einschalten staune ich nicht schlecht: Von Windows-Optik keine Spur - zumindest nicht auf den ersten Blick. Wo bei anderen Windows-Handys ein sattgrüner Bildschirmhintergrund die Szene beherrscht, schwelgen die HTC-Designer in Schwarz und Grau. Das sieht verdammt gut aus, denn so erscheint das ganze Gerät wie aus einem Guss. Nur Schwarz muss man halt mögen.
Die Netzwerkeinrichtung konnte ich dank Software-Automatik binnen weniger Minuten erledigen. Danach präsentiert sich die Startseite mit einer dominanten Digitaluhr. Darunter drei Symbole, die mich über neue E-Mails, SMS-Nachrichten und entgangene Anrufe informieren. Darunter drei größere Symbole. Eines führt stets zurück zur Startseite, eines zu weiteren Einstellmöglichkeiten und eines ersetzt die Uhrzeit mit dem aktuellen Wetterbereicht. Das gefällt mir, strahlt mir jetzt doch eine schön gemalte Sonne entgegen, passend zum Wetter. Das untere Bilddrittel wird von Microsofts Online-Portal Windows Live sowie von dessen Suchfunktion eingenommen.
Ein Kubus mit drei Seiten
Das Highlight des Handys bekomme ich aber erst zu sehen, nachdem ich einen Finger vertikal übers Display bewege. Durch diese Geste öffnet sich der Touch Cube, der eigentlich kein Kubus ist, weil er nur drei Seiten aufweist. Indem man dieselbe Fingerbewegung in der umgekehrten Richtung ausführt, schließt man den Cube wieder. Aber das will ich eigentlich gar nicht mehr. Dafür macht es viel zu viel Spaß, durch horizontale Fingerzeige zwischen den drei Seiten des Touch Cube umzuschalten. Denn die Seiten werden dabei in feiner 3D-Animation weitergedreht, ganz so als würde hinter dem Bildschirm tatsächlich ein Würfel umgedreht. Wer schon einmal die Benutzerumschaltung von Mac OS X gesehen hat, weiß, was ich meine.
Vor allem aber macht es mir der dreiseitige Cube super einfach, bestimmte Anwendungen, wie etwa den MP3-Player, den Internet Explorer oder das E-Mail-Programm aufzurufen. Dazu muss ich nur mit dem Finger auf das entsprechende Symbol tippen. Sehr schick ist auch das bebilderte Telefonbuch. Bis zu neun Telefonnummern kann ich da samt Konterfei der jeweiligen Personen ablegen und per Fingerzeig abrufen. Um die Funktion auszuprobieren reichen erstmal zwei. So weit, so gut.
Zurück in die Realität
Sobald ich jedoch den Touch Cube verlasse, beispielsweise, wenn ich das Adressbuch oder den Kalender aufrufe, finde ich mich in einer schnöden Windows-Welt wieder. Das schlichte Schwarz des Cube wird sekundenschnell von einem weißen Hintergrund verdrängt. Der plötzliche Helligkeitswechsel lässt meine Augen zusammenzucken. Besonders krass fällt der Unterschied beim Aufruf des Taschenrechners auf, der reichlich altbacken wirkt. Viel schlimmer ist aber, dass jetzt auch die Bedienung per Finger nicht mehr problemlos funktioniert. Viele Symbole sind zu klein, als das ich sie mit Daumen oder Zeigefinger zielgerichtet erreichen könnte. Also muss ich doch wieder zum Stift greifen.
| Technischen Daten des HTC Touch | |
| Betriebssystem | Microsoft Windows Mobile 6 Professional |
| Arbeitsspeicher | 64 MB |
| Bildschirmauflösung | 320 x 240 |
| Erweiterungssteckplatz | Micro-SD-Card (1 GB-Karte mitgeliefert) |
| Prozessor | OMAP 850, 201 MHz |
| Gewicht | 112 Gramm |
| Maße | 99,9 x 58 x 13,9 Millimeter |
| Drahtlose Verbindungen | GSM/GPRS/EDGE, Bluetooth, W-LAN |
| Standby-Zeit | Bis zu 200 Stunden |
| Sprechzeit | Bis zu 5 Stunden |
| Alle Angaben laut Hersteller | |
Als echtes Highlight des Touch entpuppte sich die Digicam. Die hat zwar nur zwei Megapixel und kommt Handy-üblich ohne optischen Zoom daher, dafür wird beim Fotografieren der gesamte Bildschirm zum Sucher. Auch überrascht mich das Gerät mit vielfältigen Foto-Einstellmöglichkeiten und speziellen Modi, beispielsweise für Sportfotos oder Serienaufnahmen. Die Bildqualität ist zwar nicht gerade überwältigend, für eine Handy-Schnappschuss-Kamera aber vollkommen in Ordnung.
Surftouren auf der rechten Spur
Nicht gerade berauschend, aber doch Ordnung, ist auch die Netzanbindung des Touch. Auf mobiles Highspeed-Internet mit UMTS oder gar HSDPA hat der Hersteller verzichtet. Stattdessen geht das Gerät unterwegs via EDGE online. Für E-Mails und Webseiten, die an mobile Geräte angepasst sind (beispielsweise mobile.spiegel.de), reicht das vollkommen aus. Nur bei fetten, mit Bildern überfrachteten Homepages muss ich mich in Geduld üben. Aber die werden auf mobilen Geräten von Browsern sowieso meist bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt. Besser als der vorinstallierte Internet Explorer schafft das Surfen meiner Meinung nach Opera Mini. Nur leider kann man den offenbar nicht anstelle des Microsoft-Browsers in den Touch Cube einbinden.
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